Klimaschutz und Erdölverfügbarkeit

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Klimaschutz und Erdölverfügbarkeit
Datum: 14.08.2011, 21:18

 

Ob Angela Merkel diese Empfehlung, anlässslich der kürzlichen  deutsch-russischen Konsultationen in Hannlover beherzigt hatte? Wenn ja, so wird man es trotzdem nicht erfahren, denn das Thema Liefersicherheit von Erdöl ist Teil der Sicherheitspolitik. Warum? Rd. 40% unserer Erdöllieferungen stammen aus Rußland. 

Erdöl ist die Basis für die Treibstoffe unserer  Mobilitätssysteme und der Transportwirtschaft. Verkehr ist fast 100% abhängig vom Erdöl. Davon sind 40% abhängig von einem guten Einvernehmen unserer Regierung mit dem Förderland Rußland.

Diese Öl - Abhängigkeit  unserer Wirtschaft  gibt dem Thema „Liefersicherheit“, bzw Versorgungssicherheit für den Bereich Verkehr eine viel größere  Bedeutung als z.B. für die Stromwirtschaft, die seit eh und je auf einem  Energiemix aufbaut. Das hatte letztes Jahr eine Studie der Bundeswehr („Peak Oil“ – sicherheitspolitische Konsequenzen….“) voll erkannt und deswegen u.a. Verfügbarkeitsanalysen angemahnt.

Das mögliche  „Zudrehen“ des  Ölhahns durch Russland würde unsere Wirtschaft empfindlich treffen. Russland kann den Ölhahn auf- oder zudrehen, wie mehrere Male geschehen im Falle  Ukraine oder Weißrussland. Die Gründe dafür sind unerheblich. Was geschieht, wenn China in Versorgungsengpässe gerät und zur Erhöhung ihrer Lieferquote den Preis pro Barrel Rohöl Rußland gegenüber verdoppelt? Wäre die deutsche Wirtschaft in der Lage, eine solche Preisverdoppelung zu bezahlen? Zugegeben, das sind Spekulationen, sie zeigen aber die Notwendigkeit strategischer Analysen zur Versorgungssichheit, um Planungssicherheit zu erlangen.

Mit dem Thema Liefergarantien  ist die Frage der Versorgungssicherheit aber noch nicht erschöpft.  Dazu gehören – neben politisch unsicherer Förderländern – die Terrorgefahr hinsichtlich Versorgungswege und –einrichtungen, sowie dem geologisch bedingten Förderrückgang des Erdöls.

Zunächst zu den Versorgungswegen der Tankschifffahrt. Die Meerengen sind die empfindlichsten Stellen, an erster Stelle steht die Strasse von Hormusz am Persischen Golf. Durch sie wird rd. 40% der weltweiten Öltankschiffahrt abgewickelt.  Dieser Engpass war denn auch in den letzten 10 Jahren bevorzugtes Ziel von Al Quaida - Anschlägen auf Tankern und Kriegsschiffen. Bisher konnte das Schlimmste -  die Blockierung der  Strasse z.B. durch brennende  Tanker – vermieden werden.

Zu den stationären Versorgungseinrichtungen gehören die Raffinerien. Ein Anschlag auf die größte Abfüllstation an der saudi-arabischen Küste im Jahre 2006 konnte in letzter Minute von Sicherheitskräften vermieden werden.

Ein weiterer Bereich der Versorgungssicherheit ist geologisch bestimmt, und zwar durch die Förderkurve einer Ölquelle. Sie sprudelt nicht linear wie ein Wasserhahn, sondern entlang einer Glockenkurve. Nach dem Höhepunkt der Förderung („Peak Oil“) lässt der Druck nach, und die Förderung geht unweigerlich zurück - in der Summe der weltweiten Ölquellen ca. 3 – 5 % per anno. Die Förderung des derzeitigen, leicht zugänglichen Öls („Billigöl“) hat in letzter Zeit das Plateau des Peaks erreicht.

Zusammengefasst: Zum Thema „Versorgungssicherheit“ des Erdöls besteht – auch nach Aussage oben genannter  Bundeswehrstudie - dringender politischer Handlungsbedarf.

Erstaunlicherweise hat die Politszene in Berlin - soweit von hier erkennbar - weder auf die Bundeswehrstudie noch auf das Thema Versorgungssicherheit reagiert. Befragt, erhält man sinngemäß die Antwort:  die Klimaauswirkungen würden sich früher als der Ölförderrückgang einstellen und sich negativ auf unsere Gesellschaft und Wirtschaft auswirken. Mit anderen Worten: gerechnete Klima - Szenarien mit kaum verifizierten Annahmen über bedenkliche Klimaauswirkungen bestimmen mehr die politische Agenda als der sichere, weltweite Förderrückgang von Billigöl.

Die Klimapolitiker verschieben den Beginn des Förderrückgangs gerne in die Zukunft von mindestens 20 Jahren. Das  gibt ihnen Zeit für eine Politik, die solange wie möglich, eine Politik des „weiter so“ sichert: Mit der politisch gesetzten CO2 – Reduzierung durch Effizienzprogramme, sowie die Aussicht auf ein „elektrifiziertes“ Auto ist für den Bundesbürger „Autofahren“ weiter hin möglich. Der Glaube an die Technik und die Kräfte des Marktes („Knappheiten regelt der Preis“) vermindern scheinbar die politischen Handlungszwänge, die für den zu erwartenden Förderrückgang des Billigöls notwendig wären.

Politikgestaltung heißt derzeit Initiieren von parallel laufenden Förderprogrammen für alternative Antriebe (von Wasserstoff- über Bio- bis hin zur Elektromobilität). Demgegenüber würde ein Nationales Mobilitäts – Programm (Personen- und Güterverkehr)  mit einem gemeinsamen Sach- und Zeitziel für alle erkennbaren Antriebsalternativen  die derzeitige Parallelforschung  in Teilbereichen vermeiden und – wenn es denn noch sein muß – es würde auch dem Klimaschutz dienen. 

 

 

Sven von Storch

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