Henry Kissinger - Ein alt gewordener Mann

Henry Kissinger fordert von der Ukraine die Abtretung von Gebieten. Die passende Antwort aus Kiew kam prompt.

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Henry Kissinger gilt unter Intellektuellen als elder Statesman – ein ehemaliger Politiker, dessen Meinung auch aktuell noch geachtet wird, obwohl er nicht mehr aktiv ist. Diese Ehre hat er sich mit seinen Verhandlungen, die zum Ende des Vietnamkriegs führten, verdient. Jedenfalls ist das eine häufig vertretene Meinung.

Nun hat sich Kissinger zum Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine geäußert – und prompt für harsche Reaktionen aus Kiew gesorgt. Denn der ehemalige US-Außenminister schlug öffentlich vor, die Ukraine solle für einen Frieden Gebiete abtreten. An welche genau er dabei gedacht hat, wurde nicht klar. Aber es dürften wohl die beiden ost-ukrainischen Provinzen Luhansk und Donezk sein und dazu noch die Krim.

Was Kissinger also vorschlägt, ist nichts weniger als eine Belohnung für den Angriffskrieg, den Putin gegen die Ukraine begann. Das wäre, so viele Kommentatoren, eben Realpolitik. Tatsächlich ist es jedoch eine Fehleinschätzung, die mit Realpolitik eben nichts zu schaffen hat. Es ist der reinste Opportunismus a la München.

Und das aus drei Gründen:

Zum einen wird Putin auf diesen Vorschlag nicht reagieren, denn die Krim hat Russland bereits vor 8 Jahren annektiert und die beiden Provinzen wurden zum Teil schon vor dem 24. Februar und bis heute zu großen Teilen erobert. Der Preis ist für Russland zwar hoch. Aber das stört den Potentaten im Kreml so wenig, wie es Stalin gestört hat, dass der Blutzoll für den Angriff auf Finnland sehr hoch war. Putin hätte also praktisch gar nichts gewonnen, was er jetzt nicht hat. Wozu also verhandeln?

Putins Ziel ist die Vernichtung der Ukraine als Staat oder zumindest ein Regime-Change in Kiew. Die Verhältnisse sollen wieder so sein, wie vor den Maidan-Protesten: Ein Satrapen-Regime, das nach Moskaus Pfeife tanzt.

Zum anderen würde Russland für seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg mit einer fetten Beute belohnt und damit Moskau signalisiert: Wagt es einen weiteren Angriff, fällt das nächste Gebiet in den Schoß von Mütterchen Russland. Ansprüche hat der Kreml bekanntlich reichlich. Moldawien und Georgien wissen ein Lied davon zu singen. Jeder Staat, der eine russische Minderheit bei sich duldet, muss mit Ähnlichem rechnen. Putin wird versuchen, sie Heim ins Reich zu holen. Und ein Sieg in diesem Krieg wird ihn nur weiter provozieren.

Drittens wird Russland seine Machtstellung in Südosteuropa deutlich verbessern. Moskaus Armeen haben sich zwar seit Ende Februar nicht mit mit Ruhm bekleckert – die jämmerlich gescheiterten Vormärsche auf Kiew und Charkiv reihen sich ein in die lange Kette russischer Angriffsversuche der vergangenen 100 Jahre. Aber die strategische Lage Russlands hätte sich deutlich verbessert. Den nächsten Angriffskrieg gegen die Ukraine würden die russischen Truppen deutlich weiter westlich beginnen. Und Russland wird ihn beginnen, gerade wenn die Sanktionen nach einem Friedensschluss und der Abtretung der Gebiete, wie Kissinger sie vorschlägt, wieder ausgesetzt werden. Das sollte nach dem 24. Februar wohl jeder wissen.

Das alles wäre anders, falls die Ukraine den Krieg weiter fortsetzt. Ganz sicher nicht, um Russland selbst anzugreifen, auch wenn das sein gutes Recht ist, nachdem Moskau mit dem Angriff begann. Und das Geheul in Russland, wenn die Ukraine Ziele in Russland attackiert, ist im besten Falle grotesk, aber viel eher ein Zeichen von Feigheit. Der Schläger, der jault, wenn das Opfer sich wehrt.

