Rosenkranzbetrachtung_ Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat
Rosenkranzbetrachtung_ Jesus, der uns den Heiligen Geist gesandt hat
Datum: 16.10.2014, 09:28
Insbesondere den Einwand (ich hoffe, ich habe ihn richtig verstanden und gebe ihn nicht verkürzt wieder), dass der reale Ablauf gar nicht so entscheidend für den Glauben wäre, es sich – hat niemand gesagt, ich interpretiere das nur – bei der Empfängnis Jesu durch den Heiligen Geist nicht zwingend um die reale Wahrheit handeln muss, stellt einiges von dem in Frage, was ich unter Glauben verstehe.
Natürlich hat der Aspekt des Glaubens (an Gott) unterschiedliche Bedeutungen, zu denen neben dem Vertrauen auch das Für-wahr-halten der Überlieferungen über Gott gehört. Bei letzterem ist der Spagat notwendig, zwischen eher lyrischen Texten und Bildern wie wir sie vielfach im Alten Testament finden, zum Beispiel in der Schöpfungsgeschichte, und Wiedergaben von realen Begebenheiten, wie ich sie in den Texten der Evangelien zu lesen meine, zu unterscheiden. Die Frage, die sich dann stellt ist: Macht es für das Für-wahrhalten der Existenz Gottes, eines Gottes, wie ihn die Bibel darstellt und die katholische Kirche vermittelt, macht es für unser Vertrauen in diesen Gott einen Unterschied, dass Jesus nicht von seinem Ziehvater Josef abstammt? Macht es einen Unterschied, dass er vom Heiligen Geist und nicht körperlich gezeugt wurde?
Man könnte diese Frage mit den Fragen nach der Realität von Wundern, Heilungen, bis hin zur Auferstehung und Himmelfahrt fortsetzen, wobei ich nicht davon ausgehe, dass die Kommentatoren – als Katholiken oder Christen? – Letzteres in Frage stellen wollen. Bleiben wir aber bei der Frage nach dem ersten Geheimnis des Rosenkranzes über Jesus, den Maria vom Heiligen Geist empfangen hat … oder eben nur empfangen haben soll?
Wenn das, was hier beschrieben wird, nicht der Fall sein sollte, was ist dann die Alternative? Doch wohl, dass Jesus von einem Mann, entweder Josef oder gar einen anderen, als Resultat eines Seitensprungs, gezeugt und geboren worden wäre – ein Mensch, gezeugt von Menschen; noch dazu – was aber möglicherweise unerheblich wäre – unter dubiosen Umständen! Wenn wir dann aber dabei bleiben wollen, dass Jesus ganz Mensch und ganz Gott ist, dann hätte irgendwann, bei oder nach der Zeugung, ein Ereignis eintreten müssen, dass seine „Gottheit“ erst herbeigeführt hätte. Man kann nun sagen: Was soll’s, Gott ist allmächtig! Hätte er halt dafür gesorgt, dass durch ein Wunder der gezeugte Mensch Jesus zum Gottmenschen geworden ist!
Das Problem daran: Hätte, hätte, Fahrradkette – das ist nicht die Geschichte, wie die Bibel sie erzählt und es ist nicht einsehbar, warum nicht auch ein solcher Verlauf hätte beschrieben werden können. Denkbare Varianten der Menschwerdung Gottes scheitern gedanklich daran, dass sie in der Form nirgendwo beschrieben werden, die Zeugung durch den Heiligen Geist aber schon. Lügt also die Bibel? Beginnt die Geschichte von Jesu Leben mit einer Unwahrheit oder einer Unschärfe, die den Glauben an den Gottmenschen in Summe in Frage stellen muss?
Für einen Atheisten ist das alles kein Problem, der hält die Geschichten von Jesus eh für Legenden oder Übertreibungen. Für die Gesamtheit der Gläubigen macht die Frage nach der Zeugung Jesu durch den Heiligen Geist, wie es die katholische Kirche auch zu glauben vorgibt, einen gewaltigen Unterschied – jede andere Interpretation macht die Geschichte Jesu von Beginn an unplausibel, rüttelt an den Grundfesten der Theologie.
In der Tat, das ist kein Thema, mit dem sich der einzelne Gläubige jeden Tag beschäftigen muss, für den normalen Tagesablauf, für die Frage, wer mein Nächster ist und was es heißt, ihn zu lieben, für die Frage, ob ich mein Leben auf gottgemäße Art führe, erscheint die Frage nach der Zeugung Jesu als irrelevant – allerdings auch nur so lange, wie die Antwort der Kirche darauf nicht in Frage gestellt wird!
Und warum veröffentliche ich diesen Beitrag unter dem Geheimnis des Heiligen Geistes, den Jesus uns gesandt hat? Genau deshalb:
Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
(Johannes 14,26)
Der Heilige Geist ist es – das ist natürlich nur ein Teil dessen, was über ihn zu sagen wäre, das soll keine Verkürzung sein –, der die Gläubigen und die Kirche an die Dinge erinnert, die wesentlich sind, die in Vergessenheit geraten könnten, wenn sie uns die Kirche nicht immer wieder vor Augen halten würde: im Auftrag des Heiligen Geistes. Ich hoffe, dass der Heilige Geist bei meinen Gedanken, die ich in diesem Blog äußere, ein gehöriges Wörtchen mit spricht. Sicher bin ich mir aber, dass er das bei unserer Kirche tut. Gibt sie bestimmte Dinge, basierend auf dem, was uns in der Bibel mitteilt, zu glauben vor, dann bin ich – ganz unabhängig von den obigen eher sachlichen Gedankengängen – sicher, dass sie bedeutend sind und dass sie wahr und wahrhaftig sind.
Beitrag erschien auch auf: papsttreuer.blog.de
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