Das Verteilen von Koranen geht in Ordnung
Das Verteilen von Koranen geht in Ordnung
Datum: 12.04.2012, 19:53
durch Salafisten ist daher unverständlich. Auch wer den Salafisten – oder selbst dem Islam in seiner Gesamtheit – kritisch gegenübersteht, sollte dies als willkommene Möglichkeit begreifen, sich informieren zu können, ohne dafür Geld ausgeben zu müssen. Denn natürlich lässt sich nur anhand eines Korans überprüfen, ob jemand sich mit seinen Taten tatsächlich auf die Lehre des Islam berufen kann und ob diese Taten, seien sie gut oder schlecht, somit auch bei einer Bewertung dieser Religion berücksichtigt werden sollten, oder ob es sich um Taten eines Einzelnen handelt. Dies ist im Islam sehr viel strenger zu sehen als im Christentum, da dort der gesamte Koran als direktes Wort Gottes gilt, während sich in der Bibel zahlreiche Gleichnisse und Erzählungen finden, die Spielraum für Interpretationen lassen.
Wer überzeugt ist, dass die Salafisten eine falsche Lehre verbreiten, sollte ihnen mit Argumenten entgegentreten. Wer ihnen dagegen das Verteilen von Schriften verbieten möchte, beschert ihnen einen großen PR-Sieg. Er zwingt jene, die es mit der Meinungsfreiheit ernst nehmen, sich auf die Seite der Salafisten zu stellen, auch wenn sie diese ablehnen. Und er weckt die Neugier gerade der jungen Menschen, die er angeblich primär beschützen will.
Um Überzeugungen zu bekämpfen, braucht man keine Verbote, sondern stärkere Überzeugungen. Verbote können nur dort nützen, wo sie dem unmittelbaren Schutz des Einzelnen dienen, seine körperliche Unversehrtheit und sein Eigentum betreffend. Verbote von Überzeugungen sind ohnehin von den Mehrheitsverhältnissen abhängig – gegen die Mehrheit sind sie nicht dauerhaft haltbar. Das Verbot der SA in der Weimarer Republik etwa hatte keine nachhaltigen Effekt – ganz anders als die überzeugten Predigten von Bischof Galen während des Dritten Reiches, die zu einer Beendigung des Euthanasieprogramms führten.
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