Armer Norden, reicher Süden - Was läuft in Europa schief_
Armer Norden, reicher Süden - Was läuft in Europa schief_
Datum: 15.04.2013, 08:41
Dazu gehört die Studie der Europäischen Zentralbank über die Vermögensverhältnisse in den Euroländern. Wenn überhaupt, dann wurde in den Hauptnachrichten der mit Zwangsgebühren finanzierten TV -Sendern und deren üppigen Radioprogrammen nur kurz berichtet. Dabei hätte die Studie das Potential für einen Volksaufstand. Die EZB stellt fest: Die Deutschen sind die Ärmsten im Euroraum mit einem Medianvermögen von 51?400 Euro, die Luxemburger die Reichsten mit 398?000 Euro, dicht gefolgt von den Zyprioten mit 266?900 Euro. Zur Information: Medianvermögen bedeutet: Die eine Hälfte aller Haushalte hat weniger, die andere Hälfte hat mehr Vermögen.
Die EZB war über das Ergebnis ihrer Umfrage offensichtlich auch so überrascht, dass sie die Daten erst nach der „Zypernrettung“ veröffentlichte. Und den Solidaritätspredigern der vereinten Euroromantikern hat es die Sprache verschlagen, denn selbst die Griechen haben mit einem Medianvermögen von 102?000 Euro noch doppelt so viel wie wir Deutschen. Die Untersuchung findet Deutschland auch nach anderen Kriterien auf letzter Stelle. So ist in keinem Euroland die Vermögensverteilung so ungleich wie in Deutschland und in keinem Land ist der Anteil der Hausbesitzer so niedrig. (44 Prozent).
Die Untersuchung macht deutlich, dass es in Europa sehr unterschiedliche Finanz- und Wirtschaftskonzepte gibt. Die Südeuropäer haben das private Eigentum gefördert, auch durch niedrige Steuern, still geduldete Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Dafür aber stieg die Staatsverschuldung. Länder wie Belgien (206?000) und Italien (174?000 Euro) hatten schon bei ihrem Eintritt in den Euro über 100 Prozent Staatsverschuldung, verstießen also von Anfang an gegen die Maastrich Kriterien, die nur 60 Prozent zulassen.
Die so genannten stabilen Eurostaaten, wie Finnland (86?000 Euro), die Niederlande (104?000 Euro) und Österreich (76?000 Euro) dagegen finden sich alle im unteren Bereich, also eher bei den armen Europäern.
Es wird jetzt sicher spannend, wie die CDU/FDP Regierung wieder einmal das Parlament davon überzeugen will, warum der deutsche Steuerzahler den armen Zyprioten helfen muss. Noch schwieriger ist es für die SPD ihren Wählern zu vermitteln, dass Solidarität in Europa durch noch mehr Umverteilung von Nord nach Süd einfach sein muss. Und die Grünen schweigen komplett zu den EZB-Zahlen, wollen sie doch durch Eurobonds die Transferzahlungen innerhalb Europas endgültig verankern.
Ist es so schwer für unsere Politiker aller Schattierungen zuzugeben, dass der Euro, so wie er heute organisiert ist, den Kontinent zerstört? In Griechenland wühlen Kinder im Müll, in Portugal hungern Rentner, die Jugendarbeitslosigkeit hat dramatische Ausmaße. Und überall wachsen antideutsche Ressentiments, die in regelrechten Hass umschlagen, weil wir angeblich reichen Deutschen sie ins Elend stürzen.
Ist es so schwer zu zugeben, dass die unterschiedlichen Gesellschaftskulturen in Nord- und Südeuropa nicht in einer Währung zusammen zu zwingen sind, ohne den Kontinent auseinanderzureißen? Nur die Regel, dass jedes Land für seine eigenen Schulden und seine eigenen gesellschaftlichen Entwicklungen aufkommen muss, verhindert, dass jeder jedem Vorwürfe macht – wir den faulen Südländern, die uns herzlosen Deutschen. Italien muss seine Probleme mit seinen Vermögen sanieren, nicht mit Steuergeldern der ärmeren Deutschen, Slowaken, Slowenen und Finnen. Dasselbe trifft auf Zypern zu und all die anderen, die ihre eigenen Bürger schonen und Solidarität einfordern.
Die deutschen Parteien aber, die den Eindruck erwecken, wir in Deutschland seien die klugen, fleißigen und erfolgreicheren Europäer, sollten lieber erklären, warum wir am Ende der privaten Vermögensstatistik sind und trotzdem eine über 80-prozentige Staatsverschuldung haben. Eines machen die EZB-Zahlen ganz deutlich: Für Deutschland trifft zu: Mehr Schein als Sein und am Deutschen Wesen wird die Welt nicht genesen.
Beitrag erschien zuvor auf: Achgut.com
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