Der Papst und die, die Recht behalten wollen
Der Papst und die, die Recht behalten wollen
Datum: 13.05.2016, 12:04
Jetzt ist es passiert, alle Dämme brechen! Der Papst will Frauen zu Priestern weihen! Naja, nicht ganz, er will nur Frauen zu Diakonissen weihen! Naja, auch das nicht ganz, er will prüfen lassen, ob man Frauen nicht zu Diakonissen weihen kann! Auch nicht ganz, er will – auf den Hinweis in einem Gespräch, dass es im Neuen Testament Berichte über Diakonissen gibt, und nachdem er festgestellt hat, dass seines Wissens nach die Rolle dieser Diakonissen mit der der heutigen Diakone nur bedingt vergleichbar ist – prüfen, ob er die Kongregation für die Glaubenslehre beauftragen will, zu untersuchen, welche Rollen diese Diakonissen hatten. Das ist zwar von der letzten zur ersten und auch zur zweiten Aussage ein ziemlich weiter Weg, für den man seine Hirnwindungen recht drastisch verdrehen muss – aber sch… drauf, wenn’s der Sache dient!
Denn eines ist – unter nicht wenige konservativen Christen, die schon immer befürchteten, mit Papst Franziskus sei der Antichrist in den Petersdom eingezogen – klar: Der Papst ist nicht katholisch, wendet die katholische Kirche auf links und lässt sie am Ende verlottern wie es die evangelische Kirchen in vielen Glaubensfragen bereits ist. Und wenn dann die Medien berichten, der Papst wolle Frauen zu Diakonen weihen, dann muss da ja was dran sein (dass man diesen Medien ansonsten nicht weiter traut, als man selbst gucken kann, stört in dieser Hinsicht mal nicht). Und wenn man dann deutlich zu machen versucht, dass der Papst dergleichen nicht mal ansatzweise gesagt hat, kommt die Entgegnung, er habe sich aber nicht klar ausgedrückt und man müsse annehmen, er mache solche unklaren Ansagen entweder mit Absicht oder – was ist schlimmer? – aus Unfähigkeit.
Ähnliches konnte man vor ein paar Tagen erleben, als die Medien berichteten, der Papst wolle die Wiedereingliederung (jaja, der Begriff ist auch unscharf!) der Piusbruderschaft in die katholische Kirche bemühen. Dass die linksdrehende Journalistenschaft entgeistert aufheulte – weil man sich als Papst zwar mit sozialistischen Menschenschlächtern wie Fidel Castro austauschen darf, aber nicht mit konservativen Glaubensmenschen – ist durchaus verständlich. Die Logik der aktuellen konservativen Papstkritiker, von denen man vielleicht Zustimmung hätte erwarten können, war eine andere: Der Papst ist – das haben wir ja bei Ehe- und Familienfragen bereits gesehen – so liberal, dass er gar nicht anders kann, als sich mit diesen Abtrünnigen auseinanderzusetzen und ihnen die Hand entgegenzustrecken: Was für ein kirchenliberaler Schuft!
Die Vorstellung, dass der Papst sich um das Seelenheil auch derjenigen sorgt, die der katholischen Kirche – auf die eine oder andere Weise – fernstehen, dass er niemanden mit Dogmen befeuern will, der theolgische Grundsatzthemen in Frage stellt, sondern sich der Diskussion öffnet, dass er sich also mehr als Seelsorger denn als Kirchenlehrer versteht – als spiegelbildlicher Schwerpunkt im Vergleich zu seinem Vorgänger: Das wird gar nicht mal in Frage gestellt sondern offen kritisiert. Offenbar haben die (leider) wenigen Jahre des Pontifikats Benedikts XVI. dazu geführt, dass man sich in solchen Kreisen gar nicht mehr vorstellen kann, dass ein Papst auch etwas anderes sein kann als ein Poet der Theologie, ein Glaubenslehrer wie es – wiederum nur im Schwerpunkt, um ihm nich zu kurz zu tun – Benedikt war.
Natürlich, ein solcher Papst, lässt Interpretationsspielraum. Alle diejenigen, die von einem Papst eine Aussage darüber erwarten, „wo vorne ist“, müssen zwangsläufig von ihm enttäuscht sein. Langsam beschleicht mich aber das Gefühl, dass Papst Benedikt selbst von denen enttäuscht ist, die ihn verehren, aber offenbar immer noch eine äußere Vergewisserung im Glauben brauchen, wie sie beispielsweise das Jahr des Glaubens hatte liefern sollen. Man kann Franziskus also durchaus dafür kritisieren, dass er den Medien nicht selten Stoff für ihre Träume einer durchsäkularisierten Kirche gibt. Was aber langsam wirklich nervt, ist das Festhalten an der einmal gefassten Meinung, der Papst sei der Falsche auf dem Platz, der Heilige Geist habe bei der Auswahl einen Fehler begangen. Und mit dem, was Papst Benedikt bereits als „sprungbereite Feindseligkeit“ ihm gegenüber (freilich aus einer anderen Ecke) bezeichnete, stürzt man sich bei jeder Aussagen des Papstes, die man misinterpretieren könnte auf ihn: Entweder verstößt er mit dem, was er sagt, gegen die katholische Lehre oder er sorgt durch unklare Aussagen für Verwirrung … selbst dann, wenn die Aussagen, wie die eingangs erwähnten, gar nicht so unklar sind.
Mir will scheinen, der eine oder andere kommt aus der selbst gewählten Ecke – der Papst ist der Falsche an seinem Platz – nicht mehr heraus und sammelt nun Argumente für diese These, so untauglich sie mitunter auch sein mögen. Recht zu behalten wird zum obersten Ziel – das Eingeständnis, dass der Papst vielleicht kein brillant argumentierender Theologe aber ein guter Seelsorger und damit auch ein guter Papst sein könnte, wird verworfen mit dem Ziel, sich selbst auf keinen Fall korrigieren zu müssen. Das ist nicht nur – ich sagte es bereits – nervend, es ist auch wenig katholisch, so verstanden, auch divergierende Ansichten (nicht widersprechende!) zu integrieren.
Und können Sie, liebe Leser, sicher sein, dass das für mich nicht auch gelten könnte? Vielleicht habe ich mich so auf meine Rolle des Papstverteidigers versteift, dass ich nur noch nach Argumenten suche, die seine Positionen stützen? Können Sie sicher sein, dass ich nicht auch – im Unterbewusstein – einfach nur Recht behalten möchte? Nein, können Sie nicht. Ich verspreche Ihnen, mich zu bemühen, aber garantieren kann ich es nicht. Aber lesen Sie einfach beide Seiten, versuchen Sie möglichst nah an Originalquellen zu kommen, und machen sich dann ein Bild. Ich bin jedenfalls weiterhin überzeugt – in aller Demut und im Bewusstsein, auch nicht alles zu sehen: Der Papst ist der richtige Mann zur richtigen Zeit auf dem Stuhl Petri!
Beitrag zuerst erschienen auf papsttreuerblog.de
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