Existiert der Gender Wage Gap_
Existiert der Gender Wage Gap_
Datum: 08.02.2010, 14:34
Geschlechtsgenossen bei der Müllabfuhr oder bei der Bahnhofssecurity jedoch herzlich wenig. Ein allgemeiner Durchschnittswert ist daher als Indikator für eine eventuelle Lohndiskriminierung ungeeignet.
Das frauendominierte Berufe im Schnitt schlechter bezahlt werden als männerdominierte ist bei der Suche nach einem möglichen Gender Wage Gap ebenfalls nicht von Belang. Wieviel in welchem Beruf verdient wird, ist kein Ergebnis von männlichen oder weiblichen Präferenzen, sondern von Angebot und Nachfrage – ein männlicher Friseur verdient schlecht und ein weiblicher Lufthansakapitän gut. Das sich der Durchschnittsverdienst in einem Beruf verschlechtert, sobald mehr Frauen sich für ihn interessieren, ist ebenfalls nur logisch: Da die Frauen die Männer in diesem Beruf in der Regel nicht verdrängen, sondern sie ergänzen, steigt das Angebot an Arbeitskräften – damit sinken die Löhne. Würden sich immer mehr Männer ergänzend zu dem in diesen Beruf tätigen Frauen als Pflegekräfte bewerben, wäre auch hier mit einer Verschlechterung der Löhne zu rechnen. (Ich bin hier schon einmal näher auf falsche Schlüsse in diesem Zusammenhang eingegangen).
Die oft zitierte, gleiche Qualifikation wird ebenfalls überschätzt. Gegen Angebot und Nachfrage kommt die Qualifikation nicht an. Zwar ist davon auszugehen, dass das Angebot an Arbeitskräften, die über eine schwer zu erlangende Qualifikation wie einen Hochschulabschluss in Medizin oder Elektrotechnik verfügen, immer geringer sein wird als das an Hilfsarbeitern, aber auch die Hochqualifizierten sind auf eine entsprechende Nachfragesituation angewiesen, wie man vor wenigen Jahren bei der so genannten Lehrerschwemme beobachten konnte. In Zeiten, in denen oft sowohl die Praktikantin als auch der Geschäftsführer einen Hochschulabschluss haben, kann man schwerlich erwarten, dass Menschen allein aufgrund ihrer Qualifikation gleich bezahlt werden.
Bleibt die Frage, ob bei gleicher Arbeit gleich bezahlt wird. Dafür müssen die Unternehmen jeweils einzeln betrachtet werden. In einem Unternehmen, das hohe Gewinne erwirtschaftet, kann natürlich auch besser bezahlt werden als in einem, dem die Insolvenz droht, deshalb ist auch ein Durchschnittswert, der sich auf verschiedene Unternehmen bezieht, nicht sinnvoll. Natürlich muss eine ausreichend große, repräsentative Stichprobe genommen werden, damit eine vernünftige Untersuchung möglich ist. Außerdem muss berücksichtigt werden, wie wichtig die Leistung eines Arbeitnehmers für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens ist und ob die Person über Spezialkenntnisse verfügt. Nur wenn dabei heraus kommt, dass im selben Unternehmen, Personen unterschiedlichen Geschlechts, die der gleichen Arbeit nachgehen, für den Erfolg des Unternehmens gleich wichtig sind und über die gleichen Kenntnisse verfügen, unterschiedlich entlohnt werden, kann man von einer geschlechtsspezifischen Lohndiskriminierung, einem Gender Wage Gap sprechen. Und nur wenn die Zahl der Unternehmen, die das so handhaben, groß genug ist, um signifikant zu sein, kann man von einem gesellschaftlichen Problem sprechen.
Leider werden die genannten, notwendigen Kriterien, in dieser Studie nicht berücksichtigt, und in dieser schon gar nicht. Überhaupt ist mir zu dem Thema noch keine Studie untergekommen, die all diese Aspekte berücksichtigt. Deshalb meine Bitte: Wenn dies ein Sozialwissenschaftler liest, der seine Disziplin als echte, unvoreingenommene und neutrale Wissenschaft versteht, nicht als Instrument zur Untermauerung von bereits gefestigten Ansichten: Fertigen Sie eine seriöse Studie an und beantworten Sie uns die Frage: Existiert der Gender Wage Gap?
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