Haben die Deutschen ein V2-Syndrom?

Die SPD wirft den Deutschen vor, unter einem V2-Syndrom zu leiden. Ein Vorwurf, der viel eher auf Grüne und SPD zutrifft.

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Im Rahmen der Diskussion um die Lieferung von Leopard 2 Panzern hat sich die SPD gleich doppelt blamiert, als ihr Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt von einem »V2-Syndrom der Deutschen« sprach. Zum einen zeigt Schmidt, daß er keine Ahnung von der V2 hat; zum anderen haben ganz andere ein V2 Syndrom.

Wörtlich führte Schmidt in einer Diskussionsveranstaltung aus: »Ich bin manchmal versucht, es das V2-Syndrom der Deutschen zu nennen«. Gemeint ist der Glaube an eine Wunderwaffe. die wie Magie dafür sorge, dass Dinge sich erledigten. »Und jetzt ist der Leopard 2 diese Wunderwaffe, die den Krieg beenden wird. Und das wird er nicht.« 

»Ich bin manchmal versucht...« – das soll wohl klingen, als habe Schmid nachgedacht, bei dem, was er sagte. Daß der SPD-Politiker wenig nachgedacht hat, wird deutlich, wenn man sich genau anschaut, worüber Schmid geredet hat. Damit meine ich nicht den Leopard 2, der zu keinem Zeitpunkt Wunderwaffe genannt worden ist; ich meine die V2.

V2 war die Abkürzung für Vergeltungswaffe 2, dem vollen propagandistischen Name für Aggregat 4, kurz A4; eine ballistische Rakete, die unter der Leitung von Wernher von Braun auf dem Versuchsgelände in Peenemünde entwickelt und bis zum Sommer 1944 einsatztauglich gemacht worden war. Ohne Frage war die A4 eine technische Meisterleistung und bildete nicht zufällig die Grundlage für die Raketentechnik der Nachkriegszeit. Dass die deutschen Techniker, je nachdem, wo die Alliierten ihrer habhaft wurden, sich wahlweise in den USA oder in Russland wiederfanden, ist eine lange und oft genug erzählte Geschichte.

Ebenso oft wird die Einsatzgeschichte erzählt: Fast 6.000 Raketen wurden ab dem 7. September 1944 gestartet, von denen die meisten – 1.610 – über Antwerpen niedergingen, dem zentralen Versorgungshafen der in Westeuropa operierenden alliierten Streitkräfte. Am 27. März 1945 wurden die beiden letzten Projektile verschossen.

Zugleich wird im Rahmen der Entwicklung- und Produktion der A4 immer wieder auf den umfassenden Einsatz von Zwangsarbeitern verschiedener Konzentrationslager hingewiesen. Die Opferzahl ist weitaus höher, als die zahl der militärischen Opfer auf alliierter Seite durch die Rakete. – Und genau auf diesen Punkt zielt der Kanzleramtschef.

Mit »V2-Syndrom der Deutschen« meint der Sozialdemokrat nämlich nicht einen generellen Faible der Deutschen für Wunderwaffen; den gab es überall und in allen Kriegen. Laserschwerter sind nur die letzte Ausgabe mythischer Zauberschwerter; Tarnkappenbomber tragen noch in ihrem Namen die Erinnerung an die Tarnkappen vieler Mythen, Märchen und Opern; Panzer wurden schon im Ersten Weltkrieg als Wunderwaffe verstanden, um den Krieg zu entscheiden. Heute sind es Drohnen.

Wie gesagt, an diesen Aspekten war Schmid nicht interessiert. Ihm ging es allein darum, einen Nazi-Vergleich in Umlauf zu setzen, um die Unterstützer der Panzerlieferungen an die Ukraine politisch und moralisch zu diskreditieren; darin dem russischen Präsidenten Putin auf der Fährte, der seine Spezialoperation gegen den Nachbarstaat Ukraine ja auch als eine Entnazifizierung der Ukraine verkaufen will. Ein propagandistisches Narrativ, mit der auch deutsche rechte Putin-Versteher ständig operieren.

(...)

