Sind die Printmedien die Kavallerie_
Sind die Printmedien die Kavallerie_
Datum: 08.07.2009, 21:19
Ist die Situation der Printmedien wirklich so schlecht, dass der Vergleich mit der Kavallerie des frühen 20. Jahrhunderts berechtigt ist?
Nun, sie sind nicht annähernd schnell genug, um mit ihren Konkurrenten mitzuhalten. Schon als sie nur zu Radio und Fernsehen in Konkurrenz standen, war dieser Nachteil deutlich spürbar. Doch während der Rundfunk noch redaktionelle Abläufe einhalten musste, verbreiten sich übers Internet mittlerweile Nachrichten in Sekundenschnelle um den ganzen Erdball. Mehr als einmal wurde über aktuelle Ereignisse auf Twitter berichtet, bevor sie ihren Weg zu den großen Nachrichtenagenturen fanden. Gedruckte Zeitungen brauchen dafür bis zu 24 Stunden - yesterday`s news! Oder, um zum ursprünglichen Bild zurück zu kommen: Pferde im Wettlauf mit Motorrädern.
Solange das Fernsehen der Hauptkonkurrent war, hielten sich die Zeitungen, weil sie ausführlichere Hintergrundinformationen lieferten, ein breiteres Themenspektrum bedienten und dem Konsumenten eine höhere zeitliche Flexibilität ermöglichten. Gegenüber dem Internet sind sie in allen diesen Punkten unterlegen. Dank des Prinzips der Verlinkung können selbst kurze Artikel hier mit erläuternden Informationen verbunden werden, so viele Themen wie das Internet kann auch die dickste Zeitschrift oder Zeitung nicht behandeln und die zeitliche Flexibilität des Netzes ist bei 100 Prozent angelangt. Die Kavallerie-Einheiten des Ersten Weltkriegs wurden an der Ostfront noch eine gewisse Zeit zu Aufklärungszwecken eingesetzt, das verstärkte Aufkommen von Aufklärungsflugzeugen machte sie auch in dieser Position überflüssig.
"Guter Journalismus hat eine Chance", so Albrecht Prinz von Croys Einschätzung zur Zukunft der unterschiedlichen Medien. Damit hat er mit Sicherheit Recht. Doch eine reine Print-Veröffentlichung wird langfristig nicht mehr ausreichen, um eine große Zahl von Menschen zu erreichen. So wenig, wie es genügen würde, heutzutage noch ein Musikstück ausschließlich auf Schallplatte zu veröffentlichen.
Ganz aussterben werden die Printmedien wohl nicht. Großbritannien, Frankreich und einige weitere Staaten verfügen weiterhin über zahlenmäßig kleine Kavallerie-Kontingente - zu Repräsentationszwecken
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