Fragen der Ehre
Fragen der Ehre
Datum: 20.08.2009, 14:46
Besonders in den letzten Jahren ist es in Westeuropa zu zahlreichen Morden an Frauen gekommen, deren Verhalten - zum Beispiel sexuelle Aktivität vor der Hochzeitsnacht – von ihren Familien als Verletzung der Familienehre aufgefasst wurde. Diese Morde finden in Westeuropa fast ausschließlich in den Kreisen muslimischer Einwanderer aus arabischen Ländern und der Türkei statt. Im Zusammenhang mit diesen Morden und auch mit anderen Gewaltverbrechen aus diesem Täterkreis wird regelmäßig darauf hingewiesen, dass der Begriff der Ehre in diesen Kulturen eine zentrale Rolle spiele.
Ehre ist wichtig
Das kann schnell zu dem Missverständnis führen, in der westeuropäischen Kultur spiele Ehre keine so große Rolle. Richtig ist vielmehr, dass der Begriff eine vollständig andere Bedeutung hat. Anschaulich ausgedrückt wird, was Ehre eigentlich bedeutet in dem Satz „Zwei gegen einen ist unfair“, der einigen Lesern aus ihrer Kindergarten- und Schulzeit bekannt sein dürfte. Ehrenvoll ist, sich nicht an Schwächeren zu vergreifen, andere nicht auszunutzen und zu seinen Worten, Taten und Entscheidungen zu stehen und selbst die Konsequenzen für sie zu tragen. Das schließt auch das Eingestehen von eigenen Fehlern mit ein.
Wie wichtig es ist, diese Ehre hochzuhalten, zeigt beispielsweise das Verhalten des Wehrmachtsgenerals Erwin Rommel während des Zweiten Weltkriegs. Hitlers Befehl, aus Deutschland stammende jüdische Flüchtlinge, die auf Seiten der Briten kämpften, nach der Gefangennahme „schonungslos zu erledigen“ wurde von ihm einfach ignoriert. Die jüdischen Gefangenen blieben unversehrt. Echte Ehre rettet Leben, anstatt sie zu zerstören.
Kulturübergreifende Ehrlosigkeit
Natürlich hindert dieser Ehrbegriff niemanden, auch keinen Westeuropäer, daran, sich ausgesprochen unehrenhaft zu verhalten. Feiger Mord, Betrug, grenzenloser Egoismus, all das dürfte in allen Kulturen ähnlich häufig vorkommen. Wir dürfen es aber nicht akzeptieren, wenn jemand, der seine Ehre mit solchen Taten aufgibt, sich ausgerechnet auf diese beruft.
Ehre und Religion
Ein historischer Zusammenhang zwischen dem Islam und Ehrenmorden lässt sich nicht nachweisen. Es gab sie unter anderem bei den Germanen, bei den alten Römern und bei den Ureinwohnern Perus und sie werden bis heute in indischen Hindu-Kulturen praktiziert. Es fällt jedoch auf, dass der Islam, auch wenn er nicht die Ursache dieser ehrlosen Tradition ist, bisher wenig bis nichts zu ihrer Beseitigung beigetragen hat. Was islamisch ist und was nicht müssen Muslime entscheiden. Es wäre aber für die Verständigung der Kulturen und der Religionen mit Sicherheit sehr hilfreich, wenn überall in den Moscheen gepredigt werden würde, dass feige Frauenmorde unislamisch seien und dass die Täter durch sie ihre Ehre nicht schützen, sondern verlieren.
Der Islam hätte hier Gelegenheit zu zeigen, ob auch er eines der wichtigsten Verdienste des Christentums für sich in Anspruch nehmen kann: Die Schaffung eines Ehrbegriffs, der von der Nächsten- und der Feindesliebe geprägt ist. Eines Ehrbegriffs, der auch das Gebot der Vergebung kennt und der die Worte versteht: „Wer von euch selbst ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“.
Ihnen hat der Artikel gefallen?
Bitte unterstützen Sie mit einer Spende unsere unabhängige Berichterstattung.
Für die Inhalte der Blogs und Kolumnen sind die jeweiligen Blogger verantwortlich. Die Beiträge der Blogger und Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.


Add new comment