Ein Bischof spricht Klartext
Ein Bischof spricht Klartext
Datum: 10.12.2013, 15:36
Bischof kanzelt Homosexuelle ab, Huonders homophober Hirtenbrief, Mit heiligem Eifer gegen Homosexuelle, Bischof von Chur hetzt gegen Lesben und Schwule … wenn, in diesem Fall eher schweizerische, Medien so wettern, dann hat offenbar ein Bischof mal wieder den Nerv der Medienschaffenden und betroffenen Lobbyisten getroffen.
Was ist passiert: der Churer Bischof Vitus Huonder hat zum heutigen (10. Dezember) Tag der Menschenrechte ein Schreiben veröffentlicht, dass sich in deutlichen Worten gegen den „Genderismus“ wendet. Fälschlicherweise war das Schreiben als „Hirtenbrief“ gekennzeichnet und am Sonntag in den Bistumskirchen verlesen worden. Letztlich ist es aber auch egal, ob es sich um einen zu verlesenden Hirtenbrief oder ein „Wort des Bischofs“ (so die offizielle Bezeichnung) zum Tag der Menschenrechte handelt – es ist immerhin eine offizielle Äußerung eines Bischofs, da wird man keine großen Anstrengungen zur Differenzierung erwarten können.
Aus katholischer Sicht kann man aber auch erst mal Entwarnung geben: da ist kein kreuz.net-Zügler unterwegs, der gegen Schwule hetzt, in dem Schreiben findet sich kein Wort, dass nicht durch die katholische Lehre gedeckt wäre. Im Gegenteil leitet der Bischof seine Bewertung in einfachen aber nicht vereinfachenden Worten aus der Schöpfungsordnung ab, aus der sich die Menschenwürde ergebe, aus der wiederum sich die Menschenrechte ableiteten. Das ist schon mal ein Zusammenhang, der – richtig wie er ist – den einen oder anderen Kritiker direkt nervös machen kann: Wer die Kette rückwärts zu ihrer Basis Menschenrechte – Menschenwürde – Schöpfungsordnung liest der muss, will er einen Teil dieser Kette nicht anerkennen, deutlich machen, aus welchem Zusammenhang sich denn sonst (unveräußerliche und unveränderliche) Menschenrechte ergeben könnten. Aber ich nehme an, diesen Abschnitt haben die Kritiker ohnehin überlesen, enthält er doch kein Stichwort, dass sich zum Angriff eignet. Der Bischof erläutert anschließend, was mit dem Stichwort „Gender“ oder der Ideologie des „Genderismus“, der in der Tat gerade in den letzten Tagen Wissenschaftler widersprochen haben, gemeint ist. Das ist so klar beschrieben, dass ich den Text hier gerne übernehme:
Während der Begriff der Sexualität das biologische, von der Natur gegebene Geschlecht meint, soll der Begriff Gender das sogenannte soziale Geschlecht bezeichnen. Dieses sei vom biologischen Geschlecht unabhängig und bedeute, dass jeder Mensch sein Geschlecht und seine sexuelle Orientierung frei wählen könne, ob er Mann oder Frau sein wolle, ob er hetero-, homo-, bi- oder transsexuell leben wolle.
Das setzt die Axt an der Grundlage der Menschenrechte, der Schöpfungsordnung an. Wie der Bischof später ausführt, ist der Mensch durch Gott als Mann und Frau geschaffen, also erstens trennscharf und zweitens auch nicht diskutierbar. Abgesehen davon, dass die Sicht des Genderismus trotz wissenschaftlichen Anstrichs keiner wissenschaftlichen Untersuchung standhält, widerspricht sie daher auch – wie sollte es auch anders sein, fielen doch sonst wissenschaftliche Erkenntnis und Glauben auseinander – der Schöpfungsordnung und der kirchlichen Lehre. Genderismus wird damit zu einer Meinung, die durchaus ausgesprochen werden darf, für sich aber nicht den Anspruch auf Wahrheit erheben kann.
