„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht
„Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht
Datum: 21.10.2013, 17:15
Über die Resolution sollen alle EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert werden, „aus Erwägungen der Menschenrechte und der öffentlichen Gesundheit hochwertige Dienste im Bereich des Schwangerschaftsabbruchs legal, sicher und für alle Menschen zugänglich“ zu machen.
Nun sind die Mühlen der EU komplex und für den Normalbürger weitgehend intransparent. Das EU-Parlament kann nämlich in Fragen der Abtreibung, die Sache der Mitgliedsstaaten ist, keine bindenden Beschlüsse fassen. Dennoch wäre die Signalwirkung einer solchen Resolution nicht zu unterschätzen und würde zudem Erfolge wie die der Bürgerinitiative „Einer von uns – One of us“ beeinträchtigen, wenn man die höchstrichterliche Grundlage in Frage stellte, dass ein Mensch mit seiner vollen Würde bereits mit der Zeugung entsteht.
Als Mensch, der sich dem Lebensschutz verbunden fühlt, schockieren einen solche Berichte. Es ist kein besonderes Geheimnis, dass es viele Menschen gibt, auch in Deutschland, wo Abtreibung in der Tat verboten ist und nur unter bestimmten Voraussetzungen straffrei bleibt, es mithin auch nicht annähernd ein Recht auf Abtreibung gibt, die meinen, Abtreibungen sollten vollkommen freigegeben werden. Als Begründung steht das Selbstbestimmungsrecht der Frau im Raum, das für die Protagonisten dieser Position Vorrang haben sollte vor dem Lebensrecht des Kindes. Es wird das Geheimnis der Abtreibungslobby bleiben, warum es ein solches Vorrecht nur für Frauen geben sollte und nicht auch für Männer, die sich in ihrem Lebensentwurf von Kindern eingeschränkt fühlen, oder irgendwann auch von Kindern, die ihre Entfaltung durch die notwendige Sorge um ihre Eltern beeinträchtigt sehen. Höchstrichterlich ist auf EU-Ebene festgestellt worden, dass es zwischen den Rechten Geborener und Ungeborener keinen Unterschied geben kann, man mithin Ungeborenen zur Wahrung ihrer Rechte einen umfassenderen Schutz angedeihen lassen müsste als Geborenen, deren Rechte nicht andauernd in Frage gestellt werden.
Neben der eigentlichen Resolution, über die morgen im EU-Parlament abgestimmt werden soll, erscheint mir hier aber noch etwas anderes entscheidend: Als Lebensschützer sollten wir vermeiden, uns gegen Frauen in Notsituationen, die eine Abtreibung in Betracht ziehen, ausspielen zu lassen. Es mag sie ja geben, die Frauen, die gewissenlos ihr Kind im Mutterleib töten, um die eigene Karriere oder das Sexualleben nicht zu gefährden. Mein Bauchgefühl sagt mir aber, dass wir es hier mit einer nur verschwindend kleinen Minderheit zu tun haben. Rund 100.000 Abtreibungen (offiziell) in Deutschland pro Jahr kann ich unmöglich nur mit Selbstverwirklichung in Einklang bringen. Dagegen erscheinen mir Berichte von verzweifelten Frauen, die von den Vätern oder ihrer Familie zur Abtreibung gedrängt werden, denen seitens staatlicher Beratungseinrichtungen trotz gegenteiligen Auftrags zur Abtreibung geraten wird, die keine Lebensperspektive gemeinsam mit dem Kind erkennen können und so den schweren Entschluss, nicht selten mit nachfolgenden schweren physischen wie psychischen Folgen, zur Abtreibung fassen, viel nachvollziehbarer. Und hier handelt es sich am Ende um Frauen, die Opfer einer Leistungs- und Selbstverwirklichungskultur werden und Entscheidungen eben nicht auf der Grundlage umfassender Informationen treffen konnten sondern beeinflusst werden durch Institutionen, die alles möglich im Sinn haben, nur nicht das Wohl der Frau, schon gar nicht das Wohl der Kinder.
Nicht umsonst wird bei dem jährlich stattfindenden Marsch für das Leben keine generelle Strafbarkeit von Abtreibungen gefordert: Frauen, die sich in beschriebenen Notsituationen gegen das Kind entschieden haben, auch noch zu bestrafen macht – jedenfalls aus christlicher Sicht – keinen Sinn; sie brauchen Unterstützung, sie brauchen Rat, sie brauchen Barmherzigkeit, sie brauchen das Signal, dass Gott sie auch nach einer solchen Entscheidung noch annimmt. Wer aber umgekehrt ein Recht auf Abtreibung fordert, eine Einschränkung dieses Rechts, also den Lebensschutz, als Unrecht uminterpretieren will, dem müssen Lebensschützer mit aller Macht und aller – ich nenne das mal so – geistlichen Gewalt entgegen treten. Hier wird nicht weniger gefordert, als den Mord an Kindern zu legitimieren und diejenigen ins Unrecht zu setzen, die sich dem widersetzen und sich dem Schutz des ungeborenen Lebens widmen. Eine solche Perversion des Denkens kann nicht einfach unbeantwortet bleiben.
Daher: Frauen in Konfliktsituationen in der Schwangerschaft muss mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln geholfen werden, zu ihrem eigenen und zum Nutzen der Kinder. Institutionen, die gegen das Leben arbeiten, die sich offensiv gegen das Leben und damit gegen Gott richten, muss dagegen unser unerbittlicher Widerstand gelten – notfalls, wenn sich derartige Resolutionen in Zukunft durchsetzen sollten, auch außerhalb des Rahmens geltender Gesetze. 100.000 Abtreibungen alleine in Deutschland pro Jahr nicht nur zu akzeptieren sondern auch noch als Ausdruck eines Grundrechtes zu interpretieren, fordert unser Gewissen heraus, dem wir zu folgen haben. Der Widerstand gegen eine solche „Rechtslage“ könnte schon bald unsere Pflicht werden!
(Mehr Informationen dazu und zur Aktion „Einer von uns“ findet sich auf der entsprechenden Internetseite der Bürgerinitiative sowie auch - mit einem sehr treffenden Titel auf der Seite von European Dignity Watch)
Beitrag zuerst erschienen auf papsttreuer.blog.de
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