Herr, wir erbitten einen scheiß Sommer!

Il pleure dans mon coeur, comme il pleut sur la ville, seufzte der Dichter Paul Verlaine 1874. Ähnlich das Lebensgefühl, wetterbedingt, hier im deutschen Norden, anno 2013. Nach einem Winter und einem Frühling, der mal zu warm und mal zu kalt und mal zu trocken und mal zu nass, mal zu dunkel und dann wieder lange überraschend hell schien. Gereifte Bewohner meiner Region haben das schon oft erlebt.

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Zwar, wenn man zum Brötchen holen in den Dorfladen geht, ist das Wetter natürlich immer Thema. Bloß kommt da keiner auf den Gedanken, Schietwetter gegen die These vom menschengemachten Klimawandel auszuspielen, von der auch die Lokalblätter randvoll sind. Hev wi allens hevt, sagen sie hier nur. Alles schon mal da gewesen.

Ebensowenig würden wissenschaftliche Kritiker der These vom menschengemachten Klimawandel („Klima-Leugner“), die das Umweltbundesamt just namentlich in die böse Ecke gestellt hat, regionale Wetterereignisse zum Beweis für ihre Sicht der Dinge erheben. Was gegenwärtig allerdings cheap shot wäre.

Aber, wetten dass…?

Ein warmer Juli, käme denn einer, ein womöglich noch wärmerer August, gäbe es den denn mal zum Glück, sie würden stante pede sämtliche Klima-Apokalyptiker auf den Plan rufen. Ich bin lange genug Journalist, um die allfälligen Statements der Expertenriege vorherbeten zu können, die sich in den Medien das Mikro weiterreicht. Sehe schon das vertrocknete Stadtpark-Gras in den Filmberichten, die aufgebrochene Erde an Flussufern mit niedrigem Wasserstand (fotografiert mit dem 28-mm-Objektiv aus fünf Zentimeter Höhe). Die ganze Sahelzone-Ähnlichkeitswettbewerb-Gaukelei bräche wieder über uns herein wie ein Sommergewitter. Welches, natürlich, ebenfalls dem Klimawandel geschuldet ist.

Deshalb, gütiger Herr: Gib uns einen scheiß Sommer!

 

Der Beitrag erschien auch auf achgut.com

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