Hilflose Wut
Hilflose Wut
Datum: 05.08.2014, 14:38
Was jetzt kommt, ist ein bisschen anders als man es auf diesem Blog gewohnt ist. Ich versuche im Normalfall auch bei Themen, die mich persönlich betreffen oder betroffen machen, eine theologisch objektive Sicht zu entwickeln, mich anhand von Bibel, Katechismus, kirchlichen Lehrschreiben etc. zu vergewissern, ob ich das, was meine Meinung ist, auch als „papsttreu“ wiedergeben kann – oder eben notfalls darauf hinzuweisen, wenn es das nicht ist, und warum ich zu einem anderen Schluss komme.
Was jetzt kommt ist nicht papsttreu – ich bin sicher, der Papst würde das, was ich zu sagen habe, so nicht sagen, geschweige denn aufschreiben. Und dennoch muss es mal raus, was mir seit Wochen auf der Seele liegt und zu dem ich mir wünschen würde, auch Rückmeldungen von meinen Lesern zu erhalten, wie es ihnen damit geht. Was ich zu schreiben beabsichtige ist ein sehr persönliches Statement, und die Bewertung, die sie beinhaltet, unterliegt sicher auch Änderungen – keine Ahnung, ob ich das morgen noch so sehen werde, wie heute! Ich hoffe, meine Einstellung dazu ändert sich noch.
Worum geht es: Seit Wochen hören wir vom Vorrücken islamistischer Kräfte im Irak, von islamistischen Ausschreitungen in Syrien und aus einer Vielzahl bislang moderater islamischer oder früher christlicher Staaten. Da werden Christen und andere Andersgläubige, auch Muslime, die nicht „korantreu“ genug waren, gekreuzigt, mit Gewalt zur Konvertierung zum Islam gezwungen, Massaker an Unwilligen verübt. Und das ganze mit einer Brutalität, die man in Europa nur dem Mittelalter oder der Antike zuordnen würde, wäre man sich nicht im Klaren, dass diese Zuordnung in höchstem Maße ahistorisch wäre.
Und mal abgesehen davon, dass mir die Distanzierungen islamischer Verbände in Deutschland zu wenig deutlich sind (sicher auch eine Geschmacksfrage) scheint das Thema die immer wieder gern erwähnte Weltgemeinschaft gar nicht zu interessieren. Man muss sich das mal vorstellen: Da werden ganze Landstriche und Städte per Mord und Totschlag „entchristianisiert“ und abgesehen von ein paar Betroffenheitsphrasen scheint deutsche Politiker mehr zu interessieren, ob der „Gauchotanz“ deutscher Fußballweltmeister rassistisch gewesen ist oder nur ein Jux.
Und was mich selbst angeht: Abgesehen vom mittlerweile bekannten arabischen „N“ auf meiner Facebookseite („N“ wie Nazarener, wie die Islamisten die Christen bezeichnen, und womit sie die Häuser von Christen gekennzeichnet haben, um sie zur Flucht, Konversion oder Zahlung von Geld aufzufordern, alternativ die Wahl, durch bestialischen Mord umgebracht zu werden) bleibt nicht viel, als mich darüber aufzuregen und für die betroffenen Menschen zu beten.
Was mir aber zurzeit einfach nicht gelingen will, ist etwas, was ich mir sonst immer wieder vornehme: Für die Täter zu beten! Ich kenne die Worte, dich ich dazu benutzen müsste, ich kann sie auch formen, könnte sie hier aufschreiben, kann sie im Gebet im Kopf formulieren – und doch merke ich, dass ich nicht mit dem Herzen dabei bin.
Die Islamisten der IS bzw. ISIS sind für mich die Pestilenz der Menschheit, von den Nazis zu unterscheiden in ihren archaischen Methoden und natürlich der zeitlichen Nähe, ansonsten eine Sauce hinsichtlich ihrer Menschenverachtung, die sie aus der Menschheitsfamilie eigentlich ausschließt. Fände man eine Möglichkeit, die Kämpfer dieser Truppe, ohne unbeteiligte Zivilisten in Mitleidenschaft zu ziehen, zu liquidieren: Ich würde den Knopf drücken und mich fragen, ob ein schneller Tod nicht eine viel zu große Gnade darstellen würde.
Im Film „Karol, ein Mann der Papst wurde“ wird der jugendliche Priesterfreund Karol Woytilas nach dem Besuch eines Nazis mit den verzweifelten Worten zitiert, er wünsche diesen Menschen den Tod – „Und ich bin Priester!“ Diese verzweifelte Wut, die man an niemanden außer an Gott direkt richten kann, steigt in mir auf, wenn ich Berichte aus Mossul oder anderen (mittlerweile) islamistischen Regionen sehe, und die Unfähigkeit der Welt, an dem Zustand etwas zu ändern, vielleicht auch, an dem Zustand etwas ändern zu wollen.
Für die Opfer zu beten ist leicht, man empfindet Mitleid mit ihnen, möglicherweise noch mehr, wenn man ihnen geistlich als Christ nahesteht – aber das Gebet für das Opfer eines Verbrechens ist immer leicht. Wie schwer dagegen ist ein Gebet für die Täter, dafür, dass sie umkehren, dafür, dass sich Gott ihrer erbarmen möge, wenn sie eines Tages vor ihn treten … wie gesagt, ich kenne die Worte, doch in meinem Herzen macht sich ein anderer, ganz und gar unchristlicher Satz breit: „Bringt diese Schweine in Menschengestalt um!“
Zum Glück macht Gott mich nicht zum Richter über andere Menschen, mein Urteil wäre kein Gutes – und ich kann nur an dieser Stelle auch für mich beten, dass es mir gelingen möge, in den ISIS-Terroristen auch die Geschöpfe Gottes zu erkennen, die zur Liebe und zum Guten geboren wurden. Sie alle haben Mütter, Väter, Freunde, die sie lieben und ich kann versuchen, für diese Menschen zu beten, dass sie ihre Kinder und Freunde zur Vernunft und Umkehr bringen – aber für die Täter? Es will mir nicht gelingen, für sie zu beten, mein Herz weigert sich, Barmherzigkeit für sie zu erbitten.
Das ist – ich habe es oben schon geschrieben – keine christliche Einstellung. Bei Verbrechen wie diesen bin ich über den Rand dessen hinausgeführt, was ich mal meine „christliche Leistungsfähigkeit“ nennen möchte. Und darum bitte ich alle, die dazu in der Lage sind: Betet auch für die Täter – und betet für die, die nicht für sie beten können, betet für mich!
Zuerst erschienen auf papsttreuer.blog.de
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