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Täglich sendet unser Fernsehen Propagandabilder und Propaganda-Aussagen aus Gaza. Als wäre es ein Berichterstattungsgebiet, wie jedes Andere

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Täglich sendet unser Fernsehen Propagandabilder und Propaganda-Aussagen aus Gaza. Als wäre es ein Berichterstattungsgebiet, wie jedes Andere
Datum: 25.08.2014, 11:08

Die öffentliche Hinrichtung in Gaza-Stadt von angeblichen "Kollaborateuren" durch "die Hamas" mag für manche Beobachter ein Bestandteil der islamistischen Folklore sein. Sicher ist: Die "Aktion" wirft aus hiesiger Sicht vor allem die Frage auf: WER wurde von der Hamas verdächtigt und WARUM. Beweise wurde bisher nicht bekannt. Aber unzweifelhaft ist wohl, dass die Hamas im Gaza-Streifen eine lupenreine Terrordiktatur ausübt. Und daran schließt sich für "uns" eine wichtige Frage zur täglichen Berichterstattung aus dem Gebiet an: Wie entstehen Berichte aus Gaza unter den Bedingungen einer Diktatur? Jeder Journalist, der aus totalitär regierten Ländern berichtet, kennt das Dilemma: Wenn er vor der Kamera mit Menschen spricht, bekommt er nur das zu hören, was den allgegenwärtigen Aufpassern genehm ist. Und: Das Regime hat eine doppelte Kontrolle: Denn nichts von dem was gesendet, veröffentlicht wird, entgeht seiner Kontrolle.

In Diktaturen, die sich gern selber als legalistisch darstellen, können die Betroffenen mit einem Prozess (wegen was auch immer) oder mit verdeckten Repressalien rechnen. Die Erfahrungen, die so viele in der DDR damit machten, geraten allerdings immer mehr in Vergessenheit. Immer hatte der Journalist der "Westmedien" bei seinen Berichten von "drüben" zu bewerten, ob er seinen Protagonisten mit veröffentlichter Kritik mehr Schaden zufügt, als es der Erkenntnisgewinn rechtfertigt.

Und im Gaza-Streifen? Hier werden täglich (unter den Augen der Hamas) O-Töne eingeholt von verzweifelten Menschen. Keine der Mütter wird es wagen, Kritik daran zu üben, dass die Hamas ausgerechnet in ihrem Haus Raketen lagerte oder in unmittelbarer Nähe Abschussrampen (Video) eingrub. Sicher ist der Zorn über Israel in Gaza groß. Aber das sollte unsere Medien nicht dazu verleiten, die Aussagen der Menschen dort eins zu eins in unsre Wohnzimmer zu transportieren. Ein falsches Wort, so muss man annehmen, kann jeden dort in den Augen der Hamas zum "Kollaborateur" machen, dem die Erschießung droht und dessen Leiche, wie die FAZ schreibt "im Stadtzentrum abgelegt" wird. "Zur Abschreckung". Tatsächlich müsste zu jedem Bericht aus Gaza hinzugefügt werden: "Eine kritische Meinung zu äußern - und damit den Verdacht zu nähren, Israel nahe zu stehen - wäre für jeden unserer Interviewpartner mit Gefahr für das eigene Leben verbunden. Das müssen Sie, lieber Zuschauer, immer bedenken, wenn Sie diese Aussagen hören, diese Bilder sehen.Denn zeigen dürfen wir nur das, was uns die Hamas zeigt, und gesagt wird nur das was die Hamas will."

Zuerst erschienen auf lyrikheute.com

Sven von Storch

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