Ganztags fremdbestimmt

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Ganztags fremdbestimmt
Datum: 07.10.2009, 15:57

Die Ganztagsschule scheint sich zum Dreh- und Angelpunkt der Bildungsdebatte zu mausern.
Menschen sich selbst zu überlassen, damit sie ihr Leben frei ohne staatliche Bevormundung und Gängelung gestalten können, das wäre eigentlich das zentrale Anliegen einer freiheitlich-bürgerlichen Politik und des Liberalismus sowieso. Damit kann man nicht früh genug anfangen. Dass Jugendliche lernen, einen Teil ihres Tages eigenständig zu gestalten, selbst zu entscheiden, wann sie Hausaufgaben machen, ob sie in einen Sportverein eintreten oder sich ehrenamtlich engagieren – das wäre eine gute Übung und Vorbereitung für ein selbstständiges Leben als Erwachsener. Menschen ganztägig in staatlichen Kollektiven zu betreuen, ist dagegen eine Idee des Sozialismus. Karl Lagerfeld nannte die Ganztagsschule einmal gar „Freiheitsberaubung“. Dass sie selbst in einer liberalen Partei populär ist, beruht offenbar auch auf der Feststellung, dass ein Teil der Jugendlichen in der Familie keinen Rückhalt für eine selbstständige Lebensgestaltung mehr findet. Zum Beispiel bei Migranten, in einigen sozial schwachen Milieus oder bei zerfallenen Familien. Für diese Jugendlichen soll es Angebote geben. Doch daraus den Schluss zu ziehen, das Betreuungssystem zum Standard und zur Leitidee für alle zu machen, ist absurd. Dass sich FDP-Politiker derart plump kollektivistische Ideen zu eigen machen, ist erschütternd. Wer verteidigt ein bürgerliches Menschenbild eigentlich noch?

Sven von Storch

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