Das WZB im siegreichen Kampf gegen die Realität

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Das WZB im siegreichen Kampf gegen die Realität
Datum: 04.09.2009, 09:32

während ihrer Anteil in technisch orientierten Fächern geringer ist und dass die Absolventen der weiblich dominierten Fächer im Durchschnitt schlechter bezahlt werden.

Mit zweierlei Maß?

Soweit, so uninteressant.  Alle, die nicht mit fest geschlossenen Augen durchs Leben gehen, haben das auch so schon gewusst.  Dass diese Art von „Erkenntnisgewinn“ auf Kosten der Allgemeinheit finanziert wird, ist zwar ein Ärgernis, aber es gibt schlimmere Fälle von Verschwendung.  Das Problem sind die Schlüsse die die Autorinnen der Studie, Kathrin Leuze und Susanne Strauß, aus den von ihnen erhobenen Daten ziehen.

Schon der Titel der Veröffentlichung spricht Bände: „Mit zweierlei Maß – Studium zahlt sich für Frauen weniger aus“.  Leuze und Strauß vergleichen die Männer- und Frauenanteile in verschiedenen Studiengänge und die Einkommen der Absolventen und kommen zu dem wenig überraschenden Schluss: „Die höchsten Einkommen werden in den Wirtschaftswissenschaften erzielt, gefolgt von Ingenieurswissenschaften, Rechtswissenschaften sowie Natur- und Gesundheitswissenschaften. Die Verdienste in den Fächergruppen der Geistes-, Kunst-, Erziehungs- und Sozialwissenschaften finden sich dagegen am unteren Ende der Einkommenshierarchie. Die Gegenüberstellung von mittlerem Einkommen und Frauenanteil pro Fach zeigt außerdem, dass es vor allem typische Frauenfächer sind, die mit einem geringeren Einkommen einhergehen.“

Die Autorinnen nehmen an, diese Einkommensunterschiede hätten ihre Ursache in einer gesellschaftlichen Frauenfeindlichkeit und folgern daher: „Sowohl Studienfächer als auch Berufe, die von Frauen dominiert werden, bringen also ein geringeres Einkommen mit sich. Das gilt für Frauen und Männer. Offensichtlich müssen auch Männer, wenn sie typische Frauenfächer studieren oder in typischen Frauenberu­fen arbeiten, Einkommenseinbußen im Vergleich zu Absolventen männlich dominierter Fächer und Berufe hinnehmen. Soziokulturelle Mechanismen der Stereotypisierung von Geschlechterrollen im Hinblick auf Studienfach und Beruf sowie das Tarifgefüge führen somit zu Einkommensunterschieden unter Akademikern.“

Soziokulturelle Mechanismen vs. Angebot und Nachfrage

Das Prinzip von Angebot und Nachfrage ist den beiden Damen offenbar vollkommen unbekannt.  Die Idee, dass es an bestimmten Berufen eine höhere Nachfrage geben könnte und diese Berufe deshalb besser bezahlt werden, taucht in der Studie nicht auf.  Es werden allen Ernstes alle Akademiker und Akademikerinnen als gleich qualifiziert angesehen und miteinander verglichen.  Vielleicht sollte jemand Frau Leuze und Frau Strauß davor warnen, sich von einer Kunsthistorikerin am offenen Gehirn operieren zu lassen, die ja als Akademikerin genauso qualifiziert ist wie ein Neurochirurg.  Einfach dagegen zu halten, es handele sich bloß um unterschiedliche Spezialisierungen ist da auch kein Argument, den von eine von einem Neurochirurgen durchgeführte Museumsführung scheint unter Umständen vertretbar.  Dass möglichst keine Flugzeuge abstürzen, keine Gebäude einstürzen, Krankheiten wirksam bekämpft und Autos gebaut werden, hängt nun einmal mehr von der Arbeit von Ingenieuren, Medizinern, Piloten etc. ab als von der von Historikern und Soziologen.  Dafür sind zwar auch Maurer und Busfahrer von großer Bedeutung, aber das Angebot an ihnen ist größer als das an Piloten und Bauingenieuren, die Nachfrage daher geringer.  Da nicht wenige Geisteswissenschaftler im Öffentlichen Dienst auf  oft unkündbaren Positionen arbeiten, die auch dann erhalten bleiben, wenn sie nicht oder nicht mehr gebraucht werden, wird die tatsächliche Nachfrage nach ihnen sogar eher über- als unterschätzt.

Fazit

Die Befürchtung von Leuze und Strauß  „Wenn es nicht gleichzeitig zu einer kulturellen Aufwertung von weiblich dominierten Studienfächern und Berufen kommt, besteht die Gefahr, dass das verstärkte Interesse von Frauen an bestimmten Fächern und Berufen weiterhin zu deren Abwertung führt.“ , ist daher unberechtigt

Wenn wir unseren Wohlstand erhalten wollen, wird die Nachfrage (und damit das Einkommen) an Informatikern und Naturwissenschaftlern auch dann größer bleiben als das an Germanisten und Philosophen, wenn die ersteren plötzlich mehrheitlich weiblich und die letzteren in überwiegender Zahl männlich sein sollten.

Das sich viele Geisteswissenschaftler durchaus bewusst sind, dass ihre Einkommmensaussichten geringer sind als die von Naturwissenschaftlern, sie sich aber entschieden haben, lieber ihren Interessen nachzugehen, ist der Juniorprofessorin für Bildungssoziologie an der FU Berlin Kathrin Leuze und der Akademischen Rätin am Institut für Soziologie der Universität Tübingen Susanne Strauß offenbar auch nicht in den Sinn gekommen.  Zumindest haben sie mit ihrer Arbeit bewiesen, dass es in Deutschland auch Soziologinnen gibt, die, wenn man den Wert ihrer Studien berücksichtigt, extrem überbezahlt werden.     

zur Studie

Sven von Storch

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