Hippies von heute: Wo eine Blume noch wichtiger ist als ein Mensch

In politisch korrekter Manier lassen junge Leute, gedanken- und kritiklos, auf Klimademonstrationen, Europabewegungen und Tierschutzkampagnen so richtig „die Sau“ raus. Schließlich dient es dem eigenen Curriculum Vitae.

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In politisch korrekter Manier lassen junge Leute, gedanken- und kritiklos, auf Klimademonstrationen, Europabewegungen und Tierschutzkampagnen so richtig „die Sau“ raus. Schließlich dient es dem eigenen Curriculum Vitae.

Im August dieses Jahres feiert das legendäre Woodstock-Festival, musikalischer Höhepunkt der amerikanischen Hippie-Bewegung, seinen Fünfzigsten. Ist zu diesem Anlass eine wilde Party zu erwarten? Wohl kaum. Eher eine zeitgemäße, brave, politisch-korrekte Veranstaltung mit „safe spaces“ und allem was dazu gehört für alle „Jungklageweiber und -weiberinnen“ der jungen Generation.

Statt „Sex, Drugs & Rock ‘n‘ Roll“ der 60er-Jahre lebt die aktuelle Jugend, wie gegenwärtige Demonstrationen und Proteste zeigen, eine gesellschaftskritisch-aseptische Variante des „Flower Power“ aus, nämlich „Yoga, Smoothies & Gojibeeren“. Hier die Klimademonstration „Fridays for Future“, dort die Europabewegung „Pulse of Europe“ und da die Tierschutzorganisation „Animal Rights Watch“.

Aus dem Blick eines Kurzsichtigen ist das alles schön und gut, es wirkt wie ein kleines Paradies auf Erden, wie eine neugeborene Weltflucht-Romantik. Aus dem Blick eines Weitsichtigen, der die Lebenswirklichkeit des „einfachen Mannes“ berücksichtigt, wird es aber etwas kritischer. Warum? Obschon das Engagement zu honorieren ist, sich gegen das Leid von Tieren oder für ein vereintes Europa einzusetzen, verdeutlicht es den selbstbezüglich-verengten Blick und somit einen Mangel an Überblick der meisten Unterstützer: sie wollen auf das Ganze wirken, handeln im Kleinen und vergessen, dass vom Großen nicht aufs Kleine geschlossen werden kann.

Offensichtlich ist ihre Brille der Bildung falsch justiert. Wissen diese Leute überhaupt, wofür sie sich einsetzen? Was meinen sie mit solch diffus-verwässerten Begriffen, wie „Klima“ oder „Europa“? Wenn schon unter Experten semantisches Stillschweigen hierüber herrscht, bündelt sich so die frei flottierende Energie, die nichts mit sich zu wissen weiß und gefühlt-dionysisch, aber politisch korrekt, die Sau raus lässt?

Oder weist es zusätzlich auf die Verengung ihres gesellschaftlichen Engagements auf die persönlich-private Selbstentfaltung hin? „Ich engagiere mich, also bin ich“. Nicht Europa an sich interessiert sie, sondern ausschließlich das Interesse am eigenen prall- und mit karrierefördernden Inhalten gefüllten Curriculum Vitae. Je politisch korrekter, gesellschaftsfähiger und voller, desto besser für das eigene Vorankommen.

Obwohl es oberflächlich so scheint, haftet solch einer Denk- und Vorgehensweise nichts Rebellisches oder gar Revoltierendes an. Im Gegenteil. Ein wahrer Rebell wäre heute wohl ein Kind des Philosophen Edmund Husserl, der seinem Ausspruch folgt „Zurück zu den Sachen selbst!“. Nicht „Ich“ oder der „richtige“ Lebenslauf interessieren, sondern einzig und allein „die Sache“.

Richtigerweise handelt es sich bei der Flut gesellschaftlich akzeptierter Aktionen um betreutes Rebellieren. Sozusagen eine Revolte mit Stützrädern, gelber Sicherheitsweste und Fahrradhelm inklusive GoPro-Kamera (für den Fall der Fälle). Der einstige Volksfeind Nummer Eins der 1968er-Jahre, der gegen bestimmte Missstände revoltierte und hierfür den Staat und die Eliten verantwortlich machte, ist zum Volksfreund Nummer Eins mutiert, der Hand in Hand mit den Verantwortungsträgern durch die Straßen zieht. Die Unteilbar-Demonstration war solch ein Beispiel.

Würde Putin solche Aktivisten haben, hätte der ganze russische Propagandaapparat nichts mehr zu tun. Der Aufbau und die Instandhaltung eines Propagandaministeriums wären nicht aus moralischen, sondern aus funktionalen Gründen viel zu kostspielig - und wie die Realität zeigt nicht notwendig. Warum einen monströsen Bürokratieapparat unterhalten, wenn sich eine kleine Propagandamaschinerie schon längst in den Köpfen vieler Aktivisten befindet. Sie unterstützen treu und gedankenlos das durch Politik und Gesellschaft vorgegebene System, empfinden es als fürsorglich und befreiend und verbrüdern sich mit den Verantwortlichen dieses Landes. In den Worten des Soziologen Alain Tourains verdeutlicht dieser Prozess „die enge Verknüpfung der persönlichen Subjektkonstitution mit der sozialen Bewegung“. Aktivisten und Regierung sind eins geworden.

