Flüchtlinge_ Was hab ich damit zu tun_

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Flüchtlinge_ Was hab ich damit zu tun_
Datum: 17.04.2015, 08:32

Im Mittelmeer sind gerade wieder mehrere Hundert Flüchtlinge ertrunken. Wieder ist so ein Flüchtliingsschiff aus Libyen vor deren Küste gekentert, mehr als 400 Menschen werden vermisst, was bei der Situation – vertraut man nicht auf ein Wunder – nur bedeuten kann: Sie haben es nicht überlebt! Zwischenzeitlich werden die Opferzahlen unter der Flüchtlingen in Tausenden gezählt, allen Apellen von Regierungen, örtlichen Behörden, selbst dem Papst zum Trotz: Es ist offenbar kein Ende dieser Tragödie in Sicht.

Und es werden Forderungen laut, man dürfe die Rettung und/oder Abschiebung der Flüchtlinge nicht alleine Italien überlassen. Man müsse sowieso mehr tun, als die Grenzen zur EU einfach nur abzusichern. Es vermengen sich in den Diskussionen darum Argumente wie die, die Flüchtlingswelle sei eine indirekte Folge westlicher Interventionspolitik, aber auch, dass es sich bei den Flüchtlingen in der Mehrzahl gar nicht um Verfolgte sondern um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Wobei sich die Begriffe wohl kaum – jedenfalls nicht aus einer moralischen Sicht – so eindeutig abgrenzen lassen. Und wobei man durchaus verstehen kann, dass es sich bei “Wirtschaftsflüchtlingen” aus dieser Ecke der Welt nicht um Menschen handelt, die sich um einen besseren Job bemühen, sondern die tatsächlich in ihrer Heimat vor dem Nichts stehen. Niemand – Ausnahmen mögen die Regel bestätigen – verlässt Heimat, Familie und Freunde wegen ein paar Euro mehr. Aber wenn die Not groß genug ist … Wer wollte es dann diesen Menschen verdenken, das Heil im Norden, in der EU zu suchen?

Wenn man parallel aber zugesteht, dass die staatliche Flüchtlingspolitik eben nicht darauf angelegt ist, in der heimischen Bevölkerung Vertrauen zu schaffen, wenn sich unter die Flüchtlinge immer wieder auch mal ganz gewöhnliche Kriminelle, womöglich islamistische Extremisten mischen, wenn Flüchtlinge – ob kulturell bedingt oder durch die Bedingungen zumindest beeinflusst, straffällig werden, fragt sich der Mitteleuropäer: Wie viele müssen wir denn aufnehmen? Wann ist es genug, wann ist das “Boot voll”?

Zumal sich irgendwann auch die Frage stellt, wie sie jetzt zwischen Kommunen, Ländern und Bund diskutiert wird: Wer zahlt die Rechnung? Als normaler Bürger können wir uns da beruhigt zurücklehnen, es sind sowieso unsere Steuergelder, die dafür aufgewendet werden, bei denen eigentlich nur eins sicher ist: Sinnvoll eingesetzt und verteilt werden sie nicht! Dabei ist die Bereitschaft zur Aufnahme von “echten” Flüchtlingen offenbar ungebrochen. Wer verfolgt wird und bei uns Schutz sucht, sollte den auch finden. Mit dieser Bereitschaft sind aber die Probleme nicht gelöst: Flüchtlinge müssen untergebracht werden … aber doch bitte nicht in meiner Nachbarschaft! Flüchtlinge müssen versorgt werden … aber da sollte doch bitte nicht übertrieben werden! Flüchtlinge, die länger hier bleiben, müssen integriert werden … aber doch bitte nicht mit meinem Arbeitsplatz, von meinen Steuergeldern! Das Flüchtlingsthema ist wieder mal eines, das keine einfachen Antworten zulässt, und Demagogen – von rechts wie von links – erkennt man daran, dass sie sie versprechen.

“Alle reinlassen, Flüchtlinge und Migranten sind alles Kulturbereicherer” ist ebenso fehlegeleitet wie “Grenzen dicht machen, sollen die sich doch selbst helfen!” Aber bevor man mit dem Finger auf Politiker zeigt, sollte sich jeder die persönliche Frage stellen: Was habe ich damit zu tun? Wieso sollte ich persönlich verantwortlich sein. Linke Demagogen sind dann schnell zur Hand mit dem Hinweis auf internationale Handelsbeziehungen, von denen wir als Konsumenten profitieren, unter denen Menschen in Dritte-Welt-Ländern aber leiden. Aber haben wir wirklich die Möglichkeit, uns dem zu entziehen, selbst wenn wir wollten? Und ginge es den Menschen in Syrien wirklich besser, wenn wir uns nur noch mit fair gehandeltem Kaffee versorgten?

Aber wissen Sie was: Das sind alles nur Ausreden! Erinnern Sie sich an meinen Beitrag von gestern zum Jubiläum der Barmherzigkeit? An die leiblichen Werke der Barmherzigkeit, die der Papst in seiner Ankündigung des Heiligen Jahres aufgeführt hat?

Die Verkündigung Jesu nennt uns diese Werke der Barmherzigkeit, damit wir prüfen können, ob wir als seine Jünger leben oder eben nicht. Entdecken wir erneut die leiblichen Werke der Barmherzigkeit: Hungrige speisen, Durstigen zu trinken geben, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und die Toten begraben.

Da steht keine Bedingung! Wir sind als Christen nicht aufgefordert, Hungrige zu speisen, nur wenn wir für deren Hunger verantwortlich sind, Fremde aufzunehmen, nur wenn wir an deren Obdachlosigkeit einen Beitrag haben, Tote zu begraben, nur wenn wir sie kennen! Ich weiß, das klingt wie Sozialromantik, aber was ist unser christlicher Glaube wert, wenn wir anfangen, Bedingungen für unsere Barmherzigkeit aufzustellen? Wer mich kennt weiß, dass ich nichts von staatlichen Umverteilungen halte – der Staat ist der denkbar schlechteste Monopolist zur Hilfeleistung an Bedürftige. Das heißt aber nicht, dass wir  unsere Hände in den Schoß legen dürfen, nur weil der Staat uns schröpft und nicht in der Lage zu sein scheint, diese “Werke der Barmherzigkeit” zu leisten. Da sind Menschen auf der Flucht, sie hungern, dürsten, sind nackt, fremd, vielfach krank, werden eingesperrt … und Tausende sind schon gestorben ohne Chance, begraben zu werden!

Bei dem Flugzeugabsturz der German-Wings-Maschiene in Frankreich ging eine Welle des Mitgefühls durch dieses Land … und wie ich finde, auch bei manchen Ausreißern insbesondere in der Berichterstattung, zurecht. Aber dieses Mitgefühl war “gratis”, die Flüchtlingswelle aus Afrika wird uns kosten … und daran wird sich unsere Moral und unser Glauben beweisen müssen.

Dazu – nur als Anregung:

Misereor Spendenprojekte in Syrien

Zuerst erschienen auf papsttreuerblog.de

Sven von Storch

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