ENERGIE-DEBAKEL IN DEUTSCHLAND_ »Euch wird das Lachen vergehen!«
ENERGIE-DEBAKEL IN DEUTSCHLAND_ »Euch wird das Lachen vergehen!«
Datum: 08.08.2022, 13:06
»Natürlich besteht die Gefahr, dass diejenigen, die schon in der Coronazeit ihre Verachtung gegen die Demokratie herausgebrüllt haben und dabei oftmals Seite an Seite mit Rechtsextremisten unterwegs waren, die stark steigenden Preise als neues Mobilisierungsthema zu missbrauchen versuchen (…) Wir sind vorbereitet, auch auf mögliche neue Protestgeschehen.«[1]
Bundesinnenministerin Nancy Faeser (Juli 2022)
»Wir müssen westliche Journalisten ständig ermutigen, genau das Gegenteil von unseren wahren Absichten zu schreiben, und jeder, der über unsere wahren Absichten genau oder unparteiisch im westlichen Sinne dieser Worte schreibt oder spricht, muss schnell als jemand von der Rechten oder ein Faschist abgetan und lächerlich gemacht werden (…)«[2]
General Iwan Iwanowitsch Agajants[3] (Ex- Chef der KGB-Desinformation)
Die mit großem Tamtam angekündigten und schließlich auch umgesetzten strikten Sanktionen des Westens gegen Russland als Strafe für den Angriffskrieg gegen die Ukraine gingen im wahrsten Sinne des Wortes nach hinten los. Der Konflikt zwischen den östlichen Bruderstaaten ist längst zu einem Stellvertreterkrieg zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Russland ausgeartet, ausgetragen in der Ukraine. Dabei transformiert der russische Präsident Wladimir Putin diesen »heißen« Krieg gegen den Nachbarstaat zu einer »Wirtschaftskriegerischen Auseinandersetzung« mit dem Westen, treibt damit ganz Europa – und in bestimmter Weise auch die USA – an den sprichwörtlichen Rand des energiepolitischen Abgrunds.
Die Energiepreise, allen voran die Gaspreise, explodieren aufgrund des drohenden Ausfalls russischer Gaslieferungen. Selbst der Grüne-Bundeswirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck gesteht ein, dass Putins Ziel sei, die »Einheit und der Solidarität des Landes zu zerstören.«[4]
Die Menschen – die Bürger, Steuerzahler, die Wähler und die Verbraucher – sind diesem Desaster völlig schutzlos ausgeliefert. So rationieren bereits die ersten Wohngemeinschaften das Warmwasser für Mieter.
Was eigentlich klingt wie eine Verschwörungstheorie, wird quasi über Nacht schockierende Realität: Aus dem Wasserhahn kommt zu bestimmten Zeiten nur noch kaltes Wasser, die Heizung bleibt kalt. Beispielsweise dreht die Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde (Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge) ihren 600 Wohnungen ab dem 1. Juli 2022 das Warmwasser wegen drastisch steigender Energiepreise zu bestimmten Zeiten ab. Sprich: Die Versorgung mit Warmwasser wird eingeschränkt. Konkret heißt es dazu: »In den Hauptnutzungszeiten am Morgen, Mittag und Abend bleibt es verfügbar, nachts und in Zwischenzeiten kommt das Wasser kalt aus der Leitung. Zudem wird die Heizung bis September nicht mehr angedreht.«[5]
Vorausging, dass sich bereits im April 2022 die Höhe der Vorauszahlungen für die Betriebskosten verdoppelte. Dementsprechend muss die Genossenschaft gegenüber dem örtlichen Energieversorger in Vorkasse gehen, also statt wie bisher 100.000 Euro nun 400.000 Euro zahlen. »Es geht nicht darum, die Mieter zu ärgern, sondern sich auf das einzustellen, was wir im nächsten Jahr vielleicht sonst nicht mehr bezahlen können«, sagt Vorstand Falk Kühn-Meisegeier.
Bei anderen Vermietern wird es wohl flächendeckend bald ebenso aussehen. Der Präsident des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, Axel Gedaschko, erklärt dazu: »Die aktuell schwierigen Zeiten erfordern auch schwierige Entscheidungen, die nicht immer nur auf Zustimmung treffen werden.«[6] Das ist eindeutig. Und auch der Hamburger Grünen-Umweltsenator Jens Kerstan schließt in diesen Tagen für den Fall des Gas-Notstandes eine Begrenzung des Warmwassers nicht aus.[7]
Aber nicht nur das: Die Landkreise sind ebenfalls in heller Panik. Entsprechend bereiten sich in der ganzen Bundesrepublik die Kommunen auf einen äußersten Notfall vor. Verschiedene Städte besitzen schon Notfallpläne für den Winter, für den Supergau, wenn es kein oder nur wenig Russen-Gas gibt.
Für den Fall also, dass die Gasspeicher (fast) leer sein sollten, will man sogar öffentliche Gebäude zum Aufwärmen anbieten, weil man kalte Wohnungen für die Bürger befürchtet. Überwiegend für »Alte und Arme.« So werden nun Hallen und Feuerwehrhäuser ausgerüstet, damit frierende Menschen eine Zuflucht finden können. Ebenso werden in Schulsporthallen Feldbetten aufgestellt und Hygienepakete vorgehalten.
Da die Hallen jedoch mit großen, heizölbetriebenem Gebläse erwärmt werden, müssen notfalls Tankstellen für die Notunterkünfte angezapft werden. Denn die Vorgabe des Bundes für den Katastrophenschutz liegt zwischen einem und fünf Prozent der Bevölkerung, die versorgt werden muss.
Ebenso werden Familie und Freunde zur Unterstützung der Bedürftigen aufgerufen, weil die Kreise nur einen Bruchteil der Menschen erreichen können.[8] Es müsse Gas eingespart werden und selbst geschaut werden, wie man sich einige Tage versorgen könne, heißt es. Der ein oder andere Bürger glaube er lebe in einer Vollkasko-Gesellschaft und der Staat kümmere sich um alles. Aber jeder habe auch eine Eigenverantwortung.[9]
Auch die ersten Freibäder schließen mitten im Hochsommer, damit sie nicht mehr beheizt werden müssen. Andere Städte wiederum schalten Fassadenbeleuchtungen oder gar Ampeln ab, um Energie zu sparen. Und die für die diesjährigen Weihnachtsmärkte geplanten Eisbahnen werden abgesagt, weil die Kühlaggregate zu viel Strom verbrauchen, der an anderer Stelle möglicherweise fehlen könnte.[10]
Aber auch viele EU-Länder rufen die Bevölkerung zum Gassparen auf. Da vergeht jedem das Lachen, bis auf Wladimir Putin, der mit seiner »Energiewaffe« sehr effektiv den westlichen Sanktionen kontra bietet.
Die Mainstream-Medien berichten, dass der russische Präsident ein Schaubild gesehen habe, auf dem Menschen nahegelegt werde, nur noch bestimmte Körperstellen zu waschen, um warmes Wasser zu sparen und ihm auf diese Weise zu schaden. »Nun, was soll denn das?«, meint der Kremlchef der Agentur Interfax zufolge. »Sie sind völlig verrückt geworden. Sparen Sie Wasser, sparen Sie Strom (…) was für ein Blödsinn ist das denn einfach. Da haben sie selbst Fehler gemacht, wissen nicht, was sie tun sollen und suchen Schuldige.«
Darüber hinaus wirft Putin dem Westen vor, für deren eigenes Fehlverhalten Russland verantwortlich zu machen. So sei es in vielen Ländern bereits »zur Mode« geworden, etwa im Energiesektor herumzuspekulieren. »Sie machen den Menschen mit diesen Problemen Angst und dann treffen sie Entscheidungen, die unvernünftig und unberechenbar sind. Und der nächste Schritt ist: Sie suchen nach Schuldigen.«[11]
Der Chef der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, bringt das Gaspar-Dilemma mit dem Gassparen auf einen für jeden verständlichen, dafür jedoch schockierenden Nenner: »Ich verstehe, dass da manche jetzt drüber lachen. Wenn sie die nächste Gasrechnung bekommen, wird ihnen das Lachen aber vergehen.«[12]
Genauso wird es sein!
Quellen:
[1] Vgl. »Bundesinnenministerin warnt vor radikalen Protesten wegen hoher Energiepreise« in: handelsblatt.com v. 16.07.22 (https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gaskrise-bundesinnenmi…)/Zugriff: 22.07.22
[2] Vgl. »Innenministerin auf Abwegen: Vorauseilendes Framing von Protesten« in: reitschuster.de v. 18.07.22
(https://reitschuster.de/post/innenministerin-auf-abwegen-vorauseilende-diffamierung-von-protesten/)/Zugriff: 22.07.22/// en-m-wikipedia-org.translate.goog/wiki/Ivan_Agayants beruhmte-zitate.de/autoren/ivan-agayants/
[3] Mitunter auch »Agajanz« geschrieben
[4] Vgl. »Habeck: Preisexplosionen bei den Stadtwerken sind möglich« in: berliner-zeitung.de v. 02.07.22 (https://www.berliner-zeitung.de/news/habeck-preisexplosionen-bei-den-st…)/Zugriff: 24.07.22
[5] Vgl. »Wohnungsgenossenschaft Dippoldiswalde schränkt Warmwasserversorgung ein« in: mdr.de v. 04.07.22 (https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen/dresden/dippoldiswalde-sebnitz/preise-energie-wohnungsgenossenschaft-warmwasser-abgedreht-100.html)/Zugriff: 09.07.22
[6] Vgl. »Wohnungsgenossenschaft in Sachsen dreht Warmwasser zeitweise ab« in: lvz.de v. 04.07.22 (https://www.lvz.de/mitteldeutschland/dippoldiswalde-wohnungsgenossenschaft-in-sachsen-dreht-warmwasser-zeitweise-ab-PSCMNOOUS3SVAYHH6SVC6OPC6U.html)/Zugriff: 09.07.22
[7] Vgl. »Umweltsenator: Hamburg könnte Warmwasser rationieren« in: lkz.de v. 02.07.22 (https://www.lkz.de/lokales_artikel,-umweltsenator-hamburg-koennte-warmwasser-rationieren-_arid,691943.html)/Zugriff: 09.07.22
[8] Vgl. »Wärmehallen geplant: Der Landkreis Ludwigsburg rüstet sich für den äußersten Gas-Notfall« in: lkz.de v. 05.07.22 (https://www.lkz.de/lokales/landkreis-ludwigsburg_artikel,-der-landkreis…)/Zugriff: 09.07.22
[9] Vgl. »Gaskrise: Wärmehallen für den Ernstfall im Landkreis Ludwigsburg« in: swr.de v. 06.07.22 (https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/gaskrise-feuerwehrhallen-moeglicherweise-als-waermehallen-ludwigsburg-100.html)/Zugriff: 09.07.22
[10] Vgl. »Städte bereiten Hallen für Arme und Alte vor« in: bild.de v. 10.07.22 (https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/wenn-bei-gasmangel-die-wohnung-kalt-bleibt-arme-und-alte-sollen-in-hallen-schlaf-80653450.bild.html)/Zugriff: 10.07.22
[11] Vgl. » Putin spottet über westliche Tipps zum Energiesparen« in: n-tv.de v. 21.07.22 (https://www.n-tv.de/politik/Putin-spottet-ueber-westliche-Tipps-zum-Energiesparen-article23479455.html)/Zugriff: 21.07.22
[12] Vgl. »Teure Energie droht die Gesellschaft zu spalten« in: deutsche-wirtschafts-nachrichten.de v. 09.07.22 (https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/520820/Teure-Energie-droht-die-Gesellschaft-zu-spalten?utm_content=link_12&utm_medium=email&utm_campaign=dwn_telegramm&utm_source=mid1235&f_tid=e164d9fa87688b25c7e565e5cb91c881)/Zugriff: 22.07.22
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