Haushalten war mal eine konservative Tugend – Kommt sie wieder in Mode?

Nach der Pandemie kam der Krieg. Jetzt wird alles knapper und es steigen die Preise. Grund zur Hoffnung.

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Einige Parteien in Deutschland halten sich für konservativ, andere können das Land gar nicht schnell genug von Grund auf verändern. Doch nun kommt die Realität in Form von Knappheit und Preissteigerungen hereingeschneit und zwingt zu etwas, was Konservative begrüßen und Progressisten verdammen müssten. Es wird wieder stärker auf das Preisschild geachtet. Das zwingt zum rationalen Umgang mit den Ressourcen. Haushalten und im schlimmsten Fall Sparen ist angesagt.

Das kann zu einen den Grünen nicht passen. Denn sie und ihr Klientel haben das Licht der Welt im scheinbar endlosen Wohlstand erblickt; Zeit und Raum genug, um mit Geschichte und Geschlecht nach jeder Richtung zu experimentieren. Die Vorstellung, dass Anna ein Haushaltsbuch führt und Lena die Kosten für ihre Espressomaschine überdenkt, ist absurd; und das nicht nur, weil beide nicht rechnen können.

Und trotzdem setzt der grüne Wirtschaftsminister Robert Habeck durch, was jedem konservativen Wirtschaftspolitiker aus, sagen wir mal, den 1950er Jahren die Freudentränen in die Augen treiben würde. Er zwingt die Bürger zum Haushalten mit Gas und Strom und zum Sparen. Tugenden aus einer längst vergangenen Zeit kehren auf die Tagesordnung zurück. Tugenden, die nur zu bald wieder gefragt sein könnten.

Eine einfache Rechnung macht das deutlich: Sollte der Gaspreis um das Vierfache steigen – und vieles spricht für eine solche Dimension –, dann ergibt sich kein, insbesondere kein existentielles Problem, wenn der Verbrauch entsprechend abgesenkt wird. Dafür gibt es leicht nachzurechnende Wege: Statt dreimal wird nur einmal am Tag geduscht. Statt auf 25 wird die Wohnung tagsüber nur noch auf 18 Grad Celsius erwärmt. Und wer braucht nachts um halb drei 16 Grad in seiner Küche?

Schon ist kritisch von »gesetzlich verordnetem Frieren« die Rede. »Frieren für Habeck« spotten andere, wo sich »Frieren für die Freiheit« oder auch »Frieren für den Frieden« nicht nur besser reimt.

Die entscheidende Frage aber bleibt: Wer, bitte schön, friert denn bei 18 Grad? – Offenbar alle Bürger in Deutschland. Andernfalls gäbe es wohl keine gesetzliche Untergrenze für Vermieter, die bei 20 Grad liegt.

Aber von staatlichen Vorgaben ist hier nicht die Rede. Es geht um Reaktionen, die wirtschaftlicher Reflex genannt werden könnte. Ihrer aller Prämisse lautet: Was nicht da ist, kann man auch nicht verfuttern. Und wer es trotzdem will, muss mehr zahlen.

Diese Art des ökonomischen Denkens nennt sich konservativ. Sie folgt nicht dem Dauerkonsum von immer mehr, wie er in Westdeutschland ab Beginn der 1960er Jahre und im Schutz und auf Kosten amerikanischer Truppen angesagt war. Sie nähert sich eher den Ostdeutschen an, die ihre bestenfalls halbvollen Läden noch in Erinnerung haben. Vielleicht wirkte die DDR deshalb für Westbesucher immer ein klein wenig preußisch und in jedem Fall konservativ und an diesem Punkt so gar nicht sozialistisch. Jeder wollte oder musste bewahren, wollte oder musste haushalten mit dem, was es gab. Kein schlechter Anfang für eine Definition dessen, was konservativ genannt werden könnte. Falls jemand an einer Definition des Wortes konservativ interessiert ist, das sich ja bekanntlich jeder Festlegung beständig entzieht.

Seltsam ist nur, dass ausgerechnet die tief im Westen verwurzelten und erklärtermaßen der Moderne und dem Fortschritt verpflichteten Grünen nun Haushalten und Einsparen fordern und das ja nicht erst seit dem Tag, als der Überfalls Russlands auf die Ukraine begann. Auch die sogenannte Klimakrise brachte den ein oder anderen der Öko-Partei auf die Idee, von den Bürgern den bedachteren Umgang mit Resourcen zu erwarten. Sind die Grünen etwa konservativ?

