Homosexualität und Kirche_ Es ist komplizierter!

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Homosexualität und Kirche_ Es ist komplizierter!
Datum: 27.04.2015, 09:36

Vor drei Wochen ging die Meldung durch die Presse, der Stuttgarter Bischof Gebhardt Fürst verweigere einem homosexuellen Paar, einer davon der Stuttgarter CDU-Chef und Bundestagsabgebordnete Stefan Kaufmann, den Segen für Ihre Partnerschaft. Auch ich habe in diesem Blog darüber berichtet und unter anderem gemutmaßt, dass es sich dabei um einen „gemachten Medien-GAU“ handeln könnte, weil der Bischof letztlich gar nicht anders habe entscheiden können, und man ihn mit der öffentlichkeitswirksamen Bitte um einen Segen in eine Falle gelockt hat.

Und wie so oft: Die Wahrheit ist deutlich komplizierter als man sie den Medien entnehmen konnte und ich sie mir zusammengereimt habe. Im Nachhinein bin ich froh, dass mein Beitrag durch das Veröffentlichen auf Twitter auch bei Stefan Kaufmann gelandet ist. Denn nur so, auch wenn Diskussionen mit 140 Zeichen je tweet nicht besonders fruchtbar sind, bin ich mit ihm ins Gespräch gekommen … und dabei in mehrfacher Hinsicht schlauer geworden.

Da sind erst mal die Fakten, die in der Presse offensichtlich nicht korrekt dargestellt wurden: Eine Segnung der Partnerschaft zwischen Stefan Kaufmann und seinem Partner stand nämlich schon seit geraumer Zeit nicht mehr zur Diskussion; eine entsprechende Anfrage wurde vor über einem Jahr bereits durch den Bischof abgelehnt, ohne dass irgendjemand die Presse eingeschaltet hätte. Gemeinsam mit dem Stuttgarter Pfarrer Anton Seeberger habe man sich dann, so berichtete mir Herr Kaufmann in einem Telefonat, auf die Suche nach einer Lösung gemacht, die die Belange des Paares ebenso berücksichtigt wie die Lehre der Kirche und war fündig geworden in einem „normalen Gottesdienst“ aus Anlass der Verpartnerung, ohne speziellen Segen für das Paar aber mit einem Abschlusssegen, wie er zu jedem Gottesdienst gespendet wird.

Erst nachdem dieses Vorgehen öffentlich geworden war, hatte sich der zuständige Stadtdekan eingeschaltet, noch einige Anpassungen, insbesondere aber wiederum eine Genehmigung des Stuttgarter Bischofs angeregt. Diese ist aber auch für diese Form des Gottesdienstes versagt worden; der Bitte durch Stefan Kaufmann um ein persönliches Gespräch in dieser Sache ist man seitens des Bischofs nicht nachgekommen. Das Ergebnis, und hier stimmt die Berichterstattung nun wieder, ist, dass der Partner von Stefan Kaufmann zur altkatholischen Kirche gewechselt ist, die eine entsprechende Segnung vornehmen wird.

Nun ist für mich zunächst mal deutlich, dass es sich bei dem Ansinnen von Herrn Kaufmann um etwas anderes als eine Segnung handelt. Er wies mir gegenüber auch deutlich darauf hin, dass man nach einer Lösung gesucht habe, die die Gefahr einer „Verwechslung“ des Gottesdienstes mit einer christlichen Hochzeit nicht beinhaltete. Zu keiner Zeit habe er den Bischof oder die Kirche „provozieren“ wollen; als Katholiken hätten er und sein Partner aber nach einer Möglichkeit gesucht, ihr Leben auch gemeinsam mit und in der Kirche zu führen. Man kann jetzt Zweifel daran haben, ob nicht auch ein Gottesdienst wie der vorgeschlagene, wie immer er auch gestaltet sein mag, den „Hauch“ einer Hochzeit behält, weswegen der Bischof auch dieses Ansinnen abgelehnt haben könnte. In seiner offiziellen Begründung der Ablehnung geht Bischof Fürst, sonst eigentlich nicht als Hardliner bekannt, aber lediglich auf die ursprünglich mal angedachte Segnung, nicht auf den Gottesdienst ein.

Kein Wunder also, wenn die Medien sich in der Mehrheit nicht die Mühe gemacht haben, zwischen einer Segnungsfeier und einem Gottesdienst mit Schlusssegen zu unterscheiden. Für die Beurteilung aus kirchenrechtlicher Sicht ist der Unterschied aber schon erheblich. Es tut mir im Nachhinein leid, dass ich hier nicht direkt bei Stefan Kaufmann nachgefragt habe und ich kann ihn und seinen Partner nur um Entschuldigung bitten für den Verdacht, er habe die Segnungsfeier „öffentlichkeitswirksam“ platzieren und den Bischof in eine „dead-lock-Situation“ manövrieren wollen. Und das ist denn auch der erste Aspekt, bei dem ich dazu gelernt habe: Auch wenn noch so viele Medien in gleicher Weise berichten, sowohl kirchenkritische wie der Kirche positiv gesinnte, kann man nicht davon ausgehen, dass stimmt, was berichtet wird. Die Darstellung der Feier als Segnung der Partnerschaft diente hier offenbar kirchenkritischen Medien ganz generell dazu, die Kirche als angestaubt und aus der Zeit gefallen darzustellen, für konservative kirchliche Medien diente sie einer falschen Beschuldigung des betreffenden Paares. Egal wie man den Wunsch von Stefan Kaufmann auch kirchenrechtlich bewerten mag: Die Wahrheit zu berichten und zu differenzieren wäre zumindest die Aufgabe kirchlicher Medien gewesen!

Das führt mich aber auch zu einem zweiten Aspekt, der mich seit dem Telefonat mit Stefan Kaufmann umtreibt. Bislang hat er keine Begründung dafür erhalten, warum eigentlich ein Gottesdienst wie der von ihm gewünschte abgelehnt wurde – die Ablehnungsbegründung bezieht sich ja nur auf die Segnung, die er mit Verständnis für Bischof und Kirchenlehre gar nicht mehr angestrebt hat. Und für jeden, der den Katechismus ernst nimmt, der nicht nur aussagt, dass Homosexualität nicht „zu billigen“ sei, sondern auch deutlich macht, dass es dennoch keine Diskriminierung geben darf, stellt sich nun die Frage: Was geht denn? Es reicht am Ende nicht aus zu sagen, dass eine Hochzeit ausgeschlossen ist, auch eine Segnung zu Verwirrungen führen würde und man diese darum auch nicht vornehmen kann. Die Kirche, die Lehre und die Seelsorge, muss eine Antwort darauf geben, wie das denn aussehen kann, dass auch homosexuell lebende Paare nicht aus der Gemeinschaft der Kirche ausgeschlossen sind.

Gibt man diese Antwort nicht, wird es an dieser Stelle immer zu Heimlichkeiten kommen. Man wird als Paar sicher einen Priester finden, der einen „unter der Hand“ segnet, aber das ist kein würdiger Zustand, weder für die Paare noch für die Kirche. Wenn im Herbst in der Familiensynode auch über den Umgang mit homosexuellen Paaren gesprochen wird, dann sollten wir erwarten können, dass genau hierüber gesprochen wird. Es sollte nicht darum gehen, die Lehre der Kirche per se anzupassen, sehr wohl muss es aber in dem Thema darum gehen, die Beurteilung der Homosexualität als Sünde und gleichzeitig die Integration von Homosexuellen in die Kirche, in der Praxis zu gestalten. Verbote von Segnungen, wie begründet sie auch sind, reichen nicht aus, um von einer Pastoral zu sprechen.

Leider ist der Stuttgarter Bischof in dieser Frage eine Antwort schuldig geblieben; vielleicht auch, um vor der Synode nicht noch mehr Unruhe in dieses Thema zu bringen (wobei ich mich da bereits wieder im Bereich der Spekulation befinde). Die Frage steht aber im Raum und wir werden allesamt als Kirche nicht darum herumkommen, eine Antwort zu finden.

Beitrag erschien auch auf: papsttreuerblog.de

Sven von Storch

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