Die Pille, der Vatikan und das Trinkwasser
Die Pille, der Vatikan und das Trinkwasser
Datum: 05.02.2009, 21:00
"Die Anti-Baby-Pille hat nach Ansicht der Vatikanzeitung "Osservatore Romano" desaströse Auswirkungen auf die Umwelt und die männliche Fortpflanzungsfähigkeit" meldete der Tagesspiegel im Januar diesen Jahres und vergaß nicht zu erwähnen, dass das Verbot von Verhütungsmitteln durch die katholische Kirche von Papst Bendikt XVI. letztes Jahr noch einmal bekräftigt worden sei. Auch andere Medien behandelten die Meldung als Propaganda des Vatikans - und hielten ihren Nutzern eine nicht ganz unwichtige Information vor: Die Kirche hat in diesem Fall die Wissenschaft ganz klar auf ihrer Seite.
Dass Östrogene aus der Anti-Baby-Pille den Klärprozess in Kläranlagen überstehen und von dort aus ins Trinkwasser gelangen, ist seit langem bekannt. Forschers der Universität Cambridge in England und des Max Planck Instituts für Ornithologie in Seewiesen, beides Einrichtungen die eher unverdächtig sind im Dienste des Vatikans zu stehen, veröffentlichten erst 2008 eine Studie, in der die Verweiblichung von Staren aus dem Umfeld von Kläranlagen nachgewiesen wurde. Die Vögel fressen hormonbelastete Würmer aus dem Schlamm der Kläranlagen und produzieren anschließend selbst mehr weibliche Hormone. Im Rahmen anderer Studien wurde bereits in den 80er Jahren Verweiblichung im Zusammenhang mit erhöhter Hormonbelastung des Wassers bei Fischen, Alligatoren und Schildkröten festgestellt. Dass es möglich ist, die Kirche dafür anzugreifen, dass sie eine durch naturwissenschaftliche Methoden gewonnene Erkenntnis verbreitet, sollte zum Nachdenken anregen.
Quellen:
genetik-evolution.suite101.de/article.cfm/babypille_und_verweiblichte_stare
www.plosone.org/article/info%3Adoi%2F10.1371%2Fjournal.pone.0001674
www.tagesspiegel.de/weltspiegel/Anti-Baby-Pille-Unfruchtbarkeit-Vatikan;art1117,2697292
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