Katholikentag - Unangenehme Zusammenhänge

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Katholikentag - Unangenehme Zusammenhänge
Datum: 20.05.2014, 13:29

Wenn ich ehrlich bin, möchte ich in Deutschland auch nicht Bischof sein, vor allem dann nicht, wenn ich meinen Glauben in rechter Weise vorleben möchte – das Minenfeld ist einigermaßen unüberschaubar und es lauern überall Gläubige, die immer besser wissen, was wirklich katholisch und was häretisch ist. Und für den Fall, dass die dann auch noch einen Blog betreiben oder Journalisten sind, machen sie auch keinen Hehl aus ihrer Erkenntnis. Und auf der anderen Seite lauert eine Weltlichkeit, die auch nur darauf wartet, einen bei einem Fehler, einem Widerspruch oder einer auch noch so kleinen Diskriminierung zu ertappen.

Beispiel gefällig: der Bund katholischer Ärzte ist beim diesjährigen Katholikentag in Regensburg nicht zugelassen. Schon beim letzten Katholikentag stand diese Vereinigung in der Kritik, weil sie in ihren Flyern behauptete, Homosexualität sei in bestimmten Fällen therapier- und heilbar, mithin eine Störung oder Krankheit. Dieses Jahr dann als Konsequenz dieser scheinbar homophoben Position: Rausschmiss! Nun hätte man den Stand dieser Vereinigung auch zulassen und sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit anderen Positionen verpflichten können. Man hätte dann das Thema aus Sicht der Bibel und des katholischen Lehramtes betrachten und möglicherweise zu einem gemeinsamen Verständnis zurück finden können – Brücken bauen, was man laut Motto des Katholikentages doch mit Christus tun will. Hier hat man sich entschieden, Brücken abzureißen!

Dass es auch anders geht, haben Katholikentagsleitung und der veranstaltende Bischof Vorderholzer, der nicht als besonders progressiv bekannt ist, sich aber wohl dem Faktischen beugen musste, bewiesen, als es um die Zulassung der Schwangerenberatungsorganisation Donum Vitae ging, die seit der kirchlichen Untersagung durch Johannes Paul II. noch immer pseudokatholische Konfliktberatung unter Ausstellung des zu einer Abtreibung berechtigenden Beratungsscheins anbietet. Eine solche Vereinigung, die sich seit Jahren gegen Kirchenrecht stemmt und trotzdem von sich behauptet, katholisch zu sein, müsste mit gleichem Recht auch vom Katholikentag ausgeschlossen werden. Aber – oh Wunder – hier hat man eine andere Regelung gefunden:

Wir schlagen der Katholikentagsleitung vor, die Beteiligung von Donum Vitae am Katholikentag zuzulassen. Zu dieser Duldung durch Bischof Dr. Rudolf Voderholzer gehört, dass auf dem Katholikentag in Regensburg eine große Veranstaltung stattfindet, in der – rund 15 Jahre nach den Entscheidungen von 1999 – unter Beteiligung namhafter Vertreterinnen und Vertreter beider Positionen das Für und Wider des Engagements innerhalb der gesetzlichen Schwangerschaftskonfliktberatung diskutiert wird.

(aus der Erklärung von Bischof Voderholzer und ZdK-Präsident Glück)

Ob hier mit zweierlei Maß gemessen wird? Angesichts der Tatsache, dass es beim Bund katholischer Ärzte um Bestrebungen geht, Menschen zu helfen, die unter ihrer Homosexualität leiden und einen Ausweg suchen, während man bei Donum Vitae Tötungsscheine für ungeborene Kinder ausstellt, wird man wohl nicht umhin können, das so zu sehen.

Dann flatterten in den letzten Wochen noch die Informationen durch die katholischen Medien, nach denen der christliche aber nichtkirchliche Beratungsverein Pro Femina in den Bistümern Augsburg, Freiburg und Speyer nicht mehr in kirchlichen Einrichtungen für seine Aktion 1000plus werben darf, ein de-facto-Verbot, das offenbar auf Betreiben des katholischen Caritasverbandes ausgesprochen wurde (glücklicherweise gibt es auch Bistümer, die diesem Vorgehen deutlich wiedersprechen). Insbesondere, darauf weist das Bistum Freiburg hin, dürften hierfür keine Kollektengelder verwendet werden. Und siehe da, was erreicht die katholischen Kirchen in Deutschland am vergangenen Wochenende: Ein Aufruf zu einer Sonderkollekte für den Kirchentag 2014!

Man merke sich: Pro Femina, mit einem konsequent am Lebensrecht des ungeborenen Kindes ausgerichteten Beratung darf nicht durch Kollektengelder unterstützt werden, die Teilnahme von Donum Vitae, die den Abtreibungsberechtigungsschein ausstellt, am Katholikentag – der nebenbei bemerkt sowieso schon zu einem Drittel aus sogenannten Eigenmitteln, letztlich also Kirchensteuergeldern finanziert wird – dagegen schon!

(Wohlgemerkt dabei: das Bistum Regensburg sieht nach Berichten von kath.net keinen Grund, Spendenaktionen für die Aktion 1000plus zu untersagen – nur damit hier nicht der falsche Bischof ins Visier gerät!)

Ich gebe zu, ich möchte kein deutscher Bischof sein, der sich mit solchen Blogbeiträgen oder Berichterstattungen auseinanderzusetzen hat – aber ich selbst kann das alles nur noch mit einer erheblichen Portion Sarkasmus ertragen und den Herrn bitten, unserer Kirche echte Hirten zu senden!

Zuerst erschienen auf papsttreuer.blog.de

Sven von Storch

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