Gewaltexzesse in Leipzig_ Warum es unterschiedliche Klassen von Opfern und Tätern gibt

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Gewaltexzesse in Leipzig_ Warum es unterschiedliche Klassen von Opfern und Tätern gibt
Datum: 15.12.2015, 16:24

Wer ein Flüchtlingsheim anzündet, nimmt damit die Gefährdung von Leib und Leben, nicht nur der Anwohner, sondern auch von Menschen in der Umgebung oder von Rettungskräften, in Kauf. Es mag schon sein, dass derjenige, der so etwas aus politischen Gründen tut, niemanden wirklich umbringen will. Wer aber auch nur ein Fünkchen Verstand im Kopf hat, der weiß, dass er andere Menschen in Gefahr bringt. – Wer Steine und Böller auf andere Menschen wirft, nimmt damit die Gefährdung von Leib und Leben, dieser Menschen in Kauf. Es mag schon sein, dass derjenige, der so etwas aus politischen Gründen tut, niemanden wirklich umbringen will. Wer aber auch nur ein Fünkchen Verstand im Kopf hat, der weiß, dass er andere Menschen in Gefahr bringt, selbst dann, wenn diese Menschen durch Helme und Schutzkleidung geschützt sind.

Sicher, die einen wenden ihre Gewalt gegen Schwache, die anderen gegen bewaffnete Staatsdiener, wer will, mag da graduelle Unterschiede erkennen in der Ausprägung der Vertierung der jeweiligen Täter. Wenig Zweifel muss man aber wohl haben, dass diese Menschen sich bewusst außerhalb des Rechtsstaates, bewusst außerhalb der Anerkennung der Würde eines anderen Menschen setzen, und das nur aus dem Grund, dass derjenige eine andere Meinung hat oder auch nur eine vom Täter angenommene Gefahr darstellt. Freiheit jedenfalls können beide Tätergruppen nicht auf ihren Lippen führen, jedenfalls dann nicht, wenn man nicht einer pervertierten Auffassung von Freiheit anhängt, bei der man der Meinung ist, man dürfe auch auf Kosten anderer alles tun, was den eigenen Zielen zum Durchbruch hilft.

Bei der moralischen Bewertung kann man also zwischen den linksextremen Krawallen vom Wochenende in Leipzig und tätlichen Angriffen auf Flüchtlingsheime kaum wesentliche Unterschiede machen. Es ist schlicht der Würde der angegriffenen Menschen nicht würdig, sich so zu verhalten. Dass derartiges Verhalten auch der eigenen Würde als Mensch nicht entspricht, kommt noch erschwerend hinzu, mag aber eine eher christliche Sicht sein, die den Schaden nicht nur beim Opfer sondern auch beim Sünder sieht.

Gefährlich ist allerdings an der einen Gruppe, dass sie in der Politik weitgehend Rückhalt hat: Die erste Frage, die Linken-Politiker nach den Krawallen von Leipzig gestellt haben, war, ob die Polizei angemessen reagiert habe. Die Familienministerin verstärkt die Mittel für den „Kampf gegen Rechts“ und bezeichnet linksextreme Gewalt als „aufgebauschtes Problem“. Die Medien titelten am Wochenende – bei ansonsten allerdings meist richtigen Darstellung – zunächst von Krawallen und Ausschreitungen bei einem Aufmarsch der Rechten; eine Verunklarung der Sachlage, die die meisten glücklicherweise nicht lange aufrechterhalten haben.

Wenn Gewalttäter mal mitbekommen, dass sie keine besonderen Repressionen zu befürchten haben, dann sind sie natürlich doppelt motiviert, weiter zu machen. Die Frage ist letztlich immer die des Unrechtsbewusstseins aber auch der Risiken, erwischt und bestraft zu werden. Und zumindest bei letzterem haben linke Gewalttäter gute Chancen, mit Milde rechnen zu dürfen: Schließlich kämpfen sie ja für „die gute Sache“, nämlich gegen Rechts. Kein Wunder also auch, dass die Gewalt vom Wochenende in den Medien heute schon kaum noch stattfindet – dem CDU-Parteitag sei Dank! Dieses Konglomerat macht keine Richtung der Gewalt besser als die andere, aber die Gefahr scheint doch eher von der Seite auszugehen, die politisch oder medial klein geredet wird.

Und es macht deutlich, dass, wenn wir von einer Kultur in Deutschland sprechen, offenbar nicht mal bei den Minimalstandards sicher sein können. Gewalt wird – jedenfalls von links – relativiert, was weitere Gewalt – von beiden Seiten – provoziert. Eine tatsächliche und unmissverständliche Ächtung von Gewalt gegen Menschen, eine Ächtung der Einschränkung ihrer Freiheit und Unversehrtheit, findet nicht durchgehend statt sondern orientiert sich am politischen oder gesellschaftlichen Hintergrund der Gewalt. Zwei unterschiedliche Bewertungen eines ähnlichen Sachverhalts, die – nebenbei – auch zu zwei unterschiedlichen Arten von Opfern führen: Opfer erster und zweiter Klasse. Die 69 teils schwer verletzten Polizisten werden jedenfalls aus dem Gedächtnis schnell wieder entschwunden sein, obwohl ihnen ein linksfaschistischer Mob nach dem Leben trachtete während sie nicht mehr und nicht weniger getan haben, als die Freiheit Andersdenkender zu schützen, deren Position sie aufgrund ihrer Rolle nicht zu hinterfragen haben.

Mir scheint, sollten die notwendige Debatte über eine deutsche Leitkultur weiter vertieft werden, müsste man sich tatsächlich auch Gedanken über die Akzeptanz von Gewalttaten machen: Wer hätte das für Deutschland im 21. Jahrhundert erwartet?

Zuerst erschienen auf papsttreuerblog.de

Sven von Storch

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