Die Nazis, das sind die anderen

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Die Nazis, das sind die anderen
Datum: 07.05.2009, 15:47

Tatsächlich ist zu beobachten, dass, unabhängig davon ob sich ein Internetforum in erster Linie mit Kraftsport (faschistische Ästhetik), modischen Frisuren (NS-Scheitel), dem Bauen von Sandburgen (Grundlagen des militärischen Festungsbaus in der frühkindlichen Erziehung) oder japanischem Papierfalten (Kunstform aus dem mit den Nazis verbündeten Kaiserreich) befasst, irgendwann stets irgendwer irgendwem anders, der eine von irgendwers eigener abweichende Meinung vertritt, vorwirft, ein Nazi zu sein.  

Dabei werden oft Schlüsse der folgenden Art gezogen:  Hitler war ein Nazi.  Außerdem war Hitler Österreicher, Vegetarier und katholisch getauft.  Also sind Österreicher, Vegetarier und Katholiken Nazis.  Kein Wunder, dass die morschen Knochen der Welt permanent vor einem Angriff fleischabstinenter Bergbewohner zittern.

Die mittlerweile auch als "Nazi-Keule" bezeichnete Methode, sein Gegenüber als Nazi bloßzustellen, weil es beispielsweise kurze Haare hat und die Nazis kurzen Haaren vor langen den Vorzug gegeben haben, ist im Internet zwar besonders verbreitet, aber keineswegs auf dieses beschränkt. Andere Medien wie Fernsehen, Zeitungen und Radiosender nutzen sie ebenfalls oft und gerne, Politiker sowieso.  Sie eignet sich übrigens ausgezeichnet, um unliebsame Personen aus der eigenen Umgebung zu entfernen oder wenigstens zum Schweigen zu bringen.  Allerdings sollten Sie sich drei Grundregeln merken, wenn Sie sie für Ihre Zwecke anwenden möchten:

1.  Der Nazi ist immer der andere, also der, der nicht    Ihrer Meinung ist

2.  Sie selbst sind, vollkommen unabhängig von Ihrem Lebenslauf und Ihrem Geburtsjahr, die Personifizierung des Widerstands gegen Hitler und seine Verbrecherbande

3.  Da der andere ein Nazi ist, brauchen seine Argumente nicht länger gehört zu werden.  Faschismus ist schließlich keine Meinung, sondern ein Verbrechen

So, jetzt habe ich mich im Rahmen dieses Blogs mit Hitler und den Nazis beschäftigt und damit Godwins Gesetz erfüllt.  Für die Zukunft habe ich mir aber vorgenommen, auch bei Meinungsverschiedenheiten auf Nazivergleiche zu verzichten.  Außer natürlich, mein Gegner ist ein Nazi.

 

 

Sven von Storch

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