Das Konstrukt des Genderkonzeptes ist aber notwendig um die Ziele des Genderismus zu untermauern, die der Bischof wie folgt beschreibt:
Das Ziel des Genderismus ist, dass jede "sexuelle Identität" als gleichwertig akzeptiert wird. In diesem Sinn geschieht die konkrete gesellschaftliche Durchsetzung dieser Ideologie unter anderem durch das vermeintliche Recht gleichgeschlechtlicher Paare, zu heiraten und Kinder zu adoptieren, oder durch die (Homo-)Sexualisierung der Kinder in Kindergarten und Schule.
Da spätestens ist jetzt das Stichwort gefallen! Während es bei der Beschreibung des Genderismus noch neutral zuging, bezieht der Bischof ab hier in deutlichen Worten Position, wenn er von einem „vermeintlichen Recht gleichgeschlechtlicher Paare“ und von „(Homo-)Sexualisierung“ spricht. Nun könnte es den Genderaktivisten ja egal sein, ob ein Bischof die Genderideologie akzeptiert oder nicht und ob er – aus seiner Wertung abgeleitet – bestimmte angemahnte „Rechte“ von Vertretern unterschiedlicher sexueller Orientierungen, anerkennt oder nicht (dass die katholische Kirche die Vereinnahmung des Ehebegriffs und die Gleichstellung aller sexueller Orientierungen mit der – man muss das in diesem Kontext explizit sagen – heterosexuellen Ehe, auf der Grundlage der Schöpfungsordnung nicht akzeptieren kann, ist zwischenzeitlich ja schon klar geworden), aber der Bischof nimmt sein Hirtenamt ernst und weist auf Konsequenzen hin, die sich aus der Verbreitung der Genderideologie ergeben. Neben der Leugnung von Schöpfungsordnung und Natur und der wissenschaftlichen Unhaltbarkeit, beschreibt Bischof Vitus konkrete Risiken, die verdeutlichen, warum es sich bei den Themen nicht um Privatangelegenheiten handeln kann. Dazu gehört insbesondere, dass der Genderismus Ehe und Familie zerstört. Der Bischof schreibt:
Die Ehe beruht auf der gegenseitigen Ergänzung von Mann und Frau. Ehe und Familie sind die Grundeinheit der Gesellschaft (vgl. die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948). Sie sind die Bedingung für den Erhalt der Gesellschaft und ihre kulturelle Entfaltung. Sie setzen die verbindliche und dauerhafte Einheit von Mann und Frau voraus. Der Genderismus betrachtet jede sexuelle Praxis (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell) als gleichwertig mit der Heterosexualität. Alle Lebensformen sollen zur "Ehe" und damit zu künstlichen Reproduktionsmethoden und zur Kinderadoption berechtigen. Dem Menschen wird auf diese Weise die moralische Orientierung für den rechten Gebrauch seiner Freiheit genommen, der ihn zur Elternschaft befähigt, zur Aufgabe einer Mutter oder eines Vaters.
Es ist also nicht wahr, dass der Genderismus doch „nur“ Rechte für Minderheiten einfordere und Ehe und Familie nicht schade. Das wäre und war so, als diese Minderheiten zu Recht gegen konkrete Diskriminierungen angingen. Auch der katholische Katechismus macht deutlich, dass Menschen mit einer homosexuellen Orientierung nicht diskriminiert werden dürfen. Von der Ablehnung der Diskriminierung zur Gleichstellung mit der Ehe führt aber eben kein vernünftiger Weg, nur der der Ideologie.
Im Folgenden macht Bischof Vitus deutlich, wie der Genderismus der Frau (durch Geringachtung der besonderen geschlechtsspezifischen Leistungen von Frauen), dem Mann (durch die Stigmatisierung als „Täter“ im Verhältnis zur Opferrolle der Frau), und dem Kind schadet. Gerade in letzterem Punkt reizt der Bischof die Protagonisten des Genderismus wohl auf’s Messer:
Das Kind muss sich in der stabilen Ehe seiner (biologischen) Eltern entfalten können. Die Zerstörung von Ehe und Familie durch den Genderismus führt bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger zu psychischen Störungen. Man schafft staatliche Ersatzstrukturen, die Kindern und Jugendlichen aber niemals die gleiche Liebe und Geborgenheit geben können, wie dies in der Familie der Fall ist. Die Auslieferung von Kindern an gleichgeschlechtliche Paare beraubt sie der Grundlage einer gesunden psychischen Entwicklung. Eine unmoralische sexuelle Aufklärung zerstört in den Heranwachsenden jedes Feingefühl.
