Alice Schwarzer vs. Automatisierung
Alice Schwarzer vs. Automatisierung
Datum: 13.04.2011, 09:40
zu fühlen, auf Verdienste der Emma-Herausgeberin – seien sie nun echt oder vermeintlich – hinzuweisen. „Wenn Frauen in Deutschland heute mehr Rechte haben als ihre Mütter, so verdanken sie das nicht zuletzt Alice Schwarzer“ schrieb zum Beispiel Claudia Vogt 2009 im „Spiegel“.
Nun könnte man durchaus die Annahme in Frage stellen, dass in europäischen Ländern noch bis vor wenigen Jahrzehnten durch und durch patriarchalische Strukturen geherrscht hätten, in denen Männer über Frauen in jeder Hinsicht bestimmten. Denn diese Annahme ignoriert unter anderem den Umstand, dass im europäischen Kulturkreis dem Leben einer Frau seit langem ein höherer Stellenwert beigemessen wird als dem eines Mannes. Das war der Grund für die Befreiung der Frauen vom Kriegsdienst, für die Regel „Frauen und Kinder zuerst“ und dafür, dass bei dem gleichen Vergehen für Frauen oft mildere Strafen vorgesehen waren als für Männer. Tatsächlich ist ja biologisch gesehen, dass Leben einer Frau für den Bestand einer Art oder einer Gruppe wesentlicher als das eines Mannes.
Trotzdem gab es einige Bereiche, die in der Tat sehr lange von Männern dominiert wurden, vor allem in der Arbeitswelt. Dies hat sich unbestreitbar drastisch verändert und diese Veränderungen werden Alice Schwarzer und ihren Mitstreiterinnen zugeschrieben. Möglicherweise wird dabei der Einfluss solcher politischer Aktivistinnen maßlos überschätzt, während der von Wissenschaftlern, Ingenieuren und Erfindern, die oft gar nicht namentlich bekannt sind, unterschätzt wird. Sind die Erfolge des Feminismus auch ohne Automatisierung und Anti-Baby-Pille denkbar? Was ist mit anderen Ländern, in denen kein Mensch Alice Schwarzer kennt, in denen die gesellschaftliche Entwicklung aber ähnlich verlaufen ist?
Andererseits stellt sich die Frage, ob nicht auch für Innovationen ein bestimmtes gesellschaftliches Klima Voraussetzung ist. Aus Nordkorea werden, wenn überhaupt, höchstens militärische Entwicklungen kommen, die mit aller Macht forciert werden, aber bestimmt keine neuen Medikamente. Denn für eine volle Entfaltung des kreativen Potenzials ist individuelle Freiheit in Kombination mit guter Zusammenarbeit wichtig. Auch deshalb scheint das von Gruppen wie Agens propagierte Miteinander der Geschlechter weitaus vielversprechender als ein Geschlechterkampf.
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