Globalisierungslob
Globalisierungslob
Datum: 01.10.2009, 09:38
gegen die Globalisierung zu protestieren.
Baumwolle, Kaffee, Rohrzucker, Kartoffeln, Tomaten, Pfeffer, Bananen, Seide, Flugzeuge, Penicillin, Telefon – die Liste der Produkte, Erfindungen und Entdeckungen, die nur durch den internationalen Austausch von Handelsgütern, also des wesentlichsten Aspektes der Globalisierung für uns nutzbar sind, ließe sich praktisch ins Endlose fortsetzen. Kaum etwas hat sich langfristig betrachtet so positiv auf die Entwicklung der Menschheit ausgewirkt wie die rasant fortschreitende Globalisierung. Denn Kulturen können sich in der Tat gegenseitig bereichern – allerdings weniger durch den Import und Export von Sitten und Traditionen als von durch den von Waren und Wissen.
Als die Conquistadoren Südamerika betraten, gelang es ihnen, innerhalb kürzester Zeit einen ganzen Kontinent zu erobern. Dass Ihnen die dortigen Ureinwohner so wenig entgegen zu setzen hatte, hatte auch damit zu tun, dass sich der Warenaustausch durch die geographische Gegebenheiten auf dem amerikanischen Kontinent (lang gezogene Nord-Süd-Gebirge, schmale Landbrücken, wechselnde Klimazonen) sich sehr viel schwieriger gestaltete als im eurasischen Gebiet, in dem schon in römischer Zeit Handelsstraßen existiert hatten. Feuerwaffen und Rüstungen zum Beispiel kannten die Südamerikaner nicht. Dabei waren ihre Kulturen keineswegs friedfertig – sowohl bei den Azteken als auch bei den Maya waren unter anderem Menschenopfer, bei denen das noch schlagende Herz heraus gerissen wurde, üblich.
Nun finden sich unter jenen Globalisierungskritikern, denen es um mehr geht, als öfter mal Steine auf Polizisten zu werfen, natürlich auch solche, die durchaus vorhandene Missstände anprangern: Kinderarbeit, für die dortige Bevölkerung unbezahlbare Lebensmittelpreise in Entwicklungsländern und ökologisch fragwürdige Handlungen wie den Transport von neuseeländischen Lamm- und Hirschfleisch bis nach Deutschland. Ist aber wirklich die Globalisierung schuld an diesen Phänomen? Kinderarbeit etwa war noch im 19. Jahrhundert in so gut wie allen Ländern der Welt eine Selbstverständlichkeit: Familien konnten es sich einfach nicht leisten, auf die Arbeitskraft ihrer Kinder zu verzichten. Erst der technologische Fortschritt hat dafür gesorgt, dass 10-Jährige in den heutigen Industrieländern ihre Zeit in der Schule und auf dem Spielplatz statt auf dem Feld oder im Bergwerk verbringen dürfen. Je mehr Länder an diesem Fortschritt teilhaben können, desto eher ist zu erwarten, dass der Anteil an Kinderarbeit weltweit abnimmt. Das Problem ist zwar noch nicht gelöst, aber als Ursache ausgerechnet die Globalisierung zu vermuten, ist nicht gerade nahe liegend. Auch in China und Thailand wird mit zunehmender Automatisierung vor allem die Arbeit von Ingenieuren, Computerspezialisten etc. wichtiger werden – Arbeit also, die Kinder gar nicht leisten können.
Die erwähnten Nahrungsmittelpreise sind in der Tat ein Problem, sollten aber nicht isoliert von der Subventions- und Handelsbeschränkungspolitik vieler Industriestaaten und der staatlich gelenkten Wirtschaft in Ländern wie Äthiopien gesehen werden. Die Zahl der hungernden Menschen ist in den letzten Jahren langsamer gestiegen als die Bevölkerung. In Europa und Amerika ist Hunger nahezu unbekannt und die Zahl akuter Hungersnöte ist weltweit zurück gegangen. In Zeiten deutlich geringerer Globalisierung konnte eine einzige schlechte Ernte ein Massensterben auslösen.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment