Der Wert, die Seltenheit und die Geldmenge

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Der Wert, die Seltenheit und die Geldmenge
Datum: 14.05.2009, 17:52

Der Gebrauchswert

Auch der Gebrauchswert, nach Marx die "Nützlichkeit" einer Ware, ist für den Gesamtwert einer Ware bei weitem nicht so ausschlaggebend wie ihr Seltenheitswert.  Zwar muss ich in der Tat essen, mich kleiden und unter einem Dach schlafen, aber auch hier gilt:  Der Fischer, der Makrelen fängt, muss nicht weniger hart abeiten, als der, der Tintenfische fängt und ich kann die Tintenfische auch nicht besser gebrauchen. Es ist das seltenere Vorkommen, das den höheren Preis des Tintenfisches verursacht.  Zudem sieht man gerade bei Lebensmitteln besonders deutlich, wie Verknappung grundsätzlich zu Teuerung führt.  Trotzdem hat es aber bei überlebenswichtigen Waren eine gewisse Berechtigung, den Gebrauchswert zu berücksichtigen, denn wenn die Versorgung mit Nahrung, Kleidung und Unterkünften nicht gewährleistet ist, verblasst daneben der Wert aller anderen Dinge.

Die Seltenheit bestimmt den Wert

Wenn sie aber gewährleistet ist, wird die Seltenheit praktisch zum einzigen Kriterium der Wertbestimmung.  Würde ich die Originalfilmrolle der Uraufführung des Films "Casablanca" mit Humphrey Bogart und Ingrid Bergman besitzen, könnte ich Millionen dafür verlangen.  Die DVD kostet keine zehn Euro bei Amazon.  Dabei enthält die DVD verschiedene Audiospuren sowie Hintergrundinformationen zur Entstehung des Films und verfügt über eine bessere Tonqualität als die Filmrolle.  Auch kann ich sie mir mit jedem beliebigen DVD-Player ansehen, während ich mir extra ein Kino mieten müsste, um mit der Filmrolle überhaupt irgendetwas anfangen zu können.  Der Gebrauchswert der DVD ist also höher als der der Filmrolle.  Marx verwendet neben dem Begriff des Gebrauchswertes zwar auch den des Tauschwertes, doch auch diesen bringt er mit der Arbeitsleistung des Einzelnen und nicht mit der Seltenheit der hergestellten Ware in Verbindung.

Geldmenge und Geldsystem

In einem Geldsystem wie dem unsrigen, in dem Geld nicht durch einen anderen Wert, wie beispielsweise Gold gedeckt wird, muss das Geld selbst als eine Art Ware betrachtet werden.  Zwar kann ich mich damit nicht einkleiden, ein Dach aus Geld würde nicht vor Regen und Kälte schützen und geschmacklich lässt es zu wünschen übrig, doch ich muss mich darauf verlassen können, das ich für Geld Güter meiner Wahl erwerben kann, dass das Geld also einen bestimmten Wert hat.  Wenn die Geldmenge sich aber erhöht, wird das Geld selbst weniger selten - und muss damit wie alles andere auch an Wert verlieren.  Korrekterweise bezeichnet der Begriff Inflation daher auch nicht die Entwertung des Geldes, sondern die Ausweitung der Geldmenge, aus der die anschließende Entwertung erst hervorgeht.

Buchgeldschöpfung

Da unser Geld nicht gedeckt ist, ist die Ausweitung der Geldmenge sehr einfach zu erreichen:  Alle Banken praktizieren permanent die sogenannte Buch- oder Giralgeldschöpfung, die sich am folgenden Beispiel anschaulich erklären lässt:  Person A legt 1000 Euro bei Bank X an.  Person B leiht sich bei Bank X 800 Euro und kauft dafür die Ware W bei Verkäufer C.  Die erhaltenen 800 Euro legt C dann bei Bank Y an.  Am Ende des Vorgangs sind bei Bank X zwar 800 Euro weniger Bargeld vorhanden, an Giralgeld sind jetzt aber 1800 Euro im System verfügbar, es sind also 800 Euro "geschöpft" worden. 

Konjunkturmaßnahmen

Aktuell kommt zu dieser Form der Geldschöpfung noch hinzu, dass die Zentralbanken aufgrund der Konjunkturmaßnahmen zahlreicher Regierungen schlicht und einfach mehr Geld drucken als üblich und dieses in Umlauf bringen.  Wie bereits ausgeführt ist ein Wertverlust des Geldes daher zwangsläufig.  Wenn Sie also Ihre Ersparnisse retten wollen, sollten Sie sich vielleicht etwas Seltenes kaufen.     

Sven von Storch

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