Wolfgang Schmid hätte besser, bevor er die Befürworter von Waffenlieferungen an die Ukraine in die Nähe der Nazis rückte, einen Blick auf die V2 werfen sollen. Insgesamt handelt es sich bei der Entwicklung und dem Einsatz der Rakete um eine gigantischer Verschwendung von meist knappen Ressourcen. In seinem Standardwerk ›The Rocket and the Reich‹ kommt Michael Neufeld auf eine Summe von etwa 5 Milliarden Dollar umgerechnet auf 1995. Zum Vergleich: Das Manhattan Project, die Entwicklung der Atombombe, kostete etwa 8 Milliarden Dollar.

Mit einem wesentlichen Unterschied: Die V2 war im höchsten Maße ineffektiv. Alle etwa 6.000 Raketen zusammen haben kaum mehr Sprengstoff hinter die feindlichen Linien transportiert als ein einziger schwere Luftangriff der Royal Air Force. Schlimmer: Da es auf Seiten der Westalliierten praktische keine Verteidigung gegen die ballistischen Raketen gab, wurde zur Verteidigung auch nicht viel unternommen. Was also wie ein absoluter Vorteil erschien, war in Wirklichkeit der Grund, daß die Rakete die Alliierten nichts kostete. Nur wenn Treffgenauigkeit der Rakete erheblich verbessert worden wäre – und verbessert meint, eine Rakete, die mit einigem Glück eine Stadt wie London traf, hätte eine Fabrikanlage treffen müssen –, nur dann wäre aus der V2 eine effektive Waffe geworden. Möglicherweise kriegsentscheidend wäre sie nur unter einer Bedingung geworden: Falls den Deutschen die Entwicklung der Atombombe gelungen wäre. – Deutlich zu viele hätte und wäre. Kurz gesagt: Die V2 war ein teures, nutzloses Waffensystem. Sie mit dem Leopard 2 zu vergleichen ist dummes Zeug und typisch für sozialdemokratische Hetze gegen den politischen Gegner mittels Nazi-Vergleichen.

Wenn überhaupt, dann könnte man die V2 mit den Windkrafträdern vergleichen, mit denen die Ampel-Regierung versucht, die sogenannte Energiewende zu schaffen. Deren Entwicklung und Einsatz verschlingt ebenfalls großer Summen, ohne wirklich etwas zu nutzen. Zugleich werden sie als Wunderwaffe gegen den Klimawandel verstanden. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, leiden allenfalls SPD und Grüne an einem V2-Syndrom. Mit einem feinen Unterschied: Die V2 wies in eine technisch erfolgreiche Zukunft. Die Windkrafträder repräsentieren dagegen den technischen Wissenstand der grünen und linken Studienabbrecher und Soziologen.

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[zum Weiterlesen: Siege und Niederlagen]

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Stefan Riedel

Vielleicht haben die Genossen ein SPD-Syndrom?
Genossen gegen Genossen Putin? So unter Genossen?
Gute Besserung an alle Genossen! Auch Syndrome dauern
nicht ewig!

Gravatar: Angermann

Oh je oh je, Herr Hebold. Verstehen Sie wirklich nicht die Funktion eines metaphorischen Vergleichs? Nichts anderes hat Schmidt getan. Die V2 sollte damals der Game Changer sein, der Leopard 2 heute in der Ukraine! Was ist falsch an diesem Vergleich auf dieser Ebene? NICHTS!

Da bedarf es keiner Schwurbelei über die Herkunft der V2 etc. pp. Alles Nebelkerzen, die die Implikationen des Schmidt-Vergleichs durch Diskreditierung verschleiern sollen.

Ganz im Gegenteil ist es so, dass die V2 damals ein Nazi-Regime retten sollte und heute soll es der Leopard 2 in der Ukraine tun!

Kommen Sie mir jetzt nicht damit, das sei Putin-Propaganda. Ist es nicht, sondern Realität! Selenskij und Konsorten leben genau den Geist, den damals auch die Nazis verkörperten. Nicht umsonst haben viele aus der oberen Kommandoebene Hakenkreuze entweder eintätowiert oder tragen sie als "Schmuck" am Handgelenk oder um den Hals. Nicht wenige von denen sind Bandera-Fans.

Aber klar, dass es den linken Kriegstreibern nicht passt, wenn jemand solche Vergleiche bringt und auf die Tatsachen hinweist. Der Bürger könnte ja auf die Idee kommen, mal selber nachzudenken!