Natürlich haben die Grünen nicht plötzlich ihre modernistische Haltung geändert. Robert Habeck und sein Quotenstall haben mit konservativ und Haushalten und Sparen herzlich wenig am Hut. Für diese Tugenden treten sie ein, wenn es gilt, anderen ihre Ideologie aufzudrücken. Sie selber wollen bis zum Abwinken prassen. Vergessen wir nicht: Veganes Essen ist eine Marotte gut versorgter Kleinbürgerkinder aus Großbürgerwohnungen der Innenstädte. Und da Haushalten auf Kalkulieren beruht, kommen sämtliche Rechenschwächen zum Tragen – aber das hatten wir schon.

Die Grünen sind nicht konservativ, auch wenn sie es in einigen Teilen ganz am Anfang mal waren. Sie sind die Ausgeburt leeren Konsums mit einem Hang zum Totalitären. Nina Hagen hat mit dem Lied »TV« die Sache richtig getroffen: »Es ist alles so schön bunt hier.« So gefällt es den Grünen und die Regenbogenfahne passt im tiefsten Sinne zu ihnen und ihrem Hang zum Konsum. Divers müssen die Waren erscheinen, das ist jedem Teppichhändler bekannt.

Warum nun andererseits unter denen, die sich heute in Deutschland konservativ nennen, das Geschrei über die anstehenden Einschränkungen besonders groß ist, verlangt nach einer Erklärung, für die ich weiter ausholen muss. Statt sich nämlich zu freuen, dass den wohltätigen Wohlstandsbälgern endlich ein Stück Realität an die Backe geklebt wird und auf den dummen Blick von Lang, Fester und Göring zu warten, wenn sie demnächst zweimal darüber nachdenken werden, wie viele Migranten sie noch in die Sozialsysteme Deutschlands einladen wollen, wenn das Geld erst einmal fehlt, keifen diese selbsterklärt Konservativen unisono los, das könne man mit ihnen nicht machen.

Und es ist, zugegeben, auch fies, dass die politische Situation es ausgerechnet einem grünen Wirtschaftsminister erlaubt, Forderungen zu stellen, die im Grunde von Konservativen gestellt werden könnten – und sei es auch nur als pädagogisches Mittel. Robert Habeck ist nicht der Typ, von dem man sich etwas vorschreiben lässt. Dazu mangelt es ihm an Statur. Dafür weist er zu wenig vor. Und das wenige, das er vorweisen kann – Kinderbücher, Doktor der Philosophie –, nimmt man so ernst, wie die schweren Waffen der zu leichten Völkerrechtlerin Annalena Baerbock.

Doch gerade in diesem Aufschrei, der gestern nach Bekanntgabe der Notfallmaßnahmen durch das konservative Deutschland ging, zeigt sich, wie tief der Wandel, der in den frühen 1960ern begann, uns geprägt hat. Kein wirklicher Konservativer wäre jemals auf den absurden Gedanken verfallen, man bräuchte für den Einkauf in der Stadt ein allradgetriebenes Monsterauto. Natürlich hätte er sich ebensowenig auf ein bengalisches Lastenfahrrad gesetzt, dessen Preis einer indischen Großfamilie mehrere Wochen Luxusleben bescherte. Er hätte das Maß der Mitte gewählt. Das Normale. Das, was nicht immer und gleich alle Eitelkeiten und Perversionen befriedigt.

Aber normal ist nicht mehr normal. Die Mitte ist verloren gegangen. Haushalten und Sparen gelten als unfein.

Und genau dazu zwingen uns die Realitäten in den kommenden Wochen. Dabei ist es unerheblich, ob die Preissteigerung von der absurden Klimapolitik der Regierung ausgelöst wurde oder der Bereitschaft der christlichen und überdies konservativen Ukraine, ihre Freiheit und ihre Kultur gegen die Aggression eines offenbar in Teilen eben doch asiatischen Russlands mit der Waffe in der Hand zu verteidigen. Das eine und das andere oder auch beide zusammen zwingen uns, wieder in Maßen zu konsumieren und zu überdenken, was uns alles angeblich zusteht. In diesem Durcheinander könnten Konservative und konservatives Denken ein ruhiger und beruhigender Punkt sein. Wenn es sie gäbe.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Wahrheitsfinder

Ja FRÜÜÜHER !!
Früher wurde noch gehaushaltet !?
Früher gab´s ja auch noch mehr Lametta !!
Früher gab´s auch noch sog. Hausfrauen - die dann den Haushalt "geschissen" haben.
Früher konnte ein sog. "einfacher Arbeiter" sogar noch (halbwegs) eine ganze Familie ernähren...

