Kinder, ein _öffentliches Gut..., wie die Straßenbeleuchtung_
Kinder, ein _öffentliches Gut..., wie die Straßenbeleuchtung_
Datum: 06.03.2013, 10:11
Kinder als verfügbares Objekt für die Bundesregierung – so eindeutig war es bisher kaum aus dem „Familien”- Ministerium zu hören. Das Kabinett hatte am 30.1.2013 obigen Kinder- und Jugendbericht verabschiedet. Er wird alle 10 Jahre durch, von der Bundesregierung berufenen, Experten erstellt.
Kinder als Objekt der ”öffentlichen Verantwortung”
Nach dem Kabinettsbeschluß erklärte die Familienministerin in ihrer Rede vor dem Bundestag: „In den letzten Jahren haben wir eindeutig eine Zunahme der öffentlichen Verantwortung festzustellen, ohne – so die These des Berichts – dass deswegen die familiäre Verantwortung zurückgehen würde. Die beiden Bereiche sind also nicht wie kommunizierende Röhren zu verstehen, sondern oft befähigt erst die öffentliche Verantwortung die Eltern, der familiären Verantwortung nachkommen zu können.
Die „Zunahme der öffentlichen Verantwortung“ wird offenbar als ein Synonym für die zunehmende Verfügungsgewalt des Staates auf das Objekt „Kind“ verstanden. In dem oben zitierten Bericht heißt es weiter zum Thema Familie: ” …die Familie bleibt das mit Abstand einflussreichste „Soziotop“ für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen. In der privat-familialen Lebenswelt erfolgen nach wie vor die wichtigsten Entwicklungen, die das Heranwachsen von Kindern und Jugendlichen betreffen.“ Welch unerwartetes Zugeständnis im Beamtendeutsch, was allerdings im Folgetext verschwurbelnd relativiert wird:
Verlust der Kindheit
„Insbesondere mit Blick auf die öffentliche Verantwortungsübernahme lässt sich festhalten, dass Kindheit inzwischen eben mehr ist, als das Aufwachsen in den Binnenlogiken der Familie: Kindheit und Jugend spielen sich in einem System verschränkter Verantwortlichkeiten ab, das von mehreren Akteuren – öffentlichen, zivilgesellschaftlichen und privaten – beeinflusst wird“.
Mit einem unerträglichen Verordnungsdeutsch wird hier der Verlust der Kindheit in einer kaum nachvollziehbaren Gefühlskälte nicht weiter thematisiert, ja hingenommen. Verantwortlich dafür sei ein anonymes(!) ”System verschränkter Verantwortlichkeiten”. Auf diese Art und Weise nimmt sich das “Familien” – Ministerium aus der Schußlinie und es kann fortfahren mit seiner Übernahme der Verantwortung für die Familie genau so ex cathedra und undemokratisch wie in totalitären Systemen - sei es in Nazi-Deutschland oder der DDR. Typisch für eine totalitäre Sprache ist weiterhin die mehrdeutige Begriffswahl, hier sind es die „Akteure“……. Da hätten wir denn doch gerne Genaueres gewusst. Aber das Konkrete ist nicht gewollt, eher das Undefinierbare, das Unfassbare. Es ist anzunehmen, dass mit “Akteuren” die Institutionen (Verbände, Medien?) gemeint ist, die sich unerkannt von der Öffentlichkeit mit dem “Familien” – Ministerium haben gleichschalten lassen.
Die treibende Kraft: der “Zeitgeist”……
Wie zu erwarten, kommt irgendwann mal der “Zeitgeist” ins Spiel – wieder so ein anonymes, neutrales Etwas. Er muß dafür herhalten, wenn verordnete Meinungen einer Staatsideolgie zu “Trends” umdefiniert werden. Handelnde Personen sind dann nicht im Ministerium zu finden, sondern mutieren zu “Anforderungen” von außen (s.u.). Der Zeitgeist ist die treibende Kraft, die die Bedeutung der Familie für die Gegenwart in Frage stellt. In wolkenreicher Sprache soll dem Leser sodann vermittelt werden, das alles wieder gut wird: “offener”, pluraler” usw. Ob das die Betroffenen, d.h. die Kinder wohl auch so sehen?
„Gleichwohl ist festzustellen, dass sich die Anforderungen an Familien verändert haben: bildeten sie früher im Koordinatensystem des Aufwachsens den Mittelpunkt, sind nun in diesem System weitere zentral bedeutsame Punkte entstanden. So führt der Ausbau der Betreuung für Kinder unter und über drei Jahren dazu, dass die öffentlichen Akteure (hier sind sie wieder..) im Leben der Kinder stärker präsent sind…..Kinder erleben damit keine reine „Familienkindheit“ mehr (!!!!), wie sie noch vor wenigen Jahrzehnten in Westdeutschland üblich war. Sie wachsen in einer betreuten Kindheit auf…….in der Summe werden ihre Lebenswelten offener, pluraler, individueller, vorläufiger. Die Einbindung der Kinder und Jugendlichen in ein ideologisches und wertgebundenes stabiles Koordinatensystem wird fragiler“.
Die Eltern: eine Restgröße
Es ist unfassbar, mit welchem Sarkasmus die sogenannte “Familienkindheit” und ihr Wertesystem als „fragil“ abgewertet wird. Und die Eltern? Keine Sorge, sie tragen noch „Verantwortung“, aber nur eine, die von den staatsideologisch gesetzten Institutionen zugelassen wird. Eigenständigkeit der Elternschaft und Wahlfreiheit verkümmern zu Fremdwörtern, da nicht gewollt:
„Dennoch werden Eltern dadurch nicht bedeutungslos, im Gegenteil: sie müssen nun neue Entscheidungen treffen, etwa eine Einrichtung der Kindertagesbetreuung auswählen, einen von ihnen als angemessen betrachteten Startzeitpunkt des Kindes in die institutionelle Betreuung festlegen oder die Kommunikation mit dem Personal der Kindertagesbetreuungseinrichtung regeln“.
Welch blanker Zynismus! Unter den Autoren des Berichtes kann es eigentlich keine Eltern geben, denn welcher Elternteil kann seine eigene Bedeutungslosigkeit derartig emotionslos beschreiben??? Selbstverständlich stehen die Erkenntnisse der Bindungstheorie einem solchen ”Social Engineering” im Wege.
Das fällt auf:
- In keinster Weise wurde in dem Regierungsbericht versucht, auf die Gefühlslage der betroffenen Kinder und Jugendlichen einzugehen.
- Das Menschenbild der Ministerialbeamten, das Menschen als Objekte, als Verfügungsmasse der Politik betrachtet, ist so eindeutig bisher kaum in Regierungspapieren beschrieben worden.
- Das Familienministerium setzt sich ein für “Kinderrechte ins Grundgesetz”, mit der Begründung: “…..ein Kind …..ist ein Wesen mit eigener Menschenwürde”. Wenn das so ist, kann es kein Objekt, bzw. öffentliches Gut sein.
- Die dreiste Offenheit, mit der z. B. über die Zerstörung der Normalfamilie berichtet wird, zeigt auf, dass die Autoren im “Familien” – Ministerium keinen Widerstand, geschweige denn Empörung über den Bericht in der Öffentlichkeit, befürchten.
- Es gibt im Bundestag offenbar zum Thema “Kinder- und Jugendpolitik” kaum eine parlamentarische Opposition – ähnlich wie zu anderen Themen der feminisisch geprägten Frauenlobby. Eine Ausnahme: die Betreuungsgeld-Debatte. Sie war allerdings eine reine Stellvertreterdebatte, denn es ging dabei nicht um das Betreuungsgeld. Es ging in der damaligen Bundestagsdebatte schlicht um die Zukunft der klassischen Familie, dem überwiegend gelebten Modell einer Familie.
Umerziehung der Kinder und Jugend
Deutschland ist dabei, das dritte Mal (innerhalb von nur 80 Jahren) die „Umerziehung einer Nation“ (Spiegel-Titel 1/2007) mit der Bildungspolitik zu betreiben, nach dem Motto “Schule als ideologische Anstalt”. Und die Öffentlichkeit? Keine Institution empört sich, weder die Kinderkommission des deutschen Bundestages, noch der Deutsche Kinderschutzbund…..
Das Programm ”Fremdbetreuung” mit einer Art sozialistischem Menschenbild, stellt zudem, und das ist viel folgenreicher, einen sozialistischen „Großversuch“ dar, mit dem eine „neue Generation von Menschen“ geschaffen werden soll, so das Original-Zitat von Alva Myrdal, der Gründerin der schwedischen Kindertagesstätten. Ganztagsbetreuung der Kinder würde – so Alva Myrdal – Menschen schaffen, die besser in eine „neue Welt“ passen und zudem die „Hindernisse für die Emanzipation der Frau“, nämlich die Kinder, beseitigen helfen. Übrigens: die Verringerung des familiären Nettoeinkommens durch die Regierung in Schweden war dabei sehr hilfreich, die Frauen in die Erwerbstätigkeit und Kinder in die KiTas zu zwingen.
Und wieder wird in Deutschland einmal eine Generation Kinder viele Jahre später ihre Väter und Mütter fragen: “…und warum habt Ihr dagegen nichts getan?” Die Antwort wird sein: „wir haben nichts davon gewusst!“ Das ist sogar verständlich. Denn: welche normalen Eltern tun sich heute den Tort an, den oben zitierten Regierungsbericht und die dazugehörigen 82 Seiten der Studie durchzulesen?
Dieser Beitrag erschien zuerst auf agensev.de.
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