Gendrifizierung

»Gentrifizierung« ist auch ein politisches Schlagwort. Aber nicht nur. Es ist zudem ein Fachausdruck, der eine bestimmte Entwicklung in Städten beschreibt. In diesem Sinne gleicht er der Vorsilbe Gender-, die einerseits zum Rüstzeug jedes Linken und Grünen gehört, wenn es gilt, die Gleichberechtigung für Männer und Frauen zu fordern. Andererseits ist Gender die Vorsilbe für »Genderstudies« - d.h. für Studien mit einem wissenschaftlichen Anspruch.

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»Gendrifizierung« ist ein neuer Begriff, der die Vorsilbe Gender mit der Gentrifizierung verbindet. Denn Gender als politisches Schlagwort hat mit der Gentrifizierung vor allem eines gemeinsam: Es findet eine Umwälzung statt. Hier in einer Stadt, deren Bevölkerung aus einem Stadtteil in andere Stadtteile weggeschafft wird; dort in der Sprache, die durch eine Reihe von Änderungen ohne Rücksicht auf Sprachgefühl und Ästhetik einem ideologischen Anspruch angepasst wird.

Allerdings ist die Gentrifizierung mehr das Ergebnis einer Entwicklung. Gesteuert wird eher nicht; die Umwälzung geschieht im Grunde von ganz alleine. Die angestammten Bewohner werden vertrieben und durch neue, materiell besser gestellte ersetzt. Man könnte vielleicht die Marktgesetze - sofern es denn welche gibt - verantwortlich zeichnen. Doch eine bestimmende Hand in Form einer Verwaltung wird man nicht finden. Erst beim Gegensteuern, um die Gentrifizierung in einem Quartier zu verhindern, greifen regelnde staatliche Hände anleitend ein.

Gendrifizierung ist dagegen ein gezielt angestoßener Prozess. Ideologen einer angeblichen Gerechtigkeit zwischen den beiden Geschlechtern versuchen unter den Titeln Gendermainstreaming und Genderbudgeting in allen möglichen Bereichen des Lebens, eine Verteilung von männlich und weiblich von 50% zu erreichen. Geschlechtergleichverteilung wäre daher die korrekte Bezeichnung. Aber ein solches Details ficht einen ausgebufften Ideologen nicht an. Er befindet sich auf einer Mission und will staatliche Akteure für die Realierung seiner Visionen einspannen.

In Lichtenberg, einem berliner Bezirk mit der Wohnbevölkerung Bochums, legt man sich einigen Jahren besonders ins Zeug. Gendermainstreaming lautet das Zauberwort: Dirigiert von der Verwaltung werden Sportvereine, Musikschulen und Bibliotheken – um nur einige zu nennen – auf die halbe-halbe Marke getrimmt. Hier muss dann mal ein Fußballplatz einem Feld für Volleyball weichen; dort wird in Musikschulen ein Schlagzeug mehr aufgestellt. Insgesamt aber zeigte sich zumindest bis 2010, dass die Mitarbeiter der Verwaltung mit dem Thema umgehen, wie mit allem, was als ideologisches Dauerfeuer daherkommt: Die Arbeit wurde nach den Ergebnissen »lediglich noch das Abfassen von Berichten bedeuten«[1]. Das Resümee der Mitarbeiter fiel eindeutig aus: »Schrecklich langweilig« sei das Abfassen von Berichten gewesen.

Vielleicht war diese Langweile, die jeder aus ideologischen Schulungen, egal ob von Katholischen Kirche oder Sozialistischen Parteien organisiert, kennt, ja der Grund, dass man in Lichtenberg etwas Neues erfand. Hatte doch eine Führungskraft angemerkt, zur Verbesserung des Prozesses wäre es sinnvoll, »Höhepunkte im Umsetzungsprozess zu definieren«. Einer dieser »Höhepunkte« – in Lichtenberg hat man offenbar Sinn für lichtende Berge – verspricht nun ein Antrag auf Änderung der Geschäftsordnung der Lichtenberger Bezirksverordnetenversammlung zu werden.