Ich bin jedenfalls für Frieden zwischen den Kombattanten. Und wenn Biden und Selenskij dem entgegen stehen, dann müssen sie eben gegen gesprächsfähige und kompromissbereite Akteure ausgetauscht werden. Und wenn auch Putin nicht kompromissbereit ist, dann muss eben auch er ausgetauscht werden. Es wäre doch also recht einfach, oder?

Gravatar: Werner Hill

Sicherlich ist es völlig unsinnig, von einem V2-Syndrom der Deutschen zu reden. Zumal das überhaupt nichts mit dem
Für und Wider der Panzerlieferungen zu tun hat.

Ebenso unsinnig ist es aber auch, Gegner der Waffenlieferungen zu verdächtigen, "Putin-Versteher" oder "Rechte" zu sein. Es genügt völlig, wenn man "Deutschland-Versteher" ist und deutsche (statt US-) Interessen in den Vordergrund stellt.

Gravatar: Wolfgang Hebold

Werter Herr Klein,

der Kanzleramtschef unterstellt den Unterstützern der Leo 2 Lieferungen ein V2-Syndrom und rückt sie damit in die Nähe der Nazis, die ebenfalls an die Wirkung der V2 glaubten. - Was gibt es da nicht zu verstehen?

Beim zweiten Punkt haben Sie den Grundgedanken nicht verstanden: Es geht darum, wieviel eine Kriegspartei aufwendet, um sich gegen eine Waffe zu verteidigen. Gibt es gegen die Waffe keine Verteidigung, dann investiere sie automatisch nur wenig in die Verteidigung. Also bedeutet die Waffe für den Verteidiger wenig Kosten. Denn zerstört hat die V2 nicht sonderlich viel. Sie hat das Deutsche Reich nur enorme Summen gekostet.

Grüße,

Wolfgang Hebold

Gravatar: Hans-Peter Klein

Hallo,
Sie schreiben, Zitat:
" ... bevor er die Befürworter von Waffenlieferungen an die Ukraine in die Nähe der Nazis rückte, ..."

Versteh ich nicht, ich rücke die Befürworter dieser Waffenlieferungen in die Nähe der Globalisten angeführt von den USA, höchstens deren rhetorisches Kriegsgeheul was mich an die Nazis erinnert.

Sie schreiben weiterhin, Zitat:
"Die V2 war ein teures, nutzloses Waffensystem."

Zur Kriegslogik gehört aber auch die die enorme abschreckende Wirkung durch einkalkulierte Unberechenbarkeit, die sich schnell umdrehen kann in das genaue Gegenteil. Sie hatten also durchaus berechtigte Angst vor der deutschen V2.

Amerikaner und Engländer kannten und kennen in ihrem historischen Auftreten keinen besonderen Respekt vor anderen Kulturen und Völkern, bis bin zu ihren unmittelbaren irischen Nachbarn.
Mit einer Ausnahme:
Sie schwärmen geradezu respektvoll vor dem deutschen Ingenieurs-Genius, kaum eine Flugschau wo die einzigartige Überlegenheit der deutschen Luftwaffe (WW2) respektvoll gewürdigt wird.

Deswegen will man uns ja auch in den Ukraine Krieg mit hinein ziehen. Gewinnt die Ukraine, dann wars der Wertewesten. Verliert die Ukraine, dann tragen wir Deutschen zumindest eine Hauptschuld durch unsere zögerliche Haltung, böse und politische Tollpatsche sind wir sowieso.

Dieses riesige und fruchtbare Land Ukraine mit seinen 40 Millionen Einwohnern, es könnte locker diesen Zankapfel der kleinen russischstämmigen Ostprinzen an Russland abtreten oder in die Autonomie entlassen, Deutschland könnte Nordstream-2 öffnen, die Energiewende konsequent weiter entwickeln und es wäre Ruhe im Karton.

Könnte, hätte, wäre.
Aber da ist: Die USA mit dem Verbündeten England,
und somit bleibt Deutschland ein ewig in Ketten gelegter und gehaltener zahnloser Löwe, repräsentiert von unserem links-grünen Führungspersonal.

MfG, HPK

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