Von schwangeren Männern und Medien-Mythen
Von schwangeren Männern und Medien-Mythen
Datum: 27.03.2009, 17:01
Die Biologie kennt Männer, Frauen und als "Hermaphroditen" oder "Intersexuelle" bezeichnete Menschen, die sich infolge chromosomaler oder hormoneller Störungen keinem Geschlecht eindeutig zuordnen lassen. Die sogenannten "schwangeren Männer" sind aber nicht intersexuell. Sie mögen sich als Männer fühlen und durch Einnahme von Hormonen sowie durch chirurgische Eingriffe auch wie welche aussehen - sie verfügen dennoch weiterhin über funktionierende Gebärmütter und zwei X-Chromosomen und bleiben damit, biologisch gesehen, weiblich.
Daher sind ihre Schwangerschaften eigentlich auch nicht weiter der Rede wert. Interessant sind lediglich zwei Fragen, die sich angesichts dieser Geschichten stellen:
1. Warum wird in diesem Zusammenhang nicht die gesundheitliche Gefährdung des ungeborenen Kindes durch die jahrelang Behandlung der Mutter mit männlichen Hormonen thematisiert, während jede eine Zigarette rauchende Schwangere einen Sturm der Entrüstung auslöst?
2. Warum werden die werdenden Mütter in praktisch allen Medien als "Männer" bezeichnet? Dies geschieht mit Sicherheit wider besseren Wissens, denn in rennomierten Wissenschaftsredaktionen herrscht kein Mangel an Biologen und Medizinern.
Die Antwort auf die erste Frage muss Spekulation bleiben. Die Vermutung, dass viele Journalisten sich schwer tun, das Verhalten von Transsexuellen zu kritisieren, da diese zu den "politisch korrekten" Opfergruppen gehören, liegt allerdings nahe.
Die Antwort auf die zweite Frage dürfte in erster Linie Sensationsgier sein. Es ist kaum zu erwarten, dass die Überschrift "Frau in Spanien schwanger" die Auflage einer Zeitung steigern würde. Dennoch sollte es sich jeder Redakteur zwei Mal überlegen, bevor er eine Nachricht in die Welt setzt, von der er weiß, das sie nicht wahr ist. Denn "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht und wenn er auch die Wahrheit spricht", gilt auch für Journalisten. Und auch wer glaubt, mit diesen Fällen die Theorie der anerzogenen Geschlechterrollen beweisen zu können, sei gewarnt: Diese Schwangerschaften beweisen vielmehr, dass selbst die unglaublich leistungsfähige Medizin unserer Tage aus einer Frau keinen Mann machen kann.
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