Kirchenkrieg in Deutschland
Kirchenkrieg in Deutschland
Datum: 17.06.2010, 08:40
Unter dem Titel "Das Schisma in Augsburg ist schon da" hat kath.net heute folgenden Gastkommentar von N.N. veröffentlicht:
"Ja, Mixa hat falsch gehandelt. Er hätte jenen, die im Fernsehen darüber berichteten, vom Stadtpfarrer geschlagen worden zu sein, nicht über seinen wichtigsten Vertrauensmann mit juristischer Gewalt drohen dürfen. Vielmehr hätte er seine Betroffenheit zum Ausdruck bringen und das Gespräch mit den Gewaltopfern suchen müssen, selbst wenn er davon ausgeht, nicht der Täter gewesen zu sein. Und hätte Mixa auf sein Herz und nicht auf seinen Berater gehört, wäre es auch so gelaufen. Er hätte von vornherein einräumen müssen, dass er früher auch mal „Watschn“ verteilt hat und nicht sagen dürfen, „nie jemals“ Gewalt ausgeübt zu haben. So hat es auch Georg Ratzinger getan, und niemand nimmt es ihm übel. Er hätte nicht sagen sollen: „Ich habe ein reines Herz“. Vielleicht stimmte es, weil er gerade aus dem Beichtstuhl kam, doch wie arrogant wirkt das auf die Leute, auch wenn es nicht so gemeint war?
Er hätte sich manche Geldausgabe sparen können und angesichts von Millionen Hartz-4-Empfängern nicht verschwenderisch unnütze Projekte finanzieren dürfen, erst recht nicht aus Stiftungsvermögen des Waisenhauses. Trinkt Mixa abends gerne mit seinen Gästen bis tief in die Nacht? Es wird in den Medien gestreut, Mixa sei Alkoholiker. Er selbst hat dem entschieden widersprochen. Aber muss ein Bischof Anti-Alkoholiker sein? Hat man diesen Vorwurf nicht auch schon dem Herrn gemacht: „Dieser Fresser und Säufer!“ (Mt 11,19)?
Doch was soll das alles? Mixa ist kein Heiliger, er muss es auch nicht sein, zumindest nicht so, wie man sich landläufig einen Heiligen vorstellt. Dass er ein „Heiliger“ ist, behaupten auch nicht „seine Freunde“, die nun stasimäßig aufgefordert werden, sich von ihm zu distanzieren oder zu kündigen. Mixa ist bzw. war ein Amtsträger, der auch Mensch ist, mit Schwächen und Fehlern, mit Runzeln und Makeln.
Doch um all das geht es doch gar nicht. Wer die Bewegung, die Mixa zu Fall gebracht hat, aufmerksam beobachtet, dem schreit es doch ins Gesicht: hier geht es nicht um die Person Mixas, der als Amtsträger angeblich nicht seinem Amt gerecht wird. Hier geht es auch nicht darum, einen „guten Nachfolger“ zu finden. Hier geht es darum, eine andere Kirche zu schaffen, eine deutsch-demokratische Kirche.
Doch Moment! Man sollte nicht verallgemeinern. Es gibt sicher eine Menge unterschiedlicher Motive jener, die auf irgendeine Weise am Sturz Mixas mitgewirkt haben, und nicht allen kann man Antikirchlichkeit unterstellen. Da ist beispielsweise das Domkapitel, das sich seit 2005 vom Platz gestellt fühlt (um in der Fußballsprache zu reden).
Als Mixa kam, wurde sogleich der Begriff „Bistumsleitung“ von der Internetseite des Bistums entfernt. „Bistumsleitung“, das ist kein Kollegium, auch nicht das Domkapitel, sondern der Bischof als Person. Da hatte Mixa völlig recht. Aber es schmerzte natürlich diejenigen, die sich seitdem als erstes Beratungsorgan des Bischofs nicht mehr so richtig ernst genommen fühlten.
Dass dies ein Generalvikar nicht auf Dauer aushalten kann, ist verständlich und menschlich tragisch. Aber ein Generalvikar ist das „alter ego“, das andere Ich des Bischofs – und nicht umgekehrt. Politisch völlig unkorrekt war es natürlich, dass der Bischof als erste Amtshandlung die einzige Frau aus der Ordinariatssitzung ausschloss und der unverheirateten Dame, die Theologische Referentin des liberalen Vorgänger-Bischofs war, mit Witz die eigens eingerichtete Stabsstelle für Ehe und Familie übertrug. Doch Unrecht war das nicht. Spätestens, seitdem Frau Prof. Riedl, die der Bischof noch zur Leiterin der Hauptabteilung Schulischer Religionsunterricht ernannt hat, auf der Abschussliste steht, ist klar, dass es den Protestlern nicht um die Frauenquote geht.
Denn Gerda Riedl ist im Fadenkreuz der Mixa-Gegner – nicht, weil sie Frau, sondern weil sie rechtgläubig ist. Auch die Seminarleitung des Priesterseminars besetzte Mixa neu, indem er den liberalen Regens durch den früheren bischöflichen Sekretär ersetzte, bei dem er sicher sein konnte, dass er in seinem Sinne handelt. All das ist völlig rechtmäßig. In der Politik würde man keinem Regierungschef vorwerfen, dass er Leute aus der Verantwortung entlässt, die nicht in seinem Sinne handeln, und stattdessen andere einsetzt, die seine Linie vertreten. Doch in einem bayerischen Bistum ist das anders. Hier gibt es Seilschaften und Pfründe, die man verteidigt.
Und wenn dann ein Bischof plötzlich autoritär regiert, schafft das Unmut, vor allem, wenn der Bischof nicht auf seine Domkapitulare setzt, sondern auf einen einzelnen Laien, der eine markige katholische Linie vertritt. Dieses Umgehen, ja Ausschalten der alten Akteure war der Funke, der die Lunte entflammte.
Dann gab es die Medien, die seit Watergate wie Hyänen immer auf der Lauer liegen, um Skandale aufzudecken und als „vierte Gewalt im Staat“ öffentlich zu machen, was an den Pranger gestellt gehört. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber es gibt natürlich auch jene kirchenfeindlichen Medien, die offensichtlich einen Wettbewerb ausgeschrieben haben, wem es als erstem gelingt, einen deutschen Bischof zu „schlachten“.
Prof. Arntz will der Süddeutschen ja nun auch die Ulrichsmedaille dafür umhängen. Probiert hatte man es oft, schon seit 1989 beim Erzbischof von Köln, Kardinal Meisner. Die Reihe ließe sich fortsetzen: Erzbischof Dyba, Bischof Müller, Bischof Schraml, Bischof Tebartz-van Elst. Und natürlich auch im deutschsprachigen Ausland: bei Bischof Haas und dem ernannten Weihbischof Wagner ebenso. llesamt konservative Bischöfe! Doch wieso klappte es nicht in Deutschland?
Bislang hatte man es in Deutschland nur mit dem Vorwurf versucht, der jeweilige Bischof sei zu konservativ, politisch inkorrekt oder würde zuviel Geld für Prestigeobjekte ausgeben. Dies kratzte viele Bischöfe in ihrem Image zwar an, vermochte sie jedoch nicht zu stürzen.
Da kam diesen Medien etwas zu Hilfe: die Gewalt- und Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche. Um es klar zu sagen: wer Kinder sexuell missbraucht hat, ist untragbar für ein kirchliches Amt. Doch darum geht es nicht. Endlich hatte man das Instrument gefunden, das unfehlbar wie eine Guillotine wirkt... bitte weiterlesen auf kath.net
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