Warum das Betreuungsgeld weg muß
Warum das Betreuungsgeld weg muß
Datum: 04.11.2009, 11:36
Ab 2013 sollen die Mütter (oder Väter); die ihre Babies und Kleinkinder unter 3 Jahren (!) selbst pflegen und erziehen, also auf die Inanspruchnahme eines mit satt 1000 € staatlich subventionierten Krippenplatz verzichten, zum Ausgleich wenigstens ein kleines Betreuungsgeld von 150 € erhalten.
Das Betreuungsgeld ist Gegengewicht gegen die einseitige Krippenförderpolitik. Es soll Eltern Wahlfreiheit sichern, sich für oder gegen die Krippe entscheiden zu können.
Aber genau das darf nicht sein. Kein Ausgleich, keine noch so kleine Anerkennung für elterliche Erziehungsleistung. Wahlfreiheit? Auf keinen Fall! Dergleichen fürchten die Sozialingenieure/innen der Nomenklatura wie der Teufel das Weihwasser. Es geht schließlich um viel, um den ganz großen Wurf, um Konstruktion und Aufzucht des neuen Gender-Menschen, der von archaischen Bindungen (wie z.B. Eltern und Geschwistern) befreit, sich ganz den Erwartungen des gelenkten Mainstreams anpassen und nutzbar machen soll.
In Fragen der staatlich gelenkten Sozialisation soll das Volk keine Entscheidungen treffen. Wir sollen glauben, die Krippe sei der frühkindlichen Weisheit letzter Schluss und das bildungstechnisch Beste für unser Kind. Deshalb sollen wir uns die Krippe selbst wünschen und alles vergessen, was wir von Anbeginn der Menschheit als einzig angemessenen Aufenthaltsort für unsere frühesten Jahre kennen: unsere Mutter und unsere Familie, die uns liebt. (Denn Babies brauchen keine Bildung, Babies brauchen sichere Bindung.)
Um all dies vergessen zu machen ist Eltern-Bashing Trend. Gezielt wird auf das Ansehen und Selbstbewusstsein von Eltern zwecks allgemeiner Verunsicherung. Unter Politiker/innen hat dies schon böse Tradition. So ließ Finanzminister Steinbrück im Februar 2008 durch seinen Sprecher öffentlich mitteilen, „die Frage sei, ob man den Eltern etwas mehr Geld für DVDs oder Zigaretten gebe oder man bedeutend mehr für die Kinder mit besseren Betreuungs- und Bildungsangboten erreiche. Der Minister bevorzuge den zweiten Weg.“ Ministerin v. d. Leyen unterstellte Eltern schon 2007, sie würden vom Betreuungsgeld noch „größere Flachbildschirme kaufen“. Nachdem das Publikum zuvor monatelang mit immer drastischeren Fällen von verwahrlosten Kindern medial konditioniert worden war, konnten die Minister sich des zu erwartenden Beifalls für ihre unverschämten Ausfälle gegen Eltern sehr sicher sein.
Spätestens seit dieser gelungenen Kampagne stehen Eltern generell unter Verdacht, ihren Kindern nichts Gutes tun zu wollen oder zu können. Umso heller erstrahlt dagegen das Licht des guten und treusorgenden Staates, der als Anwalt und Retter der Kinder auftritt und ihre wahren Interessen (gegen die Eltern) vertritt. So kommt es, daß nicht wenige Zeitgenossen, die sich selbst für kritische Geister halten, mittlerweile die Meinung vertreten, Eltern müsse klar gesagt werden, wo es lang geht, in allen Erziehungsfragen, in Bildungsfragen sowieso. Wer nicht spure, dem sollten die Kinder eben weggenommen werden. Alles natürlich nur zum Wohle der Kinder.
Der jüngste Empörungsschwall des Berlin-Neuköllner SPD-Bürgermeisters Buschkowsky gegen ein Betreuungsgeld für zu Hause erziehende Eltern bedient diese eingeübten Reflexe. Dies sichert ihm bundesweite Medienaufmerksamkeit. „In der deutschen Unterschicht wird das Geld versoffen, in der migrantischen Unterschicht kommt die Oma aus der Heimat zum Erziehen, wenn überhaupt“, so poltert er und wird für seinen „Mut“ bejubelt. Na prima!
Neukölln, als Berliner Bronx ist großstädtischer Brennpunkt gescheiterter Ausländerintegration. Wer sich dies als Maßstab für den bürgerlichen Flächenstaat Bundesrepublik verkaufen lässt und den Sinn des Betreuungsgeldes an Neuköllner Problemen misst, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.
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