Einschläge am Berg Ararat

Das hat gerade noch gefehlt. In den neuerlichen Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan sterben wieder Menschen, Soldaten und Zivilisten.

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Das hat gerade noch gefehlt. In den neuerlichen Auseinandersetzungen zwischen Armenien und Aserbaidschan sterben wieder Menschen, Soldaten und Zivilisten. Als ob in den Jahren seit dem Anfang der neunziger Jahre nicht schon genug Menschen wegen des Zankapfels Berg-Karabach ihre Leben verloren haben würden. Auch in einer geradezu makabren Abart des Krieges. Wenn an den Fronten Ruhe herrschte, massakrierten sich die Scharfschützen auf beiden Seiten. Die Tötungen sollten die Wunden ständig aufreißen. Diejenigen, die seit Jahrhunderten friedlich miteinander leben konnten, sollten dies nicht mehr können. Die Welt wußte Bescheid und hat weggesehen. Wie eigentlich immer, wenn ausgetestet werden soll, wie weit man gehen kann.

Merkwürdig an dem jüngsten Ausbruch von Feindseligkeiten sind zwei Umstände. Fast rechtzeitig vor dem neuerlichen Ausbruch der Kämpfe brach die einzige Organisation, die intensives Bemühen um den gesamten Kaukasus zeigte, an der Spitze auseinander. Das wurde deutlich an der mangelnden Unterstützung der Führungsspitze der OSZE, an der Spietze der aus der Schweiz stammende und äußerst engagierte Diplomat und Generalsekretär der OSZE, Herr Greminger. Es war gerade dieser Generalsekretär, der über das Führungspersonal der OSZE dem Kaukasus große Aufmerksamkeit schenkte. Das war dem politischen Berlin in allen Facetten bekannt, als man die deutsche Diplomatin, Frau Schmidt, als Nachfolgerin von Herrn Greiminger ins Gespräch brachte, obwohl die Schweiz an einer erneuten Kandidatur ihres Diplomaten festhielt. Sieht so ein "gut-nachbarschaftliches Verhalten" aus? In der Schweiz und auch in Deutschland wird man darauf eine  Antwort finden. Es war gerade die Schweiz, die in Zeiten zunehmender Aggressivität des Westens gegen alles das, was "russisch" genannt werden konnte, versuchte, valide Gesprächsfäden druckfest zu etablieren, um den Rest an Verstand nicht auch noch zu beseitigen.

Es war aber nicht nur die diplomatische Fehlzündung bei der OSZE-Führungssitze. Geradezu zeitgleich findet in der Region Kaukasus ein spektakuläres Großmanöver der Russischen Föderation mit Partners aus u.a. China und Pakistan statt. Es gibt wenige Gebiete weltweit, in der seit mehr als einhundert Jahren die Interessen zentraler Mächte sich wie in einem Brennglas bündeln. Dazu zählt neben Burma der Kaukasus. Das mußte der frischgebackene deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder 1998 erleben, als ihn der Bündnispartner USA nötigte, die Teilnahme an Erdgas- und Erdölkonsortien im Kaspischen Meer aufzugeben, die kurz zuvor Bundeskanzler Helmut Kohl mit dem Präsidenten Alijev aus Aserbaidschan vereinbart hatte. Frankreich hat seine armenische Diaspora wie auch die USA mit allen dich daraus ergebenden Rücksichtnahmen bei Wahlen. Wie zu hören ist, werden Biowaffen-Labore in Georgien ebenso betrieben wie israelische Luftwaffenstützpunkte. Auch mit Baku kann Tel Aviv es gut, was die Erdölversorgung anbelangt, abgesehen davon, daß man sich dort im Rücken des Iran befindet, der es mit Armenien besonders gut kann. Nicht ohne Grund hat Washington seine größte Botschaft im kleinen Erivan, der Hauptstadt Armeniens. China ist auch mit von der Partie, wie chinesische Landkarten aus dem 19. Jahrhundert zeigen. Amerikanische Diplomaten klagen in der BBC über nachlassendes Interesse der USA in dieser Region. Nutzt jemand diese Lage oder wird ausgetestet, wie weit man gehen kann? Wenn das Kriegsfeuer dort nicht ausgetreten wird, hat der Kaukasus Potential, das nach dem 3. November 2020 für mehr stehen könnte, als nur den Kaukasus.

Willy Wimmer

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Frankreich hat seine armenische Diaspora wie auch die USA mit allen dich daraus ergebenden Rücksichtnahmen bei Wahlen. Wie zu hören ist, werden Biowaffen-Labore in Georgien ebenso betrieben wie israelische Luftwaffenstützpunkte. Auch mit Baku kann Tel Aviv es gut, was die Erdölversorgung anbelangt, abgesehen davon, daß man sich dort im Rücken des Iran befindet, der es mit Armenien besonders gut kann. Nicht ohne Grund hat Washington seine größte Botschaft im kleinen Erivan, der Hauptstadt Armeniens.“ ...

Da der Erdogan mit seiner türkischen Wehrmacht sicherlich niemals gegen seine Verbündeten - die USA incl. der Nato – ernsthaft vorgehen würde:

Darf ich davon ausgehen, dass die beschriebenen Szenarien einer US-Strategie mit dem Ziel folgen, zunächst Russland und in der Folge China zu erobern?

Ja mei: „Anfrage an Radio Eriwan: Stimmt es, dass Iwan Iwanowitsch in der Lotterie ein rotes Auto gewonnen hat?
Antwort: Im Prinzip, ja. Aber es war nicht Iwan Iwanowitsch, sondern Pjotr Petrowitsch. Und es war kein rotes Auto, sondern ein blaues Fahrrad. Und er hat es nicht gewonnen, sondern es wurde ihm gestohlen. Alles andere stimmt“!!!
https://www.headlineaffairs.de/news/russland-und-die-wahrheit-fragen-wir-radio-eriwan/

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