OFFENER (DANKES-) BRIEF AN BISCHOF TEBARTZ VAN-ELST
OFFENER (DANKES-) BRIEF AN BISCHOF TEBARTZ VAN-ELST
Datum: 14.10.2013, 13:56
Die ARD konnte sich als "Tagessieger" feiern. Mit ihrem Quotenhit-Brennpunkt. Ihr Name garantiert Auflage, Klicks und Einschaltquoten. Aber was mich interessiert an dem Casus, konnte mir bisher niemand sagen: Ihre Motivation. Lassen Sie mich "raten".
Am Anfang Ihrer Pläne stand wohl "Ihr" Dom, jenes wunderbare romanische Haus Gottes, das 1235 geweiht wurde. Hier waren Ehrfurcht, Respekt und Demut gefordert. Und dann kam die Aufgabe das zu verwirklichen, was als "Bischöfliche Residenz" apostrophiert wird. Das klingt wie "Schloss" und wirft sofort die Frage auf: Braucht einer allein so etwas? Inzwischen haben wir erfahren, dass Sie als Bauherr für sich und Ihre Nachfolger dort ganze drei Zimmer vorgesehen haben.
Aber die Kosten? Ich habe mir die Bilder "Ihrer" Residenz angesehen. Das ist ja ein beträchtliches Areal. Und der Bau soll die verschiedensten Funktionen erfüllen, die eine Diözese leisten muss. Das ganze sollte wohl einmal fünf Millionen kosten.
Das ist deutlich weniger als eine Kindertagesstätte im ärmsten Land der Republik, in Sachsen-Anhalt kostet, wie der Focus unlängst meldete: In einem bundesweit einmaligen Pilotprojekt hat die Stadt Halle/Saale einer privaten Bietergemeinschaft den Zuschlag für den Bau von insgesamt vier Kindertagesstätten erteilt. Dies gab der zukünftige Bauträger am Mittwoch bekannt. Das Unternehmen aus Karlsruhe wurde mit der Bauausführung für das 33,5 Millionen Euro teure Vorhaben beauftragt. Eine einfache Kindertagesstätte kostet demnach über 8 Millionen Euro.Nicht auszudenken, was da in unmittelbarer Nachbarschaft des wunderbaren Limburger Dom für 5 Millionen hingebaut worden wäre. Sichtbeton? Alufenster? Flachdach?
Sie haben anders entschieden und einen der verantwortungsvollsten Architekten des Landes beauftragt: Michael Frielinghaus. Die wichtigste Vorgabe auf die Sie sich mit ihm einigten: Der Bischofssitz sollte nicht protzig werden, sondern so geraten, dass er "in 100 Jahren noch voller Würde ist". So in der Süddeutschen nachzulesen.
Für diesen Anspruch, der bisher, so viel ich weiß, von niemandem in Frage gestellt wird, bin ich Ihnen zutiefst dankbar. Architektonische Beleidigungen im Umfeld von Kulturdenkmälern gibt es genug.
Die Frage nach dem Furor der Sie verfolgt, habe ich mir natürlich auch gestellt. Und in der Tat hat es da etwas gegeben, was Sie schon vor der leidigen Baugeschichte ins Zentrum einer fundamentalen Auseinandersetzung rückte. Ihren offener Brief an den damaligen Bundespräsidenten Christian Wulf, in dem Sie dessen Aussage zum Islam, der zu Deutschland gehöre, widersprachen. Darf ein Bischof aus seinem christlichen und kulturellen Selbstverständnis den Aussagen eines Bundespräsidenten zum Tag der Deutschen Einheit widersprechen?
So viele Fragen bleiben.
Danken möchte ich Ihnen schon heute: Für einen Bau, der der Würde seines Standortes und seines Zweckes gerecht wird.
Ihr
Giselher Suhr
Beitrag erschien zuerst auf lyrikheute.com
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