Ist die Antwort auf alle Fragen „68“_
Ist die Antwort auf alle Fragen „68“_
Datum: 04.12.2018, 10:13
Für die einen ist das Jahr 1968 nach wie vor die Chiffre für alles Gute, wie Demokratie, Fortschritt und Freiheit und für die anderen ist es dagegen die Wurzel alles Bösen, wie Verharmlosung von linkem Totalitarismus a la Mao und Ho-Chi-Minh oder RAF-Terror, sowie Urquelle linksgrüner Bevormundung und Umerziehung.
Da die Alt-68‘er und ihre Bewunderer gern international denken, wird von ihnen das Jahr 1968 oft auch als das Jahr weltweiten linken Aufbruchs dargestellt. Der Fakt, dass weltweit ganz unterschiedliche Ereignisse, wie z.B. die Unruhen in Paris, in Mexiko oder in Prag (Link: https://de.wikipedia.org/wiki/1968 ) nur bedingt miteinander zu tun hatten, könnte aber die schöne kosmopolitische Andacht stören, weshalb das kaum erwähnt wird.
Für mich als „89’er“ sind die zu jedem 68’er-Jubiläum wiederkehrenden Erzählungen der mehrheitlich ungedienten West-68er das Gleiche, was für die 68‘er damals wohl das „Vater-erzählt-wieder-vom-Krieg“ war: Ausgeschmückte Anekdoten älterer Herrschaften (und Frauschaften natürlich genauso) von dicken Eiern, vom zivilen Ungehorsam gegen mächtige Gegner, ein ewiger Kampf des kleinen Guten gegen das große Böse.
Aber so, wie es schon mit den „Vater- bzw. Opa-erzählt-vom-Krieg“-Geschichten war: Irgendwann kennt man alle Storys und ahnt, dass dabei alles was nicht so heroisch war, lieber weggelassen wird, bis es einen irgendwann dann nur noch nervt.
Diese linke Endlos-Erzählung geht ungefähr so:
„Einst gab es einmal einen Nazi-Deutschland-Nachfolgestaat namens BRD, in dem waren noch ganz ganz viele alte Nazis in Amt und Würden.
Dann kamen die jungen Studenten und kämpften gegen die alten Nazis in der Generation ihrer Väter, kämpften gegen den Muff, für Freiheit und Demokratie, für Menschenrechte, für die Rechte von Frauen und anderen Minderheiten und für Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt und natürlich gegen den bösen Kapitalismus.
Heute aber, liebe Kinder, gibt es leider schon wieder solche bösen rechte Gruppen, wie z.B. die AfD, Pegida etc., die gegen die 68er-Ideen kämpfen. Ja hört nur, sie sagen es ja selbst, das sie die bekämpfen und das beweist ja wohl klar, dass sie somit gegen Freiheit, Demokratie, Menschenrechte und Rechte von Frauen und Minderheiten sind.
Aber gegen diese Bösen steht das breite gesellschaftliche Bündnis aller Demokraten…bla, bla, bla. So, und nun schlaft schön.“
Was ist falsch an der Erzählung? Ja, die 68er kämpften für Freiheit, primär allerdings entweder nur für ihre persönlichen kulturellen bzw. sexuellen Freiheiten oder außerparlamentarisch für die Freiheit, gegen den Willen der Bevölkerungsmehrheit die parlamentarische Demokratie zugunsten eines unklaren Sozialismus-Experiments abschaffen zu können.
Über die These einer irritierenden Parallele der 1933er und der 68er-Jugendbewegung hat bereits Götz Aly, als 68‘er-Insider, in seinem Buch „Unser Kampf: 1968 - ein irritierter Blick zurück“ sehr anschaulich und ehrlich geschrieben.
Aber auch ohne diese These bleibt der schale Nachgeschmack, dass eigentlich trotz bunter „Flower-Power“ ein neuer linker Totalitarismus angestrebt wurde, wenn natürlich auch nur zur „endgültigen Befreiung der Menschheit“.
Nimmt man mal etwas Emotion aus dem Thema raus, fällt als erstes auf, wie wenige Akteure damals 1968 in Westdeutschland eigentlich wirklich aktiv an den Demos teilgenommen haben. Es ist kein Vergleich z.B. mit dem 17. Juni 1953 in Ostdeutschland.
Der größere Teil der Bevölkerung, also z.B. die Arbeiter, die Älteren, die ländlichere Bevölkerung hat gar nicht teilgenommen, ganz im Gegenteil, sie lehnten das oft ab.
Es war nur die Rebellion einer relativ kleinen, satten und vor allen Dingen lauten Gruppe: der Studenten im freien Westen.
Deshalb hieß es auch richtig „Studentenunruhen“ und nicht Volksaufstand oder gar Revolution, wie sie es gerne hätten.
Anders als zur gleichen Zeit in Frankreich, fehlte den deutschen Studenten z.B. jegliche Verbindung zu streikenden Arbeitern oder zu einer sympathisierenden Bevölkerung, wie bei den Aufständischen in Prag.
Viel später weitete sich diese 68er-Bewegung dann allerdings auch dank sogenannter „soft skills“, wie z.B. der westlichen Pop-Kultur und Naturschwärmerei, zu einer veritablen Jugendbewegung aus, inklusive der geistigen Sumpfblüte des Links-Terrorismus, die 1977 ihren Höhepunkt hatte und die dann erst in den frühen 90-igern nach der Wiedervereinigung endete.
Mit ihrem Marsch durch die Institutionen, vor allen Dingen in „soft skill“-Fächern als Lehrer, Soziologen und Journalisten und mit einem beständigen kulturellen Wirken haben die 68er so bis heute eine sehr nachhaltige Umgestaltung unserer heutigen Gesellschaft hervorgerufen.
Auch im Osten gab es ein „1968“, das hier aber vor allen Dingen für das Scheitern des Prager Frühlings stand.
Dieser hatte aber mit den Studentenunruhen im Westen wenig zu tun.
Er war als Reformversuch der Parteiführung unter Alexander Dubcek eher eine verspätete Reaktion der tschechoslowakischen Kommunisten auf die Volksaufstände im Ostblock, die es seit dem 17. Juni 1953 in Ostdeutschland, also 15 Jahre vorher, dann 1956 auch in Ungarn und Polen gab.
Es war der Versuch durch mehr marktwirtschaftliche Elemente und einer gewissen Liberalisierung, also letztlich durch weniger Sozialismus und mehr Sozialdemokratie solchen Unruhen vorzubeugen.
Inhaltlich gab es keine Gemeinsamkeiten, beide Bewegungen waren eher Antipoden, denn im Gegensatz zu den Prager Bürgern, die weniger Sozialismus wollten sehnten die 68‘er Studenten im Westen ja einen Sozialismus und Internationalismus regelrecht herbei.
1968 reiste auch ein Rudi Dutschke nach Prag um die Bürger für eine internationale Revolution zu gewinnen. Doch, obwohl er in seiner Kindheit und Jugend mal DDR-Bürger war, verstand er die Welt nicht mehr. Für seine sozialistischen Träume interessierte sich dort in Prag keiner mehr (Link: https://www.deutschlandfunk.de/uneinigkeit-auch-40-jahre-spaeter.795.de.html?dram:article_id=117511 ).
Was bleibt für Konservative von heute vom Jahr 1968 übrig? Ist es der Schlüssel zum Verständnis unserer heutigen Probleme und der Spaltung unseres Landes?
Nicht ganz, denn es gab einerseits eine linke Bewegung die viel weiter in die Vergangenheit zurückreicht als 1968, zu Marx, zu Rousseau, zur Französischen Revolution und zu den Bauernkriegen unter Thomas Münzers aufrührerischen Reden. In all dem lag immer schon ein Keim zur Zerstörung von Ordnungen, ohne etwas tragfähiges Neues bereitstellen zu können
Andererseits wuchs nach 1990 dann im wiedervereinigten Deutschland nochmal zusammen was trotz mancher Spannungen lange schon zueinander strebte, die Ostlinke (SED-PDS-Linke) nahm die vielen heimatlosen Westlinken auf und band sie parlamentarisch mit ein und im Westen insgesamt bildete sich überall so etwas wie ein linksliberaler Kartellkonsens heraus, der in Deutschland von der Linkspartei bis zur CDU/CSU reicht.
Da wir keine Zeit zurückdrehen können, müssen wir den Fakt akzeptieren, das viele 68’er und die von ihnen nachfolgend geprägten Generationen heute noch über sehr viel Einfluss, als Professoren, Journalisten, Richter etc. pp verfügen und es, bis auf wenige Renegaten, nun mal unsere politischen Haupt-Gegner sind, da sie sich mit den Grünen den parlamentarischen Arm ihrer Bewegung geschaffen haben.
Heute ist es die demokratische Rechte, die in Deutschland wirklich für Freiheit, für echte Demokratie, und Einhaltung von Bürgerrechten im Kampf gegen Ideen von der Zerstörung der Nation, der Familie, der Partnerschaften und des Eigentums steht.
Von Ideen, die aber oft noch älter als die Alt-68’er sind. (Link: https://www.epochtimes.de/wissen/geschichte/die-freie-liebe-das-gescheiterte-sowjetische-experiment-a2158469.html )
Deshalb sollten wir nicht ahistorisch die 68’er dafür alleine verantwortlich machen.
Und nicht vergessen: Von ihren kreativen Protestformen wird so einiges heute auch von uns genutzt – leider noch viel zu wenig.
Angesichts des inzwischen sogar in Kitas praktizierten Gender Mainstreamings oder der staatlich geförderten Denunziationskultur bräuchten wir z.B. dringend „alternative Kinderläden.“
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