Adam Smith und die Zehn Gebote

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Adam Smith und die Zehn Gebote
Datum: 22.05.2009, 10:59

Vertragsfreiheit

Von den Mitfahrern nehmen sie im Ausgleich für die Beförderung Benzingeld.  Die Höhe dieses Entgelts und die Art der Strecke ist ihnen dabei vollkommen selbst überlassen.  Die Betreiber der Seite stellen eine Plattform zur Verfügung, mischen sich aber in den weiteren Ablauf nicht ein.

Es funktioniert.  Mitfahrgelegenheit.de gehört zu den erfolgreichsten Seiten im deutschsprachigen Web.  Und es bietet Raum für interessante Beobachtungen.  Zunächst einmal handeln alle Beteiligten aus eigennützigen Motiven.  Der Fahrer will sich das Geld für Benzin sparen und stattdessen Gewinn aus seiner Fahrt ziehen und die Mitfahrer wollen günstiger von A nach B kommen, als ihnen das mit Bahn, Flugzeug oder eigenem PKW möglich wäre.  Der Eigennutz für jeden Einzelnen addiert sich somit zu einem Gesamtnutzen für alle.  Auch die Preise regulieren sich hier von selbst.  Die Abweichungen auf der selben Strecke zwischen den verschiedenen Anbietern, in diesem Fall den Fahrern, sind minimal, obwohl es zu den Preisen keinerlei Vorschriften gibt.  Würde ein Anbieter deutlich nach unten abweichen, würde er auf seinen eigenen Kosten sitzen bleiben, würde er stark nach oben abweichen, würde er angesichts der Konkurrenzangebote keine Mitfahrer mehr finden.

Adam Smith

Die Internetseite bestätigt also das, was Adam Smith bereits während des 18. Jahrhunderts im "Wohlstand der Nationen" formulierte: Der Einzelne strebt aus Eigeninteresse an, seine Produktivität und seine Erträge zu erhöhen und dient damit - wenn auch unbeabsichtigt - dem Interesse der gesamten Gesellschaft.

Das heißt nicht, dass es nach Smiths Theorien sinnvoll erscheinen würde, alle Regeln oder gar den Staat als solchen abzuschaffen.   Vielmehr kommen nach Smith dem Staat vier zentrale Aufgaben zu:

1. Organisation der Landesverteidigung;

2. Schutz jedes Mitglieds der Gesellschaft vor Ungerechtigkeit und/oder Unterdrückung;

3. Errichtung und Unterhalt von öffentlichen Anstalten, deren Errichtung oder Erhaltung durch Private nicht möglich wären, aber dennoch für die Allgemeinheit bedeutsam sind, zum Beispiel das Unterrichts- und Transportwesen;

4.  Durchsetzung des Privateigentums.

Smiths Anliegen war also die Schaffung eines bürgerlichen Rechtsstaates, der kein eigenes Interesse wahrnimmt, sondern nur die Rahmenbedigungen zur Verfügung stellt.  Auch erkannte er, wie zentral dafür die Einhaltung von Verträgen und das Element der Freiwilligkeit sind.  Freiwillig schließt niemand einen Vertrag zu seinem eigenen Schaden, daher entsteht durch Verträge der bereits beschriebene Effekt, dass sich der Nutzen für jeden Einzelnen zum allgemeinen Nutzen addiert.  Aufgabe des Staates ist daher nicht, in die Details von Verträgen einzugreifen, sondern ihre Einhaltung zu überwachen.

Die Zehn Gebote

Die wichtigsten Regeln des Rechtsstaates, der für diese Überwachungsaufgabe Voraussetzung ist, wurden bereits in den zehn Geboten festgelegt.  Zumindest "Du sollst nicht morden", "Du sollst nicht stehlen" und "Du sollst nicht falsch gegen Deinen Nächsten aussagen" sind auch unabhängig vom persönlichen Glauben allgemeingültige Grundsätze und finden sich bei Smith vor allem in der zweiten und der vierten zentralen Aufgabe des Staates wieder.

Kritik

Nun mögen die Kritiker von Smiths Theorien einwenden, dass seit Smiths Lebzeiten die Welt sehr viel stärker globalisiert worden ist, was eine andere Situation schafft.  Deutsche Arbeitnehmer stehen in Konkurrenz zu chinesischen und beide in Konkurrenz zu vietnamesischen undsoweiter.  Ökonomische Zwänge können dabei ähnlich wirken wie staatlich verordnete.  Doch auch das ist eher eine Bestätigung seiner Ansichten.  So lange es erlaubt ist, sich frei zu entfalten, ist es möglich, Monopole zu brechen, was wiederum dazu führt, dass es eine Auswahl zum Beispiel zwischen verschiedenen Arbeitsstellen gibt und der Einzelne für sich abwägen kann, welche Bedingungen er zu akzeptieren bereit ist und welche nicht.  Es ist nicht in jedem Fall gesagt, dass ein freier Markt die Bildung von Monopolen verhindert, aber er macht sie sehr viel unwahrscheinlicher.  Wo Konkurrenz erlaubt ist und nicht bestimmte Unternehmen zum Beispiel durch Subventionen von staatlicher Seite begünstigt werden, wird sie sich üblicherweise von selbst ergeben.

Krieg und Frieden

Auch Kriege werden unwahrscheinlicher.  Sie bringen all das mit sich, was den Prinzipien von Smith widerspricht:  Zwang, Unterdrückung Eigentumsverletzungen und Vertragsbrüche.  In einer von Wohlstand geprägten, freiheitlichen Gesellschaft ist der Gedanke all das in Kauf zu nehmen, nicht gerade attraktiv.  Kriege werden jedoch aus vielen Gründen geführt und zu behaupten, irgendein System könnte sie grundsätzlich verhindern, wäre vermessen.  Doch wie der Verzicht auf Nikotin eine bessere Voraussetzung für ein gesundes Leben schafft als das Kettenrauchen, schafft auch ein marktwirtschaftlich orientierter, die Zehn Gebote respektierender Rechtsstaat bessere Voraussetzungen für Frieden als von Zwang geprägte Systeme.

Sven von Storch

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