Dass sich vor Kurzem ein elfjähriges Mädchen in Berlin wegen Mobbings durch seine Mitschüler das Leben nahm, perlt offenbar an den Aktivisten vorbei. Oder existiert eine Demonstration oder ein #GegenMobbing zur Kritik solcher Gräueltaten, die stetig zunehmen und ein ernsthaft gesellschaftliches Problem darstellen? Das Ignorieren solcher und ähnlicher Zustände zeugt von der Selbstbezüglichkeit, Blasiertheit und Herzlosigkeit vieler Aktivisten.

Vor diesem Hintergrund wird auch Hubertus Heils Vorschlag der Einführung einer Grundrente für Geringverdiener verständlicher. Echte Gefahr strömt nicht von den jungen Wilden, die nach der Pfeife der Berliner Eliten tanzen, sondern von den alten, armen und noch Ruhigen, den einstigen Wilden der „Flower Power“-Ära.

Vielleicht werden sie es sein, die zum Fünfzigsten von Woodstock das Flair von damals einhauchen werden. Mit Schlips und Kragen, dafür aber mit Sach und Krach.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Freigeist

Ich wünsche mir Demos gegen die Steuerparadiese und gegen Ikea, Apple, Amazon und Co, die hier in Deutschland keine Steuern zahlen, aber von der gesamten Infrastruktur bestens profitieren.

Gravatar: A.R.H

Grüß Gott,
in Römer 1:22 ff findet man diese Ökofritzen und LPQTwasweißichnochallesspinner
genau beschrieben:


22 Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden 23 und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. 24 Darum hat sie Gott auch dahingegeben in die Begierden ihrer Herzen, zur Unreinheit, sodass sie ihre eigenen Leiber untereinander entehren, 25 sie, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen anstatt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen! 26 Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; 27 gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen.

Gottes Zorn über die Gottlosigkeit der Menschen
18 Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten, 19 weil das von Gott Erkennbare unter ihnen offenbar ist, da Gott es ihnen offenbar gemacht hat; 20 denn sein unsichtbares Wesen, nämlich seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit Erschaffung der Welt an den Werken durch Nachdenken wahrgenommen, sodass sie keine Entschuldigung haben. 21 Denn obgleich sie Gott erkannten, haben sie ihn doch nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt, sondern sind in ihren Gedanken in nichtigen Wahn verfallen, und ihr unverständiges Herz wurde verfinstert. 22 Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden 23 und haben die Herrlichkeit des unvergänglichen Gottes vertauscht mit einem Bild, das dem vergänglichen Menschen, den Vögeln und vierfüßigen und kriechenden Tieren gleicht. 24 Darum hat sie Gott auch dahingegeben in die Begierden ihrer Herzen, zur Unreinheit, sodass sie ihre eigenen Leiber untereinander entehren, 25 sie, welche die Wahrheit Gottes mit der Lüge vertauschten und dem Geschöpf Ehre und Gottesdienst erwiesen anstatt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit. Amen! 26 Darum hat sie Gott auch dahingegeben in entehrende Leidenschaften; denn ihre Frauen haben den natürlichen Verkehr vertauscht mit dem widernatürlichen; 27 gleicherweise haben auch die Männer den natürlichen Verkehr mit der Frau verlassen und sind gegeneinander entbrannt in ihrer Begierde und haben Mann mit Mann Schande getrieben und den verdienten Lohn ihrer Verirrung an sich selbst empfangen. 28 Und gleichwie sie Gott nicht der Anerkennung würdigten, hat Gott auch sie dahingegeben in unwürdige Gesinnung, zu verüben, was sich nicht geziemt, 29 als solche, die voll sind von aller Ungerechtigkeit, Unzucht, Schlechtigkeit, Habsucht, Bosheit; voll Neid, Mordlust, Streit, Betrug und Tücke, solche, die Gerüchte verbreiten, 30 Verleumder, Gottesverächter, Freche, Übermütige, Prahler, erfinderisch im Bösen, den Eltern ungehorsam; 31 unverständig, treulos, lieblos, unversöhnlich, unbarmherzig. 32 Obwohl sie das gerechte Urteil Gottes erkennen, dass die des Todes würdig sind, welche so etwas verüben, tun sie diese Dinge nicht nur selbst, sondern haben auch Gefallen an denen, die sie verüben.

Gravatar: germanix

@ Bertha Stein

Besser geht es nicht - "GROSSES KINO" Frau Stein!
Klasse geschrieben - tiefsinnig, zynisch, sarkastisch und ironisch - wahrhaftig - DANKE!

"Der Zynismus ist meine Rüstung, der Sarkasmus mein Schwert und die Ironie mein Schild!"

Zyniker sind Realisten, die sich trauen, die Wahrheit zu sagen - und Sie Frau Stein bringen die Wahrheit auf den Punkt! Herzlichen Danke!

@ A.R.H

Super Kommentar - passt wie die Faust aufs Auge - da ist nichts hinzuzufügen!!!

@ Frau Stein, ich würde gerne einigen Schulen diese Ihre Botschaft als Zitat zwecks Aufarbeitung in den Schulen, senden - darf ich das mit Ihrer Genehmigung?

Gravatar: Bertha Stein

@germanix, ich freue mich über Ihre Resonanz und Ihre Anfrage. Gerne können Sie es an die Schulen senden. Mich würde wirklich interessieren, wie es dort ankommen wird. Wird es auf Akzeptanz, Ablehnung oder Indifferenz stoßen?

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