Gravatar: Müller Milch

Das sind die Gründe für die Krise:
1. Geldpolitik der EZB
2. Rettungschirme für Pleitestaaten
3. Schuldenpolitik der EU-Regierungen
4. Energiewende und Klimaideologie
5. Sanktionen gegen Russland

Das sind die Lösungen:
1. Stopp der billigen Geldschwemme
2. Stopp der Rettungsschirme
3. Stopp der Schuldenpolitik
4. Stopp der Energiewende
5. Stopp der Russlandsanktionen

Gravatar: karlheinz gampe

@ Wolfgang Hebold
Wer hat die Preissteigerungen verursacht? Etwa Putin wie ungebildete Idioten behaupten? Fakt ist, dass die Preissteigerungen durch Geld drucken und Schuldenpolitik verursacht werden! Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Jemand der ständig über seine Verhältnisse lebt, der geht pleite und wenn er dann lieber teuer als billig einkauft ist er ein absoluter Trottel.
Die BRD wird von rotgrünen Idioten vor die Wand gefahren-

Gravatar: Uwe Lay

Dem gemeinen Volk Wasser predigen, selbst aber den Wein genießen, ist das conservativ? Wer muß denn nun die Heizung runterstellen, weniger essen und überhaupt den Gürtel enger schnallen? Doch nicht das Wählerklientel der "Grünen", sondern der "Kleine Mann". Einst war es das Privileg der Oberen 10.000, konsumieren zu können, aber in der modernen Massenkonsumgesellschaft kann das jeder. Daß es wieder Privilegien geben soll, das verlangt, dem Volke Wasser zu predigen, um endlich den Wein wieder als Privileg genießen zu können.
Uwe Lay Pro Theol Blogspot

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Einige Parteien in Deutschland halten sich für konservativ, andere können das Land gar nicht schnell genug von Grund auf verändern. Doch nun kommt die Realität in Form von Knappheit und Preissteigerungen hereingeschneit und zwingt zu etwas, was Konservative begrüßen und Progressisten verdammen müssten.“ ...

Ja Kreuz, Kruzifix und ... Allahu Akbar, warum nur erinnert mich das so extrem an eine Zeit, die ich - als „Anfang vom Ende“ - längst vergessen glaubte, von deren führendem Politiker man schreibt:

„Er gilt als einer der umstrittensten Politiker der Weimarer Republik: Heinrich Brüning, deutscher Reichskanzler von 1930 bis 1932. Mit seiner Kanzlerschaft begann die Ära der Präsidialkabinette, an deren Ende die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler stand.“
https://www.deutschlandfunk.de/der-anfang-vom-ende-112.html

Gravatar: Walter

@ Hebold

Für solche langweiligen Artikel lohnt es sich nicht einen Kommentar zu schreiben.

Gravatar: Joachim Datko

Ausnahmefälle nehme ich nicht zur Darstellung von allgemeinem Verhalten.

Zitat: "Dafür gibt es leicht nachzurechnende Wege: Statt dreimal wird nur einmal am Tag geduscht. Statt auf 25 wird die Wohnung tagsüber nur noch auf 18 Grad Celsius erwärmt."

Mein Verhalten liegt auf der Gegenseite und eignet sich daher auch nicht als Grundlage allgemeiner Aussagen.

Ich dusche nicht täglich, was gesünder ist. Mit 18 Grad Zimmertemperatur bin ich auch zufrieden.

Die Absenkung der Zimmertemperatur um 1 Grad Celsius führt zu einem ungefähr 6 Prozent niedrigerem Verbrauch an Heizenergie.

Joachim Datko - Ingenieur, Physiker

Gravatar: Hajo

Not kann zur Tugend werden und fällt aus, sobald die Völlerei wieder auf dem Vormarsch ist und das hat nichts mit Einsicht zu tun, die Banken sind ja nur reich durchs Geldverleihen geworden und demzufolge ist vieles auf Sand gebaut und die wenigen, die wirklich haushalten können indem sie sich aus eigenem Überschuß heraus entwickeln, gelten oftmals als rückständig.

Was wäre, wenn sich jeder zurückhalten würde und seine Bedürfnisse den Umständen anpassen würde, dann wäre der Wirtschaft auch nicht geholfen und so sind wir alle zusammen eine einzige Notgemeinschaft in der Hoffnung es wird doch nicht so schlimm kommen, was aber in schöner Regelmäßigkeit eintritt, wenn man so die Jahre rückwärts betrachtet.

Die Politik ist nur der äußere Fingerzeig, was auf Verwerfungen hinweist, ob selbst verschuldet oder nicht und das andere findet meist im verborgenen statt und vernichtet oder läßt neues entstehen und der Erfolg wird es zeigen und ohne Willen geht garnichts, wenn man weiß auf was es ankommt.

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