300.000 Soldaten und 36.000 Panzer_ Größtes russisches Manöver seit 1981
300.000 Soldaten und 36.000 Panzer_ Größtes russisches Manöver seit 1981
Datum: 14.09.2018 - 09:00 Uhr
Barack Obama hatte die Russische Föderation als eine Mittelmacht bezeichnet. Mitt Romney und John McCain nannten Russland und China strategische Gegner. Donald Trump sieht eher China als Wirtschaftsgegner. Seine offene Einstellung zu Russland und Wladimir Putin bringt die halbe US-Elite gegen ihn auf.
Es waren die NATO, EU und USA, die ihre Sphäre in Richtung Russland ausgedehnt haben. Es war nicht umgekehrt. Dennoch wird in den westlichen Mainstream-Medien Russland immer wieder als Bedrohung dargestellt. Seitdem Moskau und Peking klare Signale der Stärke aussenden, wird dies immer wieder als Zeichen der Bereitschaft zur Aggression gedeutet. Doch es ist vielmehr ein Zeichen von Souveränität: Russland und China sind Staaten, die zu groß sind, als dass sie von den USA wirtschaftlich und politisch dominiert werden könnten. Das wird damit zum Ausdruck gebracht: Wir sind zu groß für dich, Amerika!
Das größte militärische Manöver seit Jahrzenten
Seit 1981 hat es auf der Welt kein vergleichbares Militärmanöver mehr gegeben. Rund 300.000 Soldaten sind daran beteiligt, davon rund 3.000 aus China. Auch Einheiten aus der Mongolei nehmen teil. Das Manöver soll vom 11. bis zum 17. September dauern.
Das Manöver trägt den Namen »Wostok«, was soviel wie Osten bedeutet. Damit ist auch das Motto klar: Es handelt sich um eine Demonstration der Stärke des nordöstlichen eurasischen Kontinents. Das Manöver findet hauptsächlich in Sibirien, rund 5.000 Kilometer östlich von Moskau statt.
Rund 36.000 Panzer und 1.000 Flugzeuge kommen zum Einsatz sowie rund 80 Schiffe der Marine. Die Art und Planung des Großmanövers ist nicht auf kleine Grenzkonflikte, Terrorbekämpfung oder Regionalkriege ausgelegt. Es ist ein strategisches Manöver, das den ganz großen Kriegsfall durchspielen soll. Es soll zeigen, wie Russland und China im Falle eines großen Konfliktes militärisch zusammenarbeiten werden.
Tritt das neue Bündnis die Nachfolge des Warschauer Paktes an?
Zwischen Russland und China gibt es zahlreiche bilaterale Abkommen. Aber es gibt auch den Rahmen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ), zu der neben Russland und China zahlreiche innerasiatische Staaten gehören.
Mit dem Warschauer Pakt lässt sich das neue Militärbündnis dennoch nicht vergleichen. Der Warschauer Pakt war von der Dominanz Moskaus über Osteuropa geprägt, so wie die USA heute noch die NATO dominiert.
Doch die russisch-chinesische Kooperation ist das Zusammenspiel zweier Großmächte auf Augenhöhe. China ist die aufstrebende Weltwirtschaftsmacht und Russland die alte Atommacht (mit den meisten Sprengköpfen).
Warum wird das Manöver als Signal an Washington verstanden?
Kein Land der Erde ist stark genug, um militärisch für Russland oder China eine Bedrohung darzustellen. Nur die USA mit ihren tausend Militärbasen weltweit und Bündnis-Netzwerken sind für Moskau und Peking eine Bedrohung. Insofern ist das Manöver ein deutliches Signal an die USA und deren zahlreiche Bündnispartner.
Russland und China wagen es, Schritt für Schritt die US-Dominanz in wirtschaftlicher und geopolitischer Hinsicht anzutasten. Das fängt mit der teilweisen Abkoppelung des Erdölhandels vom US-Petro-Dollar an und hört bei eigenständigen Währungsstrategien nicht auf. In Washington ist längst klar, dass das russisch-chinesische Bündnis die Hauptgefahr für die Hegemonie der USA in der Welt geworden ist. China hat die Industrie, Russland die Bodenschätze, und beide haben militärisches Potential, um frei von Äußeren Einschüchterungen agieren zu können.
In der NATO ist man jedenfalls besorgt, dass die russischen und chinesischen Streitkräfte nicht nur gigantisch groß sind, sondern seit vielen Jahren massiv modernisiert werden. Die USA vor allen Dingen fürchten um ihren technologischen Vorsprung.
Das Manöver ist ein Zeichen von vielen, dass die unter George Bush Senior und Bill Clinton anvisierte monopolare Welt mit den USA als Zentrum nur für kurze Zeit Wirklichkeit war. Jetzt kommt das, was Putin und die chinesische Führung immer wieder angesprochen haben: Das 21. Jahrhundert wird politisch eine multipolrare Welt sein. Russland und China werden als Global Player den USA weiterhin Konkurrenz machen.
[ Stichwort: GeoAußenPolitik ]
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