UNWÖRTER ALS WAFFE DER POLITICAL CORRECTNESS
UNWÖRTER ALS WAFFE DER POLITICAL CORRECTNESS
Datum: 16.01.2014, 14:15
Als im Juli letzten Jahres 172 Topökonomen gegen die Bankenrettungs-Politik der Bundeskanzlerin in einem offenen Brief protestierten, war das weder tagesschau noch heute eine Meldung wert. Dagegen verkündeten jetzt (wie seit Jahren) alle Nachrichtensendungen, dass Sozialtourismus das Unwort des Jahres 2013 sei. Politisch korrekte Pädagogisierung der Gesellschaft statt Information. Dafür ist der Unwort-Hype ein gutes Beispiel.
“Erfunden” haben das Unwort als Kampfvokabel vier Elfenbeinturm-Wissenschaftler. Mit ihrer Gründung der Aktion Unwort des Jahres wurden sie zu allseits anerkannten Hohepriestern der PC. Seit 1991 dekretieren sie, was nach ihrem Ermessen gar nicht geht. Sprecherin des Zirkels ist Nina Janich, die mit akademischen Weihen gern in Vorträgen die PC rühmt. Ihr zufolge (schützt) Political Correctness Opfer, folgt einem wichtigen moralischen Grundimpuls,
dient dem Respekt vor Identitäten und Bewusstseinen,
sorgt für mehr Gerechtigkeit, nicht zuletzt im gesellschaftlichen Verteilungkampf, kann sensibilisieren und zum Umdenken bewegen. PC rettet also die Welt.
Um den Verdacht der akademischen Isolierung zu begegnen, ziert sich dieser Hohepriesterrat mit einem Journalisten. In diesem Jahr mit Stephan Hebel von der FR, der zum Beispiel in der AfD nicht mehr sieht, als die altbekannten Inhaltsstoffe rechtspopulistischer Gründungsversuche. Ein politisch verschworenes Grüppchen tritt an, die Welt zu verbessern und alle Medien schreiben begeistert mit und ab.
Keinem der Journalisten fällt auf, dass diese wissenschaftlich daher kommende Wörterpolizei die Meinungs- und Berichterstattungs-Freiheit einschränken könnte. Sind es oft doch grade zuspitzende Formulierungen, die klar machen, worum es geht.
2010 war Integrationsverweigerer unter den Top-3 der sogenannten Unwörter. Begründung: Das für eine solche Behauptung immer noch eine sichere Datenbasis fehlt und das der Staat seinerseits für die Integration noch zu wenig tut. Typischer Gutmenschen-Sprech.
2011 fand sich folgerichtig das Wort Gutmensch auf Platz zwei der Böse-Worte-Liste. Denn der Ausdruck Gutmensch widerspreche Grundprinzipien der Demokratie, zu denen die notwendige Orientierung politischen Handelns an ethischen Prinzipien und das Ideal der Aushandlung gemeinsamer gesellschaftlicher Wertorientierungen in rationaler Diskussion gehören.
Jetzt wissen wir endlich, was mit Gutmensch gemeint sein sollte!
2012 schafften es die Pleite-Griechen auf Platz zwei. Mit der Anmerkung, der Ausdruck sei von der Springer-Presse geprägt worden. Also war (ist) Griechenland nun pleite oder nicht?!
Nicht erst seit der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit für Rumänen und Bulgaren begleiten den Fernsehschauer Bilder von Bussen mit Roma, die ihr Heil in Deutschland suchen und Berichte über ihre soziale Integration hierzulande. Statt einer differenzierten Diskussion über erwünschte und problematische Zuwanderung, wird das Problem seit dem CSU-Diktum wer betrügt, der fliegt konsequent ausgeblendet, indem nur noch über erwünschte Arbeitskräfte gesprochen wird.
Tatsächlich scheint es aber immer noch den Gebrauch von Wörtern zu geben, die ausdrücken, was Gutmenschen nicht wahrhaben wollen. Die Hohepriester der politischen Korrektheit haben genau hingehört und diese Worte auf Platz eins, zwei und drei ihrer aktuellen Geht-Gar-Nicht-Wortliste platziert. Drei: Freizügigkeitsmisbrauch (Gibt es wohl nicht) Zwei: Armutszuwanderung (gibt es auch nicht?). Und Platz eins (Unwort des Jahres 2013): Sozialtourismus. Streng nach Palmströms unmöglicher Tatsache: Nicht sein kann, was nicht sein darf.
Das Wort “Sozialtourismus” diskriminiere Menschen, die aus purer Not in Deutschland eine bessere Zukunft suchten und verschleiere ihr prinzipielles Recht dazu.
Ob es dieses prinzipielle Recht gibt, mögen Sozialgerichte und EU entscheiden. Aber tatsächlich ist der Gebrauch des Wortes Sozialtourismus nicht präzise. Denn Touristen kommen in ein Land und kehren, nach ihrem Besuch, in die Heimat zurück. Aber jene, die mit dem Wort Sozialtourismus bezeichnet werden sollten, kommen um zu bleiben.
Beitrag erschien zuerst auf: lyrikheute.com
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