Link der Woche_ Leben schützen – Zeit der Waffen
Link der Woche_ Leben schützen – Zeit der Waffen
Datum: 23.11.2015, 11:33
Kann es sein, dass man Waffen braucht, um Leben zu schützen? Mitunter – das zeigen die Anschläge von Paris aber auch in anderen Regionen der Welt – kann es schon von Vorteil sein, eine Waffe zu besitzen. Es stellt sich aber dann direkt die Frage, wer denn Waffen besitzen darf. Dass ich wenig davon halte, ein Waffenmonopol beim Staat zu sehen, werden meine Leser wissen. Es ist nicht so, dass ich Waffen sonderlich toll finde, aber gerade deshalb wüsste ich sie gerne in Händen, die sich nicht gegen mich oder gegen das Volk oder eine gerechte Sache richten – da bin ich beim Staat eher misstrauisch.
Vor dem Hintergrund der Anschläge in Paris hat sich auch der Autor von Theodreds Schicksal dieses Themas angenommen, und kommt zu ähnlichen Schlüssen, wie ich es auch komme:
Wer keine Schusswaffen oder nur Schreckschusswaffen besitzt und führen darf, wird sich nicht wehren können, sondern sein Heil nur in der Flucht suchen können. Ich sage bewusst suchen.
Die Täter hatten überlegene Feuerkraft mit ihren militärischen Waffen. Das zwang die beiden ersten Beamten ihren heroischen Versuch zu zweit die Lage zu retten aufzugeben. Aber sie hatten etwas erreicht. Wie viele Leben sie damit gerettet haben, wird wohl nur zu schätzen sein.
Das Prinzip der Abschreckung steckt dahinter, vor allem aber das Prinzip, einem Angreifer nicht bis zur Ankunft eines Waffenmonopolisten wie der Polizei hilflos ausgeliefert zu sein. So stimmt auch die folgende Feststellung:
Feuerwaffen verhindern keine Attentate, denn sie ändern nichts an den Tätern. Sie sind auch kein Garant für Sicherheit oder das eigene Überleben. Kommt man nicht dazu die Waffe zu benutzen, wird ohne Deckung oder allgemein überrascht, verhält sich nicht richtig, zögert wegen Hemmungen, macht Fehler, versteht den Umgang nicht oder hat einfach Pech, dann ist man den Mördern doch ausgeliefert.
Aber Schusswaffen bieten eine Chance. Eine Chance sich zu wehren, die Bösen wenigstens aufzuhalten und vielleicht sogar auszuschalten.
Einer allein hat gegen drei Terroristen natürlich ebenfalls keine Chance – aber hätten die Security und 2% der Besucher eine Schusswaffe gehabt, dann wären über 30 Bewaffnete auf 3 Terroristen gekommen.
Vermutlich hätten sie dann nicht so viele Menschen umbringen können – oder sich gleich ein leichteres Ziel gesucht.
Aber steckt da nicht auch eine Gefahr dahinter? Sind es nicht gerade die USA mit ihrer vergleichsweise liberalen Waffengesetzgebung, die immer wieder mit Massakern und Amokläufen von sich Reden machen? Wäre es da nicht besser, den Waffenbesitz deutlich mehr einzuschränken? Ich will es mal so abkürzen: Gäbe es eine Möglichkeit, alle Waffen auf der Welt zu vernichten (auch die in Regierungshänden), wäre das vermutlich ein Fortschritt. Aber wie die Dinge liegen, halten sich die Rechtschaffenen an diese Gesetze, während die Verbrecher dieser Welt Mittel und Wege haben, Waffen zu erwerben. Und wer wehrlos ist, der ist für Gewaltbereite und Psychopathen bevorzugtes Opfer:
Zum anderen geschehen diese Anschläge in den USA fast immer in sogenannte „gun free zones“. Das sind Orte an die entweder vom Gesetzgeber oder vom privaten Besitzer / Betreiber vorgeschrieben keine Schusswaffe gebracht werden darf. Die (weit weniger als geglaubten) legalen Schusswaffenträger in den USA müssen also ihre Pistolen oder Revolver (und in seltenen Ausnahmen Gewehre) entweder zu Hause lassen oder, so das Areal nicht bereits den Parkplatz mit einschließt, im Auto einschließen.
Zu diesen Zonen zählen militärische Anlagen (hätten Sie es gewusst? Sei Bush jnr. dürfen Soldaten im Kasernengelände privat keine Waffen tragen, selbst wenn sie lizensierte Träger sind), Schulen, Colleges, Kirchen, Friedhöfe, Ikea… Fällt ihnen etwas auf? Das sind wirklich genau die Orte, an denen die Massaker passieren. Als in Pearl vor einigen Jahren ein junger Mann mordete, wurde er vom Vizedirektor gestoppt. Dieser musste nicht mal schießen. Er zeigte ihm lediglich seinen Revolver und schon gab der Täter auf. Im Jahr 2007 erschoss Jeanne Assam einen Massenmörder in einer Kirche – sie war dort entgegen den üblichen Regeln als bewaffnete Security eingestellt. Statt dutzender Tote, wie im Fall des Virginia Tech Massakers, blieb es bei drei getöteten Opfern – was immer noch schlimm genug ist.
Das sind die Dinge, die Hardcorepazifisten nicht gerne hören. Aber so sympathisch mir auch eine Käßmann-Utopie ist, in der Menschen Differenzen ausdiskutieren und gemeinsam beten, so wenig realistisch ist sie auch. Mit der Entscheidung eines Waffenverbots trifft man schließlich nicht nur für sich selbst eine Entscheidung, sich nicht wehren zu wollen, sondern auch für andere, sich nicht wehren zu dürfen. Vor dem Hintergrund muss man aktuell auch die Forderungen von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker bewerten, den Waffenbesitz (für einfache Bürger wohlgemerkt) weiter zu erschweren. Der Mann sagt nichts anderes als „Wehrt Euch nicht“ – und wird dabei fürstlich bewacht! Schöne Idee von ihm, oder? Wer waren noch gleich diejenigen, die aus dem Stadion in Paris und Hannover am schnellsten evakuiert wurden? Eben!
Ich kann darum nur – auch als Christ – den abschließenden Worten des Beitrags zustimmen:
Hätte ich die Wahl mich wehrlos abknallen zu lassen oder wenigstens die Chance mich zu wehren – ich würde die Chance bevorzugen. Ich bin Christ – aber ich bin kein Märtyrer und ich will auch keiner werden.
„Leben schützen – Zeit der Waffen“ ist am 17.11.2015 auf dem Blog „Theodreds Schicksal“ erschienen.
Zuerst erschienen auf papsttreuerblog.de
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