Akif Pirinçci - Keine Gefangenen!
Akif Pirinçci - Keine Gefangenen!
Datum: 09.04.2014, 10:50
ZDF entgegnet Zensurvorwürfen
In seiner letzten Stellungnahme auf Facebook beschuldigte Akif Pirinçci die Macher des ZDF, im Besonderen die Redaktion der ZDF-Mediathek, schwere Zensur betrieben zu haben. Pirinçci schrieb von einer „hammerharten, primitiven Zensur“, da das Interview, das er am 2. April 2014 Mittwoch im ZDF Mittagsmagazin gegeben hatte, zunächst aus dem entsprechenden Video in der Mediathek geschnitten wurde.
Am späten Nachmittag des folgenden Donnerstags tauchte das Video dann in einer geänderten Version in der ZDF-Mediathek auf. Das Gespräch mit Akif Pirinçci war zu sehen, jedoch ausdrücklich in einer „gekürzten Fassung“. Auch als separates Video wurde das Gespräch vom ZDF online veröffentlicht.
Schon am Abend des 2. April, wenige Stunden nach dem Live-Interview, als der vermeintliche Zensurskandal hochkochte, wandte ich mich schriftlich an die Zuschauerredaktion des ZDF, an die Redaktion des ZDF Mittagsmagazins sowie an den Intendanten der Sendeanstalt Thomas Bellut. Von Bellut kam lediglich eine Lesebestätigung zurück. Ansonsten herrschte Funkstille. Die Kollegen der „Deutsch-Türkischen Nachrichten“ und „blu-News“ hatten allerdings mehr Glück. Ihnen gegenüber erklärte das ZDF:„Mit brisanten Themen kritisch umzugehen und hart nachzufragen gehört zu den Grundprinzipien der politischen Berichterstattung im ZDF. Unter dieser Maßgabe hat sich die Redaktion im Nachgang mit dem Interview selbstkritisch auseinandergesetzt und die Defizite offen diskutiert.“
Und auf die Frage, warum das Gespräch mit Akif Pirinçci zunächst nicht online veröffentlicht wurde, antworteten die Staatsfunker: „Die rechtliche Bewertung des Interviews hat gezeigt, dass die vollständige Einstellung des Gesprächs in die ZDF-Mediathek zu rechtlichen Risiken für das ZDF führen würde. Grund dafür ist, dass die Rechtsprechung an Aussagen in Live-Interviews einen großzügigeren Maßstab anlegt als an zeitversetzt ausgestrahlte oder zum Abruf bereitgehaltene Sendungen. Die Kürzung erfolgte also in Wahrnehmung unserer redaktionellen Verantwortung und ist selbstverständlich keine Zensur. Bis auf den fraglichen Halbsatz steht das Interview seit gestern 17 Uhr 30 in der Mediathek.“
Im „fraglichen Halbsatz“ hatte Pirinçci von der „der Kindersexpartei – den Grünen“ gesprochen. Das eine solche Rhetorik juristische Konsequenzen haben kann, erscheint nachvollziehbar. Gerade politische Akteure und ihre Lämmer aus der grünen Ecke verstehen oft nur wenig Spaß, wenn eine prägnante Wortwahl gewählt wird. Dem ZDF ist also auf Grundlage der Kürzung des Pirinçci-Interviews kein Vorwurf zu machen.
Pirinçci macht keine Gefangenen. Das lieben seine Fans. Doch sie sollten den verantwortlichen Fernsehmachern auch zubilligen, nicht jede waghalsige Stichelei mitzumachen und persönliche juristische Risiken zu vermeiden.Behutsam ist mit dem Begriff der „Zensur“ umzugehen – bei aller berechtigten Missbilligung gegenüber den televisionären Umerziehungsanstalten.
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