In diesem Änderungsantrag erklimmt die Gendrifizierung neue Höhen sprachlicher Umwälzung, denn jetzt wird von den Sozialdemokraten gefordert: »In der Tagesordnung sollen nur Drucksachen behandelt werden, die eine gegenderte Sprache, also eine Berücksichtigung der Geschlechter, beachten.« Und die Grünen ergänzen: »In der weiteren Aussprache erteilt der/die Sitzungsleiter/in das Wort abwechselnd an eine Frau und einen Mann in der Reihenfolge der Wortmeldungen.« 

Dieses Abwechseln zwischen Mann und Frau, im Beamtendeutsch als »quotierte Redeliste« bezeichnet, hielten die Mannen und Männinnen der antragstellenden Fraktionen wahrscheinlich für sehr originell – nicht so die Senatsverwaltung für Inneres und Sport von Berlin. Einer ihrer Juristen attestierte dem Ansinnen einer quotierten Redeliste einen in jeder Hinsicht fehlenden Sinn für Recht, Gesetz, Gleichberechtigung – und Spannung. Zitat: Die quotierte Redeliste »hindert das BVV-Mitglied nicht nur daran, unmittelbar nach ihrer/seiner Wortmeldung sprechen zu können. Auch das flexible und spontane Agieren der Bezirksverordneten innerhalb einer „lebendigen“ BVV-Sitzung wird beschränkt, indem sie Rede und Gegenrede als ein Instrument der Willensbildung des Kollegialorgans BVV beeinflusst.«

Wessen Geistes Kind der Antrag tatsächlich ist, erkennt man aus einem weiteren Einwand derselben Verwaltung: »Weibliche Bezirksverordnete werden bei einer Wortmeldung darüber hinaus sogar dazu gezwungen, als erste überhaupt sprechen zu müssen.« Es geht also um eine Zwangsmaßnahme. Sozialdemokraten und Grüne wollen den gewählten und damit per Definition mündigen Bürger erziehen.

Dass diese quotierte Liste am Ende nicht mal den Frauenrechten genügt, sollte den Anträgen eigentlich den Todesstoß geben. Noch einmal der Jurist: »Ich habe erhebliche Zweifel, ob die „quotierte Redeliste“ überhaupt geeignet ist, dass sich weibliche Bezirksverordnete häufiger an Debatten beteiligen.« Sie könnten »ungeübte Rednerin sogar eher davor zurückschrecken, sich zu Wort zu melden, da sie die „quotierte Redeliste“ dazu zwingt, als Erste im Plenum sprechen zu müssen, während sie vielleicht gerade beabsichtigt hatte, zunächst einmal den Sitzungsverlauf zu verfolgen, um entsprechend auf Beiträge im Plenum reagieren zu können.« Nichts als Zwangsmaßnahmen also – auch gegenüber Frauen, die nicht mitmachen wollen. Und das, obwohl die Benachteiligung von Frauen in der Versammlung empirisch nicht einmal belegt ist; sie ist die schnöde Vermutung von Ideologen.

Dumm gelaufen, könnte man sagen. Aber Ideologen sind bekanntlich nicht so, dass sie Argumenten zugänglich sind. Denn die Gendrifizierung hat einen anderen Zweck. Sie interessiert sich herzlich für die Rechte von Frauen; ihre Vertreter wollen die Sprache umwälzen. Sie wollen die Worte und Sätze aus ihren gewohnten Quartieren vertreiben; darin der Gentrifizierung engstens verbunden. Nur dass die Gendrifizierung noch gewalttätiger ins Lebens eingreift. Denn sie versucht das Denken zu ändern.

Denn über die Sprache zielen die Ideologen auf unser Denken. Denn im Gebrauch der Sprache zeigt sich unser Denken. Und indem die Sprache manipuliert wird, wird das Denken geregelt. Wir sollen denken, wie sie es uns vorgeben möchten. Das ist der Sinn des ganzen Manövers. Das aber ist so typisch links wie nur möglich.

Mit diesem Versuch das Denken von mündigen Bürgern auf die eigenen ideologischen Wege zu lenken, bewegen sich Grüne und Sozialdemokraten in den Bahnen vergangener Zeiten. Viktor Klemperer hat dieser Infizierung des Denkens über die Sprache mit seinem Buch LTI - Lingua tertii imperi (Sprache des Dritten Reichs) ein bleibendes Denkmal gesetzt. Nur ging es bei ihm um die Sprache der Nazis. Sie war durch und durch totalitär. Das ist die Sprache der Gendrifizierung auf den ersten Blick nicht; aber die Absicht, über die Sprache das Denken zu steuern; diese Absicht ist von jener nicht wirklich entfernt. Und so zeigt sich in der linguistischen Gendrifizierung gleichsam eine Ausprägung der Sprache des Gutdeutschen Reichs. Sie zählt zu den vielen Versuchen totalitärer Ideologen, das Denken der Bürger zu manipulieren. Mit Frauenrechten hat sie so gar nichts zu schaffen.


[1]Dr. Regina Frey: Gender Mainstreaming in Lichtenberg; Evaluationsbericht 2010

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Unmensch

Die Darstellung der Realität zu verändern ist die Art, wie die Grünen die Welt verbessern: photoshoppen, gendern, enthassen, wahrheitsdurchsetzen. Man fühlt sich einfach besser, wenn die präsentierten Nachrichten schön sind.

Gravatar: Hand Meier

„Der ganze Gender-Kram“ zeigt nur Eines in aller Deutlichkeit.
Die Befürworter und „die engagierten Damen“ haben das Rad ab!

Sie sind ausnahmslos dumm und eine verschwindende Minderheit, denen bisher noch nicht einmal eine erfolgreiche Berufsausbildung gelungen ist, da sie noch immer „in ihrer Langzeit-Pubertät am Rotieren sind“.

Wer seine individuellen persönlichen Probleme zu „gesellschaftlichen erklärt“ der ist ja so doof-behindert, sich selbst im Siegel, noch nicht einmal reell, sehen zu können.
Für eine „solche Fehl-Leistung“ ist jeder interessante Abschnitt der IQ-Skala natürlich vollkommen hinderlich, weil die Ursachen und deren logische Konsequenzen, von den Gender-Damen überhaupt nicht begriffen werden, sonder verdrängt.
Seit man einen Teil der Bevölkerung nicht mehr ins Kloster steckt, wo sie gut aufgehoben waren, sondern in der politisierenden Öffentlichkeit
„mit Unterstützung der Gras-Grünen-Böll-Stiftung“ im Delirium der Canabis-Konsumenten orakeln lässt, kommt dann solch ein absurder Blödsinn wie Gender daher.
Sämtliche weiblichen Optionen die den Frauen offenstehen, die Mütter werden können, in dem sie die Stafette des Lebens von einer Generation zur Nächsten weitergeben, „blenden die komischen Gender-Jungfern aus“ die absichtlich keine Kinder haben wollten, und somit ganz deutlich machen, sie lieben allenfalls sich selbst, sind aber ständig dabei zu stänkern und verströmen die Aura des vorzeitigen Hirn-Todes, jeder Humanität und einer ehrlichen Liebe zur eigenen Bevölkerung und zum eigenen Land.
„Gender ist eine Absurdität von sehr unglücklichen Frauen“, die sich in ihrem Unglück „versch(w)anzt“ haben, und schlechte Stimmung verbreiten.
Ich halte einen gesunden Abstand zu solchen Menschen.

Gravatar: Gassenreh

Gender Mainstreaming strebt nicht - wie häufig behauptet - die ultimative Gleichberechtigung an, sondern die Gleichstellung, also letztlich nicht die Chancengleichheit, vielmehr die (nivellierte) Ergebnisgleichheit an.
Die einseitig theoretisierende Gender Mainstreaming-Ideologie begeht den fundamentalen Irrtum, die als entscheidende menschliche Gegebenheit vorliegenden und prägenden neurophysiologischen Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann völlig auszuklammern bzw. zu negieren.
[Einzelheiten bezüglich unüberbrückbarer Unterschiede in den Gehirnen von Frau und Mann sind in dem Buch: „Vergewaltigung der menschlichen Identität. Über die Irrtümer der Gender-Ideologie, 6. Auflage, Verlag Logos Editions, Ansbach, 2014: ISBN 978-3-9814303-9-4; EUR 7,90]

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