Lebensrecht_ „Und dennoch weine ich manchmal!

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Lebensrecht_ „Und dennoch weine ich manchmal!
Datum: 04.09.2014, 10:52

Das Thema Abtreibung, vielfach euphemistisch „Schwangerschaftsabbruch“ oder gar „Schwangerschaftsunterbrechung“ (als ob man die Schwangerschaft fortsetzen könnte) ist – das ist eine Binsenweisheit – emotional belastet. Vielen Protagonisten eines Abtreibungsrechts sprechen von der Entscheidungsfreiheit einer Frau, selbst bestimmen zu können, ob ein Kind in der aktuellen Lebensphase gewünscht ist oder nicht. Es geht dabei nicht nur um medizinische Indikationen, die ohnehin nur einen Bruchteil der über 100.000 pro Jahr in Deutschland vorgenommener Abtreibungen betreffen, sondern das, was als „Selbstbestimmungsrecht“ (das interessanterweise in dieser Form gar nicht in unserer Verfassung steht, schon gar nicht in Konkurrenz zum Lebensrecht eines anderen Menschen) der Frau betrachtet wird. Eine Einschränkung dieses postulierten Rechts wird gleichgesetzt mit der Unterdrückung der Frau – ohne das Lebensrecht des Kindes auch nur ins Kalkül zu ziehen.

Andererseits machen wir uns als Lebensschützer nichts vor, auch unser Werben für das Lebensrecht ungeborener Kinder ist nicht immer wirklich rational nachvollziehbar – und vor allem nicht immer, wenn es um Christen geht, von christlicher Nächstenliebe geprägt. Frauen die abgetrieben haben, den „Mord“ an ihren Kindern vorzuwerfen, diejenigen, die sich nicht eindeutig gegen eine Abtreibung aussprechen als Paria der Gemeinschaft zu betrachten, sorgt für eine Emotionalität in der Diskussion, die dem gegenseitigen Verstehen nicht dienlich ist. Dabei ist den anderen zu verstehen doch eine der Grundlagen, sich mit ihm im Dialog zu nähern. Wenn es nur darum geht, „Recht“ zu haben, dann sind die Argumente der Lebensschützer nicht eingängiger als die der Abtreibungsbefürworter - sie prallen aufeinander und prallen damit ab!

Heilsam ist es dann, auch mal die Seite einer Betroffenen zu hören, wie sie gestern in der Welt-online unter dem Titel „Das Kind ist weg, die Gedanken bleiben. Verdammt.“ nachzulesen war. Beschrieben ist dort die Geschichte einer beruflich erfolgreichen jungen Frau, sie hat gerade die ersten Berufstage als Unternehmensberaterin begonnen, die ungewollt schwanger wird, und sich gegen das Kind entscheidet, es abtreiben lässt und seither mit seelischen Problemen zu kämpfen hat. Natürlich ist auch dieser Bericht, aus dem Blickwinkel einer Betroffenen geschrieben, emotional. Aber er macht die Entscheidungslage deutlich, in der ein Mensch jenseits besonderer medizinischer Indikationen oder sozialer Notlagen stehen kann, wie eine Frau zur Entscheidung für eine Abtreibung kommen kann auch wenn sie durchaus auch andere Argumente gehört hat, und wie eine solche Entscheidung das Leben prägt.

Es geht dabei nicht darum, gut zu heißen, dass diese Frau den neuen Job vor das Leben ihres Kindes stellt, es geht nicht um ein Urteil, es geht um das Verstehen, dass einer Frau in dieser Situation von den verschiedensten Seiten suggeriert wird, dass die Abtreibung die bessere Entscheidung wäre. In einer solchen Situation kann man nicht mir „Mord“ argumentieren oder mit Bildern zerstückelter Föten – damit werden wir als Lebensschützer betroffene Frauen nicht erreichen. Eine andere Sicht nahezubringen, auch Unterstützung anzubieten, nicht zuletzt mitzuhelfen, eine Gesellschaft zu formen, bei der ein „frühes Kind“ nicht das Ende der Welt darstellt, das ist auch Aufgabe einer Pro-Life-Bewegung, die den Namen verdient.

Am 20. September findet in Berlin wieder der Marsch für das Leben statt, bei dem es im Schwerpunkt um das Lebensrecht ungeborener Kinder geht. Eine solche Demonstration ist einerseits kein Ort der differenzierten Betrachtung – es darf aber auch nicht der Ort der Verurteilung von Frauen sein, die abgetrieben haben, oder die vor dieser Entscheidung stehen und sich nicht eindeutig für das Kind entscheiden. In den vergangenen Jahren haben auch immer Frauen ein Zeugnis gegeben, die abgetrieben haben und diese Entscheidung nun bereuen. In vielen Fällen kann ihnen geholfen werden, Vereine wie Rahel machen sich um diese Frauen verdient. Aber wer weiß außerhalb des engen Kreises der Lebensrechtsbewegung schon, dass man auch Frauen, die abgetrieben haben, nicht alleine lassen will.

Eine Kommentatorin des Beitrags schreibt unter anderem:

Ja, ich verstehe die Protagonistin. Bei mir war der Abbruch auch zwischen vielen Terminen. Vergessen gehört nicht dazu, es bleibt, die Gedanken. Und verdammt noch mal, war es gut was ich getan habe? Ja, es war gut! Und dennoch weine ich manchmal!

Ich vermute, sie weint alleine – und das muss uns als Christen umtreiben, egal, wie unverständlich einem im Einzelfall die Entscheidung gegen das Leben erscheint.

Beitrag erschien auch auf: papsttreuer.blog.de

Sven von Storch

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