Krippe der Bildung wegen_
Krippe der Bildung wegen_
Datum: 13.10.2013, 18:30
Zumindest in manchen Medien wird fleissig die Maxime nachgebetet: Je früher weg von zu Hause, desto besser fürs Kind. Dieser gesellschaftliche Konsens ist nicht nur kontra-intuitiv, er wird zunehmend kritisch hinterfragt. Hier ist ein weiteres Beispiel:
Wenn man einmal absieht von dem – höflich formuliert – eingeschränkten Bildungsbegriff der OECD und den umstrittenen Erhebungsmethoden und wenn man auch noch das “Erwachsenen-PISA” ernst nimmt, muss man notwendigerweise den Schluss ziehen: Die Krippe kann`s nicht richten! Die Daten sprechen dagegen, geben einen positiven Zusammenhang zwischen Krippenbetreuung und PISA/PIAAC-Leistungen nicht her, im Gegenteil!
Denn die jüngsten Ergebnisse der europäischen statistischen Erhebung (Gesis – Informationsdienst Soziale Indikatoren, ISI 48) zu den Betreuungsformen für Kinder unter drei Jahren weisen aus, dass ausgerechnet Finnland unter allen westeuropäischen Ländern seine Kleinkinder lieber von den Eltern betreuen lässt, als sie in die eine oder andere Form der Fremdbetreuung zu geben. Und das, obwohl die Voraussetzungen für die Krippen-Betreuung in Finnland mit dem Rechtsanspruch – wie jetzt auch in Deutschland – und einer besseren finanziellen wie personellen Ausstattung vorbildlich sind.
Rainer Böhm, Kinderarzt, verweist (hier) auf die aktuelle Forschung von U3-Krippenkindern:
Am beunruhigendsten war indes der Befund, dass Krippenbetreuung sich unabhängig von sämtlichen anderen Messfaktoren negativ auf die sozioemotionale Kompetenz der Kinder auswirkt. Je mehr Zeit kumulativ Kinder in einer Einrichtung verbrahten, desto stärker zeigten sie später dissoziales Verhalten wie Streiten, Kämpfen, Sachbeschädigungen, Prahlen, Lügen, Schikanieren, Gemeinheiten oder häufiges Schreien.
Neuere Ergebnisse zeigen vor allem den starken Anstieg des Stresshormons Cortisol:
Entgegen dem normalen Verlauf an Tagen im Kreis der Familie – hoher Wert am Morgen und kontinuierlicher Abfall zum Abend hin – stieg die Ausschüttung des Stresshormons während der ganztägigen Betreuung im Verlauf des Tages an – ein untrügliches Anzeichen einer erheblichen und chronischen Stressbelastung.
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