Ein dauerhafter Krieg in der Ost-Ukraine schwächt Russlands Stellung. Das Land ist groß und für asymmetrische Operationen bestens geeignet. Mag sein, dass Putins Truppen ein Vorrücken bis zum Dnjepr gelingt – das Gebiet hinter ihnen wird auf immer Feindesland bleiben. Die Erfahrung Afghanistan wird sich wiederholen – nur vielfach verstärkt. Schon jetzt liegt die Zahl der gefallenen russischen Soldaten deutlich höher als in den zehn Jahren Krieg am Hindukusch. Und dass der Ukraine-Krieg unter den Russen irgendwann populär werden wird, darf man bezweifeln. Sie wissen auch, dass es nicht um ihr Land geht, sondern allein um die feuchten Reichsträume des Machthabers im Kreml. Auf die russischen Märchen Putins fallen nur westeuropäische Trottel herein.

Ein realpolitischer Vorschlag hätte diese reale Lage bedacht. Und hätte der Ukraine geraten, einen Rückzug Moskaus aus den besetzten Gebieten zu fordern und eine Unterstellung unter UNO-Hoheit mit dem Ziel, nach einer Rückkehr der Zivilisten über die Zukunft in einem international überwachten Referendum abstimmen zu lassen. Wahrscheinlich ginge die Krim dann an Russland. Doch für die beiden Ostprovinzen Luhansk und Donezk ist das keineswegs sicher. Und die ganz sicher ukrainischen Gebieten, die Russland sich gerade nimmt, blieben ganz sicher ukrainisch.

Eine solche Lösung strebt Moskau nicht an. Es will die Ukraine erobern. Der Bevölkerung bleibt nur Unterwerfung oder Flucht und Vertreibung. Dass ausgerechnet Henry Kissinger, der aus Deutschland vertriebene Jude, diese Variante unterstützt, erweist ihn nicht als elder Statesman, sondern als alt gewordenen Mann.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Klein,

ja, das ist es, was Kissinger vorschlägt. Allerdings macht er es öffentlich zur gänzlich falschen Zeit. Momentan hilft bei Putin nur Härte.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Rest-Sonntag.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Hans-Peter Klein

@ Wolfgang Hebold 29.05.2022 - 16:25

Hallo, wollte gerade endlich mal an die frische Luft, wird schon wieder nix.

Ihr anvisierter "Sieg", ist es nicht genau das was H. Kissinger ebenfalls vorschlägt (und dem ich mich sinngemäß angeschlossen habe) ?
In der Interpretation sehe ich dies sogar als das an, was Russland eigentlich will.

Rein militärische Betrachtungen will ich nicht weiter kommentieren, es könnten nur laienhafte Meinungsäußerungen meinerseits dabei heraus kommen.

Dann lassen Sie uns doch um genau Ihre Vorstellung von "Sieg" hier gemeinsam Position beziehen:

Russland bekommt die Ostprovinzen und die Krim.
Höchstens noch erweitert um die verbindliche Zusage des Westens, an der Grenze zu Russland keine Mittel-bzw. Langstreckenraketen zu installieren, die in kürzester Zeit Moskau erreichen könnten, wg. Vorwarnzeit und der Gefahr eines unbeabsichtigt ausgelösten Atomkrieges usw.

Nach meinem Eindruck hat sich unsere inhaltliche Auseinandersetzung gelohnt.
Ich sehe jetzt klarer wie Sie denken.
Ich hoffe umgekehrt gilt dies genau so.

Es lohnt sich immer, die andere Seite verstehen zu wollen, nicht zu verwechseln mit Zustimmung/Bejahung auf der ganzen Linie.

Jetzt aber an die frische Luft.
MfG, HPK

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Klein,

Sie fragen nach einem "Sieg" der Ukraine und ob es den geben kann. Was die Frage nach sich zieht, was genau ein Sieg der Ukraine wäre? Sollte es der Ukraine gelingen, die russischen Truppen vom gesamten Territorium der Ukraine zu vertreiben, wäre das ohne Frage ein Sieg. Denn, darüber sollte wohl Einvernehmen bestehen, eine Eroberung Russlands kommt nicht in Frage.

Es wäre in meinen Augen allerdings ebenfalls ein Sieg, falls die Ukrainer alles bis auf die beiden Ostprovinzen und die Krim zurückerobern. Die Chancen dafür stehen nicht so schlecht, sofern die USA weiter systematisch Waffen liefern - etwa die diskutierten weitreichenden Raketen vom Typ M 270 - und die ukrainischen Soldaten an den Systemen trainieren. Was die Russen bisher bieten ist jämmerlich, allerdings nur für jene verwunderlich, die sich in der russischen Militärgeschichte nicht auskennen.

