400 Scheidungskinder täglich
400 Scheidungskinder täglich
Datum: 14.07.2011, 10:31
Die Gesamtzahl der Trennungskinder liegt wesentlich höher, denn die Zahl der Trennungen innerhalb der Lebenspartnerschaften ist nicht bekannt
400, eine unfassbare Zahl, die beim ersten Lesen mit einem Kopfschütteln zur Kenntnis genommen wird. Man kann sich das so vorstellen: Das sind fast 15 Schulklassen jeden Tag!
Ein Phänomen: Die zumeist vaterlosen Scheidungskinder sind für die Öffentlichkeit schlicht nicht existent. Diese Kinder werden mit ihrem Schicksal allein gelassen. Naturgemäß können sie sich dagegen auch nicht wehren. Sie werden von der Erwachsenenwelt – häufig auch von ihren eigenen Eltern - als Objekte behandelt. Das Kind will auch gar nicht wissen, warum seine Eltern sich getrennt haben, warum Mutter jetzt arbeiten gehen muss. Es fühlt nur: Ich bin allein. Meine Mutter bringt mich in die Kita. Und: Wo ist Papi?
Seltsam. Moderne Eltern geben ihren Kindern Wahlfreiheit bei alltäglichen Fragen, was es trinken, was es anziehen möchte usw. Aber die entscheidenden Fragen, die das „Kindeswohl“ betreffen, stellt im Scheidungsfall das Jugendamt: Bei wem möchtest Du bleiben? Das kommt ins Protokoll – wenn überhaupt. Was für Erfahrungen gewinnen diese Kinder für ihr späteres Leben? Durch dieses „Behandeltwerden“ zerbricht ihr Urvertrauen. Solche Kinder verbindet wenig mit Verlässlichkeit, Rücksichtnahme - geschweige denn Liebe.
Diese unterschiedliche Wahrnehmung unserer Gesellschaft ist irritierend. Auf der einen Seite lesen wir die Berichte und Bilder über allein erziehende Mütter. Das bewirkt Mitgefühl. Und auf der anderen Seite: Die Scheidungskinder, sie werden allein gelassen. Sie bekommen einfach keine Gelegenheit, in der Gesellschaft ein Bewusstsein für Ihr Schicksal zu erzeugen.
Aber Hand auf’s Herz: will man sie denn anhören???
Als Zeitungsleser hat man häufig den Eindruck, das Einzelschicksal „Hund im Tierheim“ hat eine höhere mediale Aufmerksamkeit als das Einzelschicksal „Scheidungskind“. Und das, obwohl es eine Kinderkommission im Bundestag, obwohl es Jugendämter und sogar ein Familienministerium gibt. Und obwohl das „Kindeswohl“ eine wichtige, allerdings nur formale, Rolle bei Scheidungsprozessen spielt.
Forscht man nach den Ursachen für solches fehlendes Mitgefühl in unserer Gesellschaft, gerät man unversehens auf glattes Parkett: Für unseren gelebten Narzissmus sind Scheidungskinder ein Tabu, quasi missliche Begleitschäden einer selbstbestimmten Gesellschaft. Eine solche Gesellschaft hat kein Interesse, sich näher Gedanken zu machen über die Folgen ihres Tuns – geschweige denn die Spätfolgen. Und die sind bereits erkennbar: Bei über 2/3 der Kinder in psychischen Kliniken wird „Scheidungsfolgen“ diagnostiziert. Rund 80% der kriminellen Jugendlichen stammen aus vaterlosen „Familien“.
Wenn unsere Gesellschaft weiterhin die täglich anwachsende Zahl dieser Kinder mit erheblichen Folgeschäden durch die Missachtung des tatsächlichen Kindeswohles hinnimmt, wird es realistisch, dass es beispielsweise in Kürze ein TV-Sendeformat geben könnte: „Ich bin vaterlos: Scheidungskinder klagen an“. Werden wir da eine ehrliche Antwort bereit haben???
Agens, eine Arbeitsgemeinschaft für ein neues MITeinander zwischen Mann und Frau, ist davon überzeugt, nur der Weg über unser aller Bewusstsein und Mitgefühl heraus kann diesen Missstand beseitigen.
Agens eV (www.agensev.de ) wird deswegen in Berlin eine politische Meinungskundgebung durchführen.........:
Wir werden eine Mauer aus Kartons als Symbol für Gerichtsbeschlüsse, die Kinder von Familien trennen, aufbauen. Und das in Berlin, am Brandenburger Tor, das eine traurige Geschichte der Trennung von einander liebenden Menschen durch eine Mauer hat. Wir werden jeden einzelnen Mauerstein als ein Symbol betrachten, für die Trennung der Kinder von der Familie nach Scheidung.
Nach einer kurzen Pause beginnen wir, zu den Klängen von Pink Floyd ("another brick in the wall") mit dem Abriss der „Mauer“.
Ballons werden frei gelassen. Wir betrachten die aufsteigenden Ballons als Symbol für unsere Hoffnung, dass schon bald unsere Kinder wieder ihre Würde und ihr Wohl wieder erlangen werden.
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