200.000 Euro Steuergeld

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200.000 Euro Steuergeld
Datum: 19.07.2010, 22:12

Ein Radiospot der gegnerischen Volksinitiative "Wir wollen lernen", der es gelang, innerhalb von zwei Jahren 240.000 Euro an - freiwilligen - Spendengeldern zu sammeln, wurde kurzerhand verboten.

Vielleicht sind 200.000 Euro nicht viel, wenn man in Milliardendimensionen denkt.  Aber denken Sie darüber nach, wie ungleich größer der Nutzen gewesen wäre, wenn man die Häfte des Geldes den Bürgern gelassen hätte, und die andere Häfte in eine verbesserte Ausstattung der Hamburger Schulen investiert hätte.  Die Idee, die Steuerzahler für die Werbung für ein Projekt bezahlen zu lassen, das sie in großer Mehrheit ablehnen, scheint dagegen ein abwegiger Gedanke.  Wer solche Kampagnen durchführen will, kann Initiativen gründen und Spenden sammeln - wie die Gegenseite es getan hat. 

Was die inhaltlichen Aspekte dieser Angelegenheit betrifft, möchte ich außerdem auf diesen Artikel von Regina Mönch aufmerksam machen, vor allem auf den folgenden Absatz;

"Außerdem verkennen die Gegner und Beargwöhner des Gymnasiums dessen historische Herkunft: als neuhumanistische Lehranstalt im neunzehnten Jahrhundert entstanden, war es die erste Schule, die jeden aufzunehmen hatte, der die Leistungen, die Fähigkeiten dafür mitbrachte. Das Gymnasium verband gerade nicht das Privileg der Herkunft mit dem Recht auf höhere Bildung, was die Sozialdemokratie zum Beispiel in der Weimarer Republik noch wusste."

Ohnehin wird in der Diskussion gerne übersehen, dass in Deutschland keineswegs ein Gesetz existiert, das den viel zitierten Arbeiter- und Migrantenkindern den Besuch des Gymnasiums verbieten würde - ganz im Gegenteil, die Leistungen sind entscheidend.  Zudem wird im internationalen Vergleich gerne übersehen, dass in Deutschland ein Prozess schon weiter fortgeschritten ist, als in Ländern wie Spanien oder Irland, die in den 1980er Jahren noch als Schwellenländern galten:  Hier ist es bereits in den 1960er und 70er jahren viele Arbeiterkinder zum Gymnasium zu schicken.  Wenn deren Kinder heute Abitur machen, tauchen sie in der Statistik als Akademikerkinder auf.

Sven von Storch

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