Paderborn_ Money is the root of all evil today …

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Paderborn_ Money is the root of all evil today …
Datum: 01.10.2015, 09:21

4 Milliarden Euro! 4.000.000.000 €! Kein schlechter Vermögensstand für ein einzelnes Bistum, oder? So sieht es jedenfalls die Presse, die solcherlei Zahlen aus Paderborn genüsslich ausbreitet. Haben wir es doch immer gewusst: Die Kirche ist steinreich, nichts ist es mit der Kirchen der Armen und der armen Kirche.

Nun sollte man sich auch keiner Illusionen hingeben: 4 Milliarden Euro klingt erst mal viel, man müsste das aber auch im Vergleich sehen, und sollten die Einnahmequellen, insbesondere die Kirchensteuer, in Zukunft einbrechen, dann ist es auch schnell vorbei mit der Herrlichkeit. Und man muss auch feststellen, dass die meisten Kommentatoren keinen Funken Ahnung vom Hintergrund von Kirchensteuer und staatlichen Stützungsleistungen an die Kirche haben. Wenn heute besonders radikal und gratismutig gefordert wird, die Kirchen notfalls zu enteignen, dann fordert man eigentlich, Entschädigungsleistungen für eine bereits erfolgte Enteignung zu enteignen. Rechtsstaatlichkeit? Sch… drauf, wenn es gegen die Kirche geht.

Was also zum Skandal hochstilisiert wird, ist erst mal das Ergebnis verantwortlichen Handelns, eigentlich etwas, was man auch von Bund und Ländern erwarten müsste. Ein Paderborner Jahresetat von ca. 500 Millionen € pro Jahr macht das deutlich – da sind offenbar vorsichtige Kaufleute am Werk. Hier ist also keine mittelalterliche Kirche unterwegs (die auch nicht so schlecht war, wie viele immer tun), die den Armen nimmt um selbst in Saus und Braus zu leben. Das alles ist sowieso weit entfernt von Illegalität oder notwendigen staatlichen Eingriffen. Wenn also Spiegel Online heute schreibt:

27 Bistümer gibt es in Deutschland, und noch immer haben nicht alle preisgegeben, was in der geheimen Schatulle namens „Bischöflicher Stuhl“ so alles steckt, aus der sich Tebartz-van Elst zusätzlich zu den Bistumsgeldern so reichlich bedienen konnte. Auch auf das jetzt bekannt gewordene Paderborner Vermögen kommt dieser fromme Geheimschatz, der praktisch zur freien Verfügung eines Bischofs ist, noch obendrauf.

dann geht das weit über das hinaus, was den Spiegel etwas angehen würde. Dass man sich entschieden hat, die Finanzen offenzulegen, ist ein Entgegenkommen der Bistümer, über dessen Sinn man aus innerkichlicher Sicht durchaus gemischte Ansichten haben kann: Kommt ein Vermögen wie das in Paderborn heraus, muss man sich rechtfertigen, ist ein Bistum arm wie die Kirchenmaus, muss man sich fragen lassen, wie man denn mit den Geldern umgeht – und unter den Bistümern werden Begehrlichkeiten geweckt, wie sie jetzt auch aufscheinen, wenn ein gemeinsamer Fond der Bistümer gefordert wird – eine Art „Bistümerfinanzausgleich“. Das funktioniert ja schon auf Bundesländerebene ganz toll, wenn der Sparsame bestraft und der Prasser belohnt wird.

Das bedeutet nicht, dass ärmere Bistümer nicht mit Geld umgehen können; für unterschiedliche Entwicklungen gibt es auch strukturelle Gründe, für die der Bistumsleitung direkt keine Verantwortung angelastet werden kann. Es sollte nur deutlich sein, dass ein gemeinsamer Topf meist nicht zu den erwünschten Ergebnissen führt, und man sich – kirchenintern – über Mechanismen der gegenseitigen und freiwilligen Unterstützung Gedanken machen muss. Und das ist der entscheidende Punkt: Es sind Kircheninterna um die es hier geht – durchaus brisant, wenn ein Bistum finanziell – zumindest auf den ersten Blick, sieht man nur auf das Vermögen – glänzend dasteht, sich den Gemeinden gegenüber aber mit Gemeindezusammenlegungen und Schließungen von Einrichtungen als Sparstrumpf geriert. Was es nicht ist, ist ein politisches Thema, auch wenn SPON & Co. das gerne so drehen würden.

Auch als überzeugter Marktwirtschaftler, der wahrlich nichts gegen die steuernde Wirkung von Geld einzuwenden hat, sehe ich das bei Kirchens anders. Natürlich muss auch hier klug gewirtschaftet werden: Niemandem (jedenfalls nicht kirchenintern) ist an einer Kirche gelegen, die aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht mehr missionarisch und karitativ tätig werden kann. Andererseits besteht schnell die Gefahr, zu viel Rücksicht auf den Mammon zu nehmen. Die Nähe zu staatlichen Geldquellen wie auch die Regelungen zur Kirchensteuer, obwohl legitim und rechtsstaatlich nicht ohne weiteres angreifbar, tun im Zweifel der Kirche selbst, vor allem dem Aspekt der Mission, dem Zeugnis in der Gesellschaft, nicht gut. Oder wie es auch heißt: Das größte Problem der Kirche in Deutschland ist ihr vieles Geld! Die Frage, die sich die Bistumsleitung in Paderborn und auch die gesamte katholische Kirche in Deutschland stellen muss ist: Sind 4 Milliarden Euro in diesem Sinne zu viel? Und gut wäre es, bei der Antwort möglichst wenig auf Einflüsterungen der Welt zu hören!

Beitrag erschien auch auf: papsttreuerblog.de 

Sven von Storch

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