Das Betreuungsgeld ist nur ein Schein
Das Betreuungsgeld ist nur ein Schein
Datum: 08.09.2009, 08:42
Im Interview mit der Zeitschrift "Emma" (Ausgabe September/Oktober) lässt die Kanzlerin die Katze aus dem Sack: Die Ausgestaltung des Betreuungsgeldes sei noch offen, es werde nicht unbedingt in bar ausgezahlt, sondern möglicherweise als Gutschein für Sport- und Musikkurse der Kinder, damit es nicht einfach die Haushaltskasse aufbessere. Mit diesen Äußerungen von Angela Merkel wird die Familienarbeit von Müttern und Vätern erneut auf bodenlose Weise herabgewürdigt. Statt einer minimalen Anerkennung für ihrer Leistung bei der häuslichen Kindererziehung, sollen sie mit Gutscheinen für die Kinder abgespeist werden. Dahinter steht der Generalverdacht, dass Eltern das Familieneinkommen nicht richtig ausgeben und möglicherweise versaufen oder verrauchen. Dabei war das Betreuungsgeld doch als Anerkennung für den Betreuer gedacht. Während man gutverdienenden Doppel-Verdiener-Familien, die ihr Einzelkind möglichst bald in die Krippe verabschieden, mit dem Elterngeld viel Bares in die Hand gibt, will Angela Merkel offenbar verhindern, dass Alleinverdiener-Familien zusätzliches Geld in die Haushaltskasse bekommen. Ein unfassbarer Schlag ins Gesicht von Millionen Familien, besonders solcher mit mehreren Kindern, die viele Lasten zu tragen haben - und das aus Mund einer CDU-Kanzlerin. Im Grunde war das Betreuungsgeld bei Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen schon immer ein Dorn im Auge, ein notgedrungenes Zugeständnis an den konservativen Parteiflügel. Doch selbst dieses kleine Zugeständnis wird nun offenbar durch die Hintertür entwertet. Unglaublich, was Angela Merkel, wertkonservativen Wählern vier Wochen vor der Bundestagswahl zumutet.
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