Heute steht im EU-Parlament der sogenannte Estrela-Bericht zur Abstimmung an, der die sexuelle Aufklärung der Kinder vollständig aus der Verantwortung der Eltern lösen will im Rahmen eines – man mag es sich nicht, muss sich das aber vorstellen – „interaktiven“ Sexual-Unterrichts ohne Zustimmungspflicht der Eltern. Für Katholiken steht fest: sollte dieser pädophile Traum einer portugiesischen Sozialdemokratin Wirklichkeit werden, bleibt nur noch der Weg in den Widerstand gegen solche kinderfeindliche Regelungen. Die Zerstörung der Familien jedenfalls, die Auflösung von Familienbanden und deren systemimmanent ungenügenden „Ersatz“ durch staatliche Institutionen, die Weigerung, Adoptionskindern ein Recht auf eine normale Familie zuzugestehen, abgeleitet aus einem vermeintlichen Adoptionsrecht von Menschen außerhalb einer wirklichen Ehe, und die Enthemmung von Kindern im Rahmen einer von den Eltern losgelösten sexuellen Frühaufklärung, das schadet der Entwicklung unserer Kinder zutiefst und man kann nur bösen Willen oder völlige Ahnungslosigkeit bei den entsprechenden Unterstützern einer solchen Ideologie unterstellen.
So erwischt bleibt den Genderaktivisten nur der Weg der Stigmatisierung der Gegner, womit wir bei der nächsten Bewertung des Genderismus durch den Bischof wären, der Einschätzung, dass der Genderismus totalitäre Züge annimmt:
Mit großer Sorge sieht die Kirche, dass in öffentlichen Diskussionen und in den Medien mehr und mehr nur noch die Argumente des Genderismus toleriert werden. Wer anders denkt, wird gesellschaftlich ausgegrenzt und muss mit juristischen Sanktionen rechnen. Auf diese Weise werden die Grundrechte des Menschen bezüglich Religion und freier Meinungsäußerung zunehmend beschnitten.
Taktisch klug vom Bischof, diese Prognose direkt ins Dokument aufzunehmen, um mit der oben beschriebenen Medienreaktion den Beweis anzutreten.
Man kann sich natürlich fragen, ob denn dieses „Wort des Bischofs“ gerade zum Tag der Menschenrechte die richtige Ansage ist? Ist es nicht eher eine Provokation an einem solchen Tag der Einforderung von Rechten zu widersprechen? Gibt es nicht auf der Welt wesentlich schwerwiegendere Menschenrechtsverletzungen als die oben beschriebenen?
Ich kann nicht in den Kopf des Churer Bischofs hineinschauen, aber vielleicht ist genau das der Aspekt, wo er einen Kontrapunkt setzen möchte: Man kann gegen Menschenrechtsverletzungen in den Diktaturen dieser Welt protestieren, man kann sich für Menschenrechte der Entrechteten und Armen einsetzen, wie es der Papst in eindringlichen Worten immer wieder tut. Der ist aber auch der Hirte der Weltkirche, der Churer Bischof ist der Hirte seiner Diözese, und wenn ihn der Eindruck beschleicht, dass in einem zivilisierten Land wie der Schweiz die Schöpfungsordnung negiert, die Menschenwürde damit relativiert und in der Folge Menschenrechte gefährdet werden, dann ist es sogar seine Pflicht – gelegen oder ungelegen – zu einem solchen Termin die Stimme zu erheben. Ob die kritischen Medienreaktionen kalkuliert waren oder nicht, ist dabei nur zweitrangig.
Beitrag erschien auch auf: papsttreuer.blog.de
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