Die wahrscheinlichste Variante ist nach meiner Einschätzung ein jahrelanger Krieg, bei dem die Russen versuchen, bis zum Dnjepr zu kommen, was ihnen aber nicht gelingt. Irgendwann kommt dann wie in Afghanistan der Punkt, an dem der Preis für Moskau zu hoch wird und sie werden sich zurückziehen, auch weil der wirtschaftliche Schaden zu groß ist. Zur Erinnerung: Den Kalten Weltkrieg hat Russland gleichfalls ökonomisch verloren. Es war 1989 pleite.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Hans-Peter Klein

@ Wolfgang Hebold 28.05.2022 - 19:21

Einen schönen Sonntag nach Berlin, Herr Hebold.

Ich denke, aus speziell deutscher Perspektive gilt es zunächst anzuerkennen, dass wir zu klein sind, um die wahre Dimension russischer innerer Angelegenheiten wirklich zu erfassen, geschweige zu erkennen. Russland, dieser größte Vielvölkerstaat der Welt, mit den größten Ressourcenreichtümern reich gesegnet, dieser halbe Kontinent geht seine ganz eigene, russische Entwicklung.
So ein Riesenland kann man nicht regieren wie z.B. die drei deutschsprachigen Vorzeigedemokratien Deutschland, Schweiz, Österreich.

Wir können uns aber an die auf Deutsch gehaltene Rede W. Putins im Dt. Bundestag erinnern, an seine Rolle auf der Münchener Sicherheitskonferenz, als er dem Westen mehrfach und überzeugend die ausgestreckte Hand Russlands entgegen hielt.

Wer wurde da von wem bitter enttäuscht aus welchen nachvollziehbaren Gründen ?

Fernab der politischen Bewertungen des Russland/Ukraine Konfliktes sind Sie nicht auf die Frage eingegangen, ob Sie einen militärischen "Sieg" der Ukraine, sprich: des Westens durch Lieferung schwerer Waffen und Militärberatern,
überhaupt für möglich halten.

Ich halte einen derartigen Sieg rein militärisch nicht für möglich.
Ich befürchte eher eine Eskalation der Gewaltspirale, die am Ende auch uns hier in D treffen wird, mit fatalen Folgen.
Fatalste Folge von allem: Ein neuer, dritter Weltkrieg.

Daher, was H. Kissinger da vorschlägt, dem sollte man unbedingt nachgehen. Es gibt dann weder Sieg noch Niederlage, sondern einen Verhandlungskompromiss nach eingestellten militärischen Handlungen.
Über die Kollateralschäden kann man dann immer noch lang und breit diskutieren, zu ändern ist da eh nichts mehr.

MfG, HPK

Gravatar: Vasco da Gama

"Nehmen Sie die Phase der russischen Geschichte nach der Revolution bis 1945: Es ist eine Geschichte der Unterdrückung und Eroberungen, der Massen- und des Völkermorde."

@Wolfgang Hebold

Sie verwechseln hier wohl die Geschichte der USA mit der Geschichte Russlands. Die USA haben ihr Territorium gewaltsam erobert und viele Indianer massakriert. Informieren Sie sich wie die US Amerikaner die Südstaaten erobert hatten.

https://www.heise.de/tp/features/Westliche-Demokraten-sprechen-mit-gespaltener-Zunge-4469794.html

Das waren brutale Kriege. Die US Amerikaner hatten außerdem zwei mal versucht Kanada mit Kriegen zu erobern. Zum Glück gescheitert.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Klein,

gerade von Ihnen hätte ich etwas mehr erwartet als Sätze wie:

"Woher diese pauschale Ablehnung Russlands, die sehr stark an US-amerikanische Schinken erinnert in ihrer typisch schwarz-weiß polarisierenden Hollywood Darstellung, in denen die Russen stets als das dunkle böse Gegenteil von god's own country persifliert werden."

Meine Haltung zu Russland ist ganz einfach in der Geschichte Russlands begründet. Und das heißt, in der Geschichte seiner Regierungen und Regime. Fast mutet es mir seltsam an, das überhaupt begründen zu müssen, da das Offensichtliche eben offensichtlich ist.

Nehmen Sie die Phase der russischen Geschichte nach der Revolution bis 1945: Es ist eine Geschichte der Unterdrückung und Eroberungen, der Massen- und des Völkermorde. Daran schließen sich bis 1989 über 40 Jahre Unterdrückung in Osteuropa an. Muss ich das wirklich auflisten? Nein, muss ich nicht, denn Sie, Herr Klein, kennen die Fakten so gut wie ich.

Und damit ist Ihre Frage eigentlich schon beantwortet.

Nach 1989 gab es eine kurze Zeit der Hoffnung, dass Russland sich politisch reformiert. Auch ich war vorsichtig optimistisch, dass Russland einen Platz in Europa findet. Diese Hoffnungen wurden böse enttäuscht. Die innere Spaltung des Landes in Europa und Asien kippte mal wieder in die asiatische Richtung. Und heute regiert im Kreml ein Despot, der mehrfach mit dem Einsatz von Atomwaffen gedroht hat, weil westliche Staaten die Ukraine mit Waffenlieferungen unterstützen. Da sind dann Vergleiche mit Stalin durchaus angebracht.

Was uns unterscheidet, Herr Klein, ist, dass ich im Zusammenhang mit dem Angriffkrieg Russlands nicht ständig auf die Missetaten der USA verweise, die es ohme Frage gibt. Warum auch? Es geht hier um die Ukraine. Und nicht um Vietnam oder den Irak. Dass einige Trolle das anders sehen, sollte Sie so wenig kümmern wie mich.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Vasco da Gama

Wolfgang Hebold 27.05.2022

"Im Westen mag man eben keine Diktatoren. "

Aber im Westen mag man sehr wohl Oligarchen udn deren gestohlenes und geraubtes Geld.
Das ist auch der Grund dafür, warum der Westen so gute Beziehungen zu kriminellen oligarchen pflegt wie Poroschenko, oder Großbritannien, die in den letzten 25 Jahren viele schwerkriminellen russische Oligarchen mit offenen Armen empfangen haben, die in GB immer noch leben. Die armen, die vor dem pööhsen Putin geflohen sind.
Außerdem hat der Westen auch zahlreiche Steueroasen, wo schwerkriminelle Oligarchen aus der ganzen Welt und Scheichs ihre Milliarden bunkern (Luxemburg und die Schweitz sind keinesfalls nur Ausnahmen). Sogar die griechischen Oligrachen sollen laut EU-Kommission ca. 260 Mrd € in der Schweiz bunkern. Die EU liebt diese Oligarchen. Wenn das nicht der Fall wäre, dann hätte die EU-Kommission das Vermögen dieser Gauner schon längst eingefroren und konfisziert! Warum wohl hatte die
EU-Kommission sowie der IWF sich während der Eurokrise nicht getraut diese Gelder zur Rettung Griechenlands zu verwenden?
Auch die ukrainischen Oligarchen wie Poroschenko sowie Kolomoyski bunkern ihre Milliarden im Westen. Weil der Westen nun mal ein großes Herz für kriminelle Oligarchen aus der ganzen Welt hat!

Gravatar: Anmgermann

@Karl v. 27.05.2022

Die 850 Mio US$ wurden kolportiert, aber bisher nicht mit harten Fakten bewiesen. Auch wenn ich nicht ausschließen will, dass dies vielleicht doch stimmt, habe ich mich an dem orientiert, was im Businessinsider v. 26.04.2022 veröffentlicht wurde. Auch das reicht ja schon, um die von mir gemachten Schlußfolgerungen zu untermauern. Ein Skandal ist es allemal.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Angermann,

zumindest an zwei Punkten sind wir einer Meinung: Dass es Statthalter heißen muss und dass Großmächte nicht unbedingt moralisch handeln. Auch die USA nicht.

Aber! Beim direkten Vergleich schneiden die USA erheblich besser ab. Siehe Westeuropa/Osteuropa, Südkorea/Nordkorea, USA/Russland. Dass die Entwicklung in Westeuropa dabei in den vergangenen Jahren negativ ist, steht für mich kaum in Zweifel. Daher sehe ich für Polen und die Ukraine zwei Feinde: Moskau und Brüssel bzw die Machthaber im Kreml und in der EU. Die Ukraine lohnt die militärische Verteidigung, das momentane Deutschland eher nicht. Ein von Potentaten wie Putin befreites Russland könnte eine ganz andere Rolle spielen, als das heutige Russland, das sich in den schrecklichen Fahrwassern der Zaren und Stalins bewegt.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Hajo

Das kann man doch mit Afghanistan nicht annähernd vergleichen, denn die Ukraine gehörte einstmals zur Sowjetunion und hat sich durch das Versagen von Moskau damals losgelöst und nahezu der gesamte Osten der Ukraine ist bis heute noch russischstämmig und gehört nicht nur historisch zu Rußland, sondern auch religiös, weil sie zum Einzugsbereich des russisch orthodoxen Glaubens gehören, dessen Sitz in Moskau ist.

Ganz anders sieht es im Westen der Ukraine aus, wo sich der Besitzstand seit Jahrhunderten jeweils verändert hat und auch die Zugehörigkeit zur griechisch orthodoxen Kirche ausgeprägt ist.

Unter dieser Voraussetzung weiß Putin sehr wohl, was zumindest historisch zum Einflußbereich Moskaus zählt und das wird er sich holen und ob Kiew dabei sein wird ist noch offen, denn die werden auch noch in diesen russischen Kreis gezählt, wobei man derzeit noch nicht sagen kann, wie alles verläuft und ob dann die neue Grenze mitten durch die Ukraine von Nord nach Süden läuft und das Land in zwei Hälften teilt.

Der Vorschlag von Kissinger dürfte deshalb diesen historischen Gegebenheiten folgen, wobei es den Vorteil hätte, daß der Krieg beendet wäre und wer keine Konsessionen machen will, der muß halt weiter kämpfen bis zum bitteren Ende und das kann nicht im Interesse des Unterlegenen sein, denn eines ist sicher, das eroberte Gebiet holt keiner mehr zurück, oder er riskiert seinen eigenen Tod und das weiß ein alter erfahrener Politiker, der genau aus diesem Grund diesen Vorschlag machte.

Das wäre vielleicht noch händelbar gewesen, wenn man es mit einer Regionalmacht zu tun hätte, aber Rußland ist der größte Atomwaffenbesitzer und da sollte man sich genau überlegen was man tun will, bevor die ganze Welt in Schutt und Asche versinkt, was die Ukraine keinesfalls wert ist und in Deutschland käme doch auch niemand mehr auf die Idee Elsaß-Lothringen zurück zu holen, weil man genau wüßte, wie man sich dabei die Finger verbrennen würde.

Wer klein und unbedeutend ist sollte sich nicht von anderen in eine Auseinandersetzung mit dem großen Nachbarn hetzen lassen, besser wäre eine neutrale Haltung und Blockfreiheit gewesen, das wäre den Ukrainern weit besser bekommen und nun müssen sie die Suppe allein auslöffeln, was dazu führt, daß sie mindestens ein gutes Drittel ihres Landes und auch von der Wertschöpfung her verlieren und dieser Preis war einfach zu hoch, von den menschlichen Verlusten ganz abgesehen.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

Lieber Wolfgang Hebold,

sie benennen Russlands Präsdidenten Putin als Despoten und Potentaten, weil er quasi zwangsweise „reagiert“
https://www.ipg-journal.de/kommentar/artikel/putin-reagiert-560/
und dafür in Russland längst so beliebt ist, dass westliche Politiker von einer derartigen Quote nur träumen können und abgrundtief gelb neidisch werden???
https://de.euronews.com/2022/04/11/putin-in-russland-immer-beliebter-83-prozent-zustimmung-im-volk

Gravatar: Elmar Oberdörffer

Sehr gehrter Herr Hebold, Herr Kissinger mag zwar alt sein, aber er ist sicher nicht dumm. In der Beurteilung der Lage in der Ukraine und der möglichen Lösung des Konflikts traue ich ihm ein besseres Urteilsvermögen zu als Ihnen. Und ich glaube nicht, daß Putin die Ukraine erobern will. Was soll er mit diesem zerrütteten Staat anfangen? Er hat mehr als genug Land, aber weniger als genug Menschen. Und wenn Sie von Satrapenregierung sprechen: haben Sie die Regierung Zelenski gemeint, die Satrapenregierung von Gnaden der USA? Die die russisch sprechenden Ukrainer im Donbass unterdrückt, ermordet, ihnen ihre Muttersprache verbietet? Diese Gebiete wird die Ukraine zu Recht verlieren, und das ist es wohl, was Kissinger meint. Und Putin wird darauf bestehen, daß die Ukraine nicht in die NATO aufgenommen wird, und wenn diese seine Forderung nicht erfüllt wird, wird es sehr wahrscheinlich einen Weltkrieg geben.

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