Sünde, Korrumpiertheit, Barmherzigkeit … und Volker Beck

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Sünde, Korrumpiertheit, Barmherzigkeit … und Volker Beck
Datum: 03.03.2016, 13:05

Versuchen Sie bitte mal – ich weiß, das geht so wenig, wie eine Minute nicht an rosa Elefanten zu denken, aber dennoch meine Bitte – beim Lesen des folgenden Beitrags nicht an Volker Beck und den aktuellen Skandal zu denken. Es geht hier – und auch in diesem Fall – nicht in erster Linie um Politik sondern um Fehlverhalten, was wir als Christen Sünde nennen, um Heuchelei, die Papst Franziskus in seinem Interviewbuch „Der Name Gottes ist Barmherzigkeit“ als Korrumpiertheit beschreibt, und der Frage, wie man mit einem Sünder und dessen Sünde umgehen sollte – Stichwort: Barmherzigkeit. Zu dem Buch werde ich in Kürze noch eine Rezension schreiben, aber ein paar Dinge, die generell gelten, möchte ich hier schon mal anführen.

Papst Franziskus spricht von der Barmherzigkeit und davon, dass Gott immer auf der Suche ist, irgendwie barmherzig mit uns zu sein. Er spricht von einem kleinen Türspalt, den Gott nutzen kann, um uns, die wir in Sünde gefallen sind, wieder auf den rechten Weg zurück zu bringen. Er spricht vom Barmherzigen Vater, der nicht einfach darauf wartet, dass der verlorene Sohn zurückkommt um ihm dann – nach ordentlicher Zurechtweisung – zu vergeben, sondern der den Horizont nach seinem Jungen absucht, nach einer Möglichkeit, ihm zu vergeben, Barmherzigkeit zu üben. Für den Papst gehört zur Barmherzigkeit aber immer auch die Einsicht in die eigene Sünde und zumindest den Ansatz von Reue, und sei es – wie es auch im Buch beschrieben wird – nur die Reue, für die begangenen Sünden keine rechte Reue empfinden zu können. Wie gesagt: Ein Türspalt – er mag auch noch so klein sein – reicht Gott, um seine Barmherzigkeit über uns auszuschütten … aber diesen Türspalt braucht es eben auch.

Dagegen meint der Papst mit Korrumpiertheit eine innere Verfassung, in der man die Sünde so weit internalisiert hat, sich so sehr an sie gewöhnt hat, sie so sehr als doch normal verteidigt, dass man sie gar nicht mehr als solche wahrnimmt. Er spricht im Beispiel von einem Ehemann, der sich für einen guten Christen hält, obwohl er ein Verhältnis mit seiner Haushälterin hat – das sei, so meint der, doch normal, und sieht gar nicht mehr, wie er gegen seinen eigenen Glauben verstößt, gegen Grundsätze seines Glaubens, die ihm sehr wohl geläufig sein sollten. In diesem Fall – keine Reue über begangene Sünden – fällt es schwer, von Barmherzigkeit zu sprechen. Gottes Gerechtigkeit – so könnte man sicher etwas verkürzt beschreiben – kann hier nicht umhin, die Sünde zu verurteilen, und vergeben werden kann sie nicht, wenn keine Reue besteht. Aber ist so ein Mensch dann verloren?

Da hätten wir die Rechnung ohne den Erfindungsreichtum Gottes gemacht, der dann eben auf die Suche geht, wie die Korrumpiertheit von der Sünde für diesen Menschen aufzubrechen ist. Wenn – noch – keine Reue da ist, dann findet Gott Wege, Reue zu erwecken, um dann barmherzig sein zu können. Wenn überhaupt jemand „verloren“ gehen könnte, dann derjenige, der sich weigert, dieses Aufbrechen zu nutzen, der sich damit in bewusster Weise gegen Gott wendet, seine Hilfestellungen – ich bin versucht zu sagen diese „Hilferufe“ Gottes nach seiner Liebe – ablehnt. Ich gehöre nicht zu denen, die behaupten, die Hölle sei leer, aber ich vertraue in die Barmherzigkeit und den Erfindungsreichtum Gottes, dass die Hölle am Ende nur eine Ausnahme darstellt, eben weil Gott uns zu sich ruft, uns bei sich haben will, nicht will, dass jemand in ewiger Trennung von ihm leben muss.

Solche Ereignisse, die die Korrumpiertheit aufbrechen, können Schicksalsschläge sein, die man dann eben nicht als Strafe Gottes zu verstehen hat, sondern als Handreichung, als lautes Rufen Gottes nach der Umkehr des Menschen zu ihm. In dem Beispiel mag das eine schwere Krankheit sein, bei der ihn die Ehefrau pflegt oder der Verlust von Arbeitsplatz oder Freunden, der mit der Affäre in Vebindung steht. Wohlgemerkt: Gott straft nicht, er – so möchte ich es ausdrücken – ruft laut zur Ordnung! Und er tut das auf eine Weise, dass jeder Mensch es erkennen kann, und schon böser Wille dazu gehört, diesen Ruf abzulehen oder so zu tun, als habe man ihn nich gehört.

Und nun stellt sich die Frage, was diese göttliche Barmherzigkeit mit uns zu tun hat? Recht einfach: Wir sind aufgefordert, so barmherzig zu sein wie er! Das ist ein  hoher Anspruch, an dem man scheitern kann, und für dessen Scheitern man wiederum Reue empfinden kann. Es gehört allerdings zumindest der ernsthafte Versuch dazu, barmherzig zu sein wie Gott im Himmel, um dann echte Reue darüber empfinden zu können, dass man dahinter zurück bleibt, womit wir wieder bei der Barmherzigkeit Gottes wären, der uns das nur zu gerne vergibt. Es mag aber auch dazu kommen, dass man es ablehnt, barmherzig zu sein, wie es der Vater im Himmel ist – es nicht nur – passiv – nicht schafft, sondern – aktiv – nicht will. Es mag soweit gehen, dass man die Umkehr, die Erkenntnis des Anderen über die Schuld gar nicht will oder sie direkt in Zweifel zieht – dem Anderen den Türspalt wie auch das weit geöffnete Tor – nicht zugestehen will. Mir scheint, solch ein mangelnder Barmherzigkeitswille, entschuldigt mit der hohen Schuld des Anderen, stellt auch eine Art von Korrumpiertheit dar, derer man sich bewusst werden muss.

Und jetzt – das wäre meine Bitte – denken Sie doch einen Augenblick an Volker Beck und ordnen ihn und vor allem sich selbst in diese Überlegungen ein. Ich schreibe bewusst nicht, wie ich das selbst sehe, sonst liefe ich Gefahr, dass dies trotz meines Fastenvorsatzes doch ein politischer Beitrag wird. Aber trotzdem mag noch eine Überlegung dazu treten: Mal abgesehen davon, dass Schadenfreude sicher keine christliche Tugend ist – mit welcher Einstellung zu dem aktuellen Thema glaube ich, Gott mit gutem Gewissen gegenübertreten zu können? Was mich betrifft: Ich habe da noch einen ziemlichen Weg vor mir!

Beitrag zuerst erschienen auf papsttreuerblog.de

Sven von Storch

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