Mehr Staat und weniger Markt, das ist die bittere Realität
Mehr Staat und weniger Markt, das ist die bittere Realität
Datum: 01.10.2012, 07:49
Sie lautet: „Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer.“ In der Tat, eine ernst zu nehmende Tatsache, die es zu lösen gilt. Doch was immer ich zu den Problemen hörte und las, war ein vielstimmiger Chor aus allen Parteien, der nach mehr Staat und noch mehr Regeln und Planwirtschaft rief, weil nur so die soziale Gerechtigkeit herzustellen sei. Das lässt Schlimmes befürchten – das ist der Ruf nach noch mehr Gift oder bestenfalls nach noch mehr Placebopillen. In der Kakophonie der Vorschläge war nicht eine einzige Stimme zu hören, die mehr Marktwirtschaft fordert, die auf den ethischen Grundsätzen eines Ludwig Erhard beruht. Mit seinen Vorstellungen würde er heute in jeder Partei von einem Ausschlussverfahren bedroht.
Beispiele dafür, wie unverdrossen wir der Marktwirtschaft misstrauen und uns vom Staat bedienen lassen, gibt es zuhauf. Apotheker und Ärzte zählen sich zu den Freiberuflern und Leistungsträgern. Aber da verhandeln die Kassenärzte mit den gesetzlichen Krankenversicherungen um die Erhöhung der Zuteilung ihres Honorars. Bezahlen müssen das dann die an den Verhandlungen nicht beteiligten Zwangsversicherten. Den Krankenkassenbeitrag beschließen aber die ebenfalls nicht betroffenen Politiker. 270 Millionen Euro hat ein Schlichter den Ärzten zugesprochen. Die aber wollen 3,5 Milliarden Euro. Wie gesagt, die sollen ihnen zugeteilt werden. Laut Einkommensstatistik erhalten Ärzte zwischen 116.000 Euro (Allgemeinarzt) und 264.000 Euro (Radiologe) Honorar nach Abzug der Praxiskosten. Jedenfalls gehören fast alle Ärzte damit zu den zehn Prozent der einkommensstärksten Bevölkerungsgruppe, die ab 7545 Euro netto monatlich beginnt.
Das ist Geld, das sie nicht am Markt verdienen. Keine Partei, auch nicht die FDP, fordert mehr Markt für die Anbieter von Gesundheitsleistungen (Ärzte) und mehr Eigenverantwortung von den Nutzern (Versicherten).
Ähnliches spielte sich gerade bei den Apothekern ab. Die bekommen jetzt 25 Cent mehr pro verschriebener Medikamentenpackung zugeteilt. Gleichzeitig werden sie vor jedweder Konkurrenz, wie Internetapotheken oder Kettenläden, geschützt. Für diese Klientel ist vor allem die FDP zuständig. Marktwirtschaft hört dann auf, wenn es um Interessenschutz geht. So mutieren unsere Freiberufler zu Staatsbediensteten mit beschränktem Risiko.
Dieser Beitrag erschien zuerst in der Fuldaer